Capra - In Transmission

Review

Soundcheck April 2021# 19

Was CAPRA dazu getrieben hat, einen Song „Samuraiah Carey“ zu taufen, bleibt nach dem Genuss von „In Transmission“ ihr Geheimnis. Denn so humorvoll, wie dieser Titel anmutet, ist die Musik auf der Platte zu keiner Sekunde.

CAPRA mögen es brutal

Stattdessen haut die Band einem nach dem ruhigen Intro Blastbeats um die Ohren, während Frontfrau Crow Lotus in bester Hardcore-Manier ihre Wut herausschreit. „Hollow Doll“ bringt den Mix der Band aus extremen Metal-Sounds und (Post-)Hardcore damit schon ziemlich gut auf den Punkt.

„The Locust Preacher“ weist anschließend einige Anleihen beim ursprünglichen Punk auf, wenn die Gitarren in bester Drei-Akkorde-Manier drauflos schrammeln. Dabei wechselt sich die geschilderte Wut gerne Mal mit einem Schuss Melancholie ab, die vor allem bei den Gitarren-Leads und verzweifelten Schreien im schon erwähnten „Samuraiha Carey“ durchkommt.

Hardcore-typisch beschäftigen sich die Texte mit dem Leben am Rande der Gesellschaft, wobei Lotus vor allem ihre realen Erfahrungen als Inspirationsquelle heranzieht. Als Nachfahrin von Immigranten, weiß sie genau, wovon sie redet, wenn es um gesellschaftliche Ausgrenzung geht. Die Musik von CAPRA soll all jenen eine Stimme geben, die als andersartig wahrgenommen oder gar aktiv unterdrückt werden.

„In Transmission“ bleibt durchweg spannend

Und ja, genau diese Menschen finden mit der Band eine starke Stimme für sich. In „Red Guillotine“ prangern CAPRA die Ungerechtigkeiten an, mit denen Frauen immer noch täglich konfrontiert werden. „Locust Preacher“ wiederum erzählt vom Leben mit ständigen Angstzuständen, während Lotus in „Paper Tongues“ schwierige Familienverhältnisse verarbeitet.

Die Vielseitigkeit der Lyrics spiegelt sich in dem oft erratischen Songwriting von CAPRA wider. Die zumeist sehr kurzen Songs legen immer wieder überraschende Wendungen hin, die einen völlig unvorbereitet in die Magengrube treffen. Dank der ungebändigten Energie, die das Quartett an den Tag legt, reißt das bis zum Schluss mit. Allerdings bleibt es selbst nach mehreren Hördurchgängen schwierig, den Songs zu folgen.

Unterm Strich legen CAPRA mit „In Transmission“ stilistisch eines der bisher spannendsten Alben zwischen Hardcore und Metal ab, die es dieses Jahr bislang zu hören gab. Allerdings gelingt es der Band (noch) nicht ihre wahnwitzigen Ideen und ihre massive Wut in richtig griffige Songs zu verpacken.

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16.04.2021

"Irgendeiner wartet immer."

Der metal.de Serviervorschlag

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7 Kommentare zu Capra - In Transmission

  1. sardine sagt:

    Hab mir nun schon einige Songs des Albums gegeben da ich ja eigentlich auf sowas stehe. Leider muss ich den negativen Punkten im Review auch zustimmen, irgendwie schaffen es Capra nicht so ganz wirklich mitzureißen. Es ist weder Fisch noch Fleisch, für echten Hardcore/Crust Punk der den Rotz und die Wut geil bringen würde ist es zu glatt und für Metal ist es musikalisch zu „einfach“.
    Es gib gute Ansätze aber in Summe fehlt der letzte Kniff.
    Auch finde ich die Stimme auf Dauer doch nervig, rotziges Brüllen ist ja ok, aber hier ist es zu eintönig. Hardcore Punk mit Frauenstimme darf gerne noch deutlich heftiger und rotziger sein, dann hat der einfach mehr Druck. Da bleibe ich dann doch bei den Schweden von Operation die treten das Gaspedal einfach tiefer in den Unterboden.
    Aber man kann sich Capra durchaus mal merken und schauen was da noch so kommt – dann hör ich gerne wieder rein.

    6/10
  2. Watutinki sagt:

    Hier als Hauptgenrezuordnung Black Metal zu verwenden, halte ich doch für hochgradig irreführend.

  3. Dominik Rothe sagt:

    Yup, da hast du natürlich recht. Das kann schnell mal passieren, da unser System die Genreeinteilungen immer alphabetisch ausspuckt. Hab da nochmal en bisschen was angepasst, damit Black Metal nicht mehr vorne steht.

  4. Watutinki sagt:

    Ah super, das Wochenende ist gerettet! :))

  5. Kartoffelblues sagt:

    „Hauptgenrezuordnung“?
    Völlig indiskutabel! Wo ist Lord Budweiser?
    Sehr guter Post-Black-Metal-Hardcore-Refused-kennen-wir-auch-Ambient-Pseudo-PJ-Harvey-rutsch-mir-doch-den-Buckel-runter-Napalm-Death-Scum-für-Kommerz-Schlampen-und-Crust-können-wir-auch-mit-ein-bisschen-Death-Metal-aber-nicht-zu-heftig-Blast-Beat-Texte-sind-wichtig-aber-ich-emanzipere-mich-von-unpolitischen-Metal-Schlampen-wie-
    Alissa White-Gluz

  6. royale sagt:

    Die Brauerei hat ihn verklagt, die wollen nichts mit Querdenkerkasperei zutun haben, der heißt nun irgendwas mit „Hail Gedönsblabla“

  7. ClutchNixon sagt:

    Derbe viel Converge „verinnerlicht“, aber besser gut geklaut, als beschissen selbst gemacht. Freu mich drauf!