Corbeaux - Hit The Head

Review

Innerhalb der Post-Rock-Gemeinde gibt es mitunter zwei Lager: Das eine favorisiert eher weiträumige Hochglanz-Produktionen und Emotions-Bombast (wie zuletzt bei MAYBESHEWILL und SLEEPMAKESWAVES), das andere schwört – auch im Zuge des fortwährenden Retro-Trends – auf knarzige, eckige und organische Klänge (wie zuletzt bei TOUNDRA). Natürlich muss man das alles nicht zu eng sehen – wer sich selbst solche Grenzen auferlegt, läuft nur Gefahr, etwas zu verpassen. Die kurze Ausführung sollte ohnehin in erster Linie der stilistischen Verortung der französischen CORBEAUX dienen. Die nämlich gehören mit ihrem Zweitwerk „Hit The Head“ im Zweifelsfalle zu jenen Bands, die beim zweiten Lager Gehör finden.

Auf seinem zweiten Langspieler bietet der Vierer 35 Minuten energischen, instrumentalen Post-Rocks, der über weite Strecken nicht nur vorzüglich konzipiert, sondern auch ebenso dargeboten ist. Als erster großer Pluspunkt stellt sich dabei bereits beim ersten Durchlauf die exzellente Abmischung Magnus Lindbergs (u.a. CULT OF LUNA) heraus: Während die Gitarren in den härteren Momenten sehr harsch und direkt tönen, entfalten sie in den cleanen Passagen – eingebettet in wohligen Hall und zartes Delay – wiederum eine betörende Wärme und Organik. Hinzu kommt das prägnante, wunderbar natürliche Schlagzeug und ein markant knurrender Bass, der mit ordentlich Masse, aber auch viel Biss aufs Band gebracht wurde.

Was das Songwriting anbelangt, erweisen sich CORBEAUX als bedachtes Kollektiv, das nicht einfach Melodie an Melodie kleistert, sondern ausgesprochenen Wert auf Rhythmik legt. Im Mittelteil des Openers „Cran D’Arrêt“ oder beim mitreißend groovendem Drum-Intro von „Where Is Dave?“ beispielsweise wird so eine knisternde, greifbare Spannung erzeugt, die schlussendlich mit eingängigen Riffs von fast post-metallischem Kaliber aufgelöst wird. Stark.

Aber auch im ruhigeren Klanggewand machen die Franzosen eine hervorragende Figur, hier sei vor allem „7th Avenue“ genannt, dass anfangs zwischen klassischem Prog und Post-Rock hin- und hergleitet, in der Folge immer fordernder wird – um dann schließlich alles Nachdenkliche der ersten Minuten mit einem durig-knackigen Schlussteil wegzuwischen. Das durchweg flotte, ruppig dargereichte „La Bagarre“ zeigt die Franzosen dann noch einmal von ihrer rockigen Seite, im nahezu neunminütigen Schlusstrack „Ezimpurkor“ gibt es nach atmosphärischem Auftakt dann sogar noch ein wenig Gesang. Aufgrund mangelnder Französischkenntnisse des Rezensenten wurde die Recherche, wer da genau für diese Vokalfetzen verantwortlich ist, nach einigen Minuten eingestellt. Fakt ist allerdings: Es hätte den Gesang in diesem Zusammenhang nicht wirklich gebraucht, CORBEAUX haben auch so genug zu sagen.

Am Ende ist „Hit The Head“ eine rundum gelungene Veröffentlichung, bei der vielleicht nicht durchgängig ein Höhepunkt den nächsten jagt, die aber – nicht zuletzt aufgrund der kompakten Spieldauer – vor allem Anhängern bereits genannter TOUNDRA sowie früher MOGWAI, aber auch THE OCEAN („Precambrian„) oder DEFTONES ein äußerst kurzweiliges Hörerlebnis bescheren dürfte. Gern mehr davon.

22.02.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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