Black Sabbath - Sabotage

Review

Das sechste Album von BLACK SABBATH erschien im Juli 1975 und war in gewisser Weise eine Fortführung von „Sabbath Bloody Sabbath“. Nach dem warmen, farbigen und drogengeschwängerten Vorgänger wirkt „Sabotage“ aber kühler, leerer und verlorener. Während das Quartett aus Birmingham auf „Sabbath Bloody Sabbath“ die Wirkung des Rauschs noch voll auskostet, schwingt bei „Sabotage“ bereits das Wissen mit, dass dieser Rausch nicht unbegrenzt steigerbar ist. Das zeigt sich einerseits in den Texten, andererseits agiert Ozzy auf dem gesamten Album oberhalb des Limits: Seine Stimmbänder klingen teils arg strapaziert und blutig.

Das passt allerdings hervorragend zum ungekünstelten und analogen Sound der Scheibe, bei dem vor allem die Gitarren herrlich röhren und knarzen. Während Synthesizer auf „Sabbath Bloody Sabbath“ noch eine dominierende Rolle gespielt hatten, kommen hier die Effekte fast komplett von den Saiteninstrumenten: Flanger, Autowah, Chorus, Delay, ob einzeln oder übereinandergelegt.

Aber zunächst klingt „Sabotage“ ernüchternd simpel, vor allem wenn man die Vorgängeralben als Maßstab heranzieht: Der Opener „Hole In The Sky“ wirkt aufgrund seiner Rifffolge zunächst wie mit der Brechstange komponiert und entpuppt sich erst langsam als mitreißender Track. Mit „Don’t Start (Too Late)“ gibt es ein kurzes Gitarreninstrumental aus der Feder von Tony Iommi. Beeindruckend ist hier die merkwürdige und verstörende Melodie, die auch nach 35 Jahren nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hat. „Supertzar“ wiederum ist ein experimentelles Stück, auf dem ein kompletter Kammerchor mitwirkt – und nicht nur aufgrund der Melodiefolge ziemlich genial ist. Dass BLACK SABBATH vordergründig auch für den Singlemarkt komponieren können, zeigt das eingängige „Am I Going Insane (Radio)“ – das als Single trotzdem ein mittlerer Flop wird, vielleicht weil der Text keineswegs radiogerechte Fröhlichkeit vermittelt und der Song schließlich in irrem Gelächter ausläuft, bis nur noch ein besessenes Schreien übrigbleibt.

Freunde der ersten vier Alben werden vermutlich mit „Symptom Of The Universe“ am besten bedient, fährt das Stück doch zunächst eins der straightesten Metalriffs auf, die BLACK SABBATH je komponiert haben. Eigentlich unglaublich, dass das Stück schließlich komplett mit Akustikgitarren endet. Überhaupt schüttelt sich Tony Iommi für das Album einige seiner besten Riffs aus dem Ärmel, wie man in den beiden überlangen Stücken „Megalomania“ und „The Writ“ hört, jeweils gekonnt kontrapunktiert von Geezer Butlers Bassspiel. Und das Solo zu Beginn von „Thrill Of It All“ ist in seiner Effektivität bestechend. Bleibt noch die Leistung von Drummer Bill Ward zu würdigen, der mit seinem vielseitigen Spiel den Songs einen Teil ihrer Finesse verleiht.

Um „Sabotage“ zu bewerten, sollte man das Folgende im Hinterkopf behalten: Es ist ein Album, dem man nicht gerecht wird, wenn man es lediglich in Konkurrenz zu den ersten vier Werken der Briten setzt. Die Scheibe bietet mehr als die zurecht geliebten Brachialriffs und ist wesentlich vielseitiger – und überzeugt schließlich mit seinen kunstvoll ausgearbeiteten Songs. „Sabotage“ ist ein außergewöhnliches und (zu Unrecht) verkanntes Album – und der letzte Höhepunkt der Ozzy-Ära.

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02.01.2010

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1 Kommentar zu Black Sabbath - Sabotage

  1. Bluttaufe sagt:

    Absolut korrekte Bewertung. „Sabotage“ ist zudem eines der wenigen Alben von BLACK SABBATH (aus der frühen Ozzy Ära) welches am leichtesten zugänglich ist.
    Auch wenn da jeder seine eigene Meinung hat aber für mich sind „Sabotage“, das Debüt, „Paranoid“ und „Sabbath Bloody Sabbath“ die besseren Alben aus der BLACK SABBATH Frühphase.

    9/10