Defeater - Abandoned

Review

DEFEATER aus Boston ließen sich von Anfang an nicht die starren Fesseln des Hardcore anbringen und beweisen mit ihrem vierten Album „Abandoned“ erneut, dass sie wahrscheinlich genau deshalb eine der Vorzeigebands des Genres sind. Nicht nur musikalisch nimmt sich das Quartett von jeher alle Freiheiten, auch inhaltlich folgen DEFEATER einem ungewöhnlichen Konzept. Inspiriert vom in der Nachkriegszeit herrschenden Gegensatz von Reichtum auf der einen Seite und Diskriminierung, Hass und Vorurteilen auf der anderen, erzählen DEFEATER nun schon über mehrere Alben hinweg eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen aus den Augen einer Familie in New Jersey. Die aktuelle Episode beleuchtet das Hadern eines katholischen Priesters während des Krieges. Mit „Abandoned“ treiben DEFEATER ihr kompositorisches Schaffen auf die Spitze und begeistern mit einem packenden, gänsehauterzeugenden Album –  jede der elf Episoden trifft mit der Wucht eine Pfeiles mitten ins Herz.

Schwer zu sagen, über wem man zuerst den Sack voll Lob ausschütten soll. Drummer Joe Longobardi, der schon im im Opener „Contrition“ das Schlagzeug in einem ganz anderen, viel wichtigeren Licht als üblich, erscheinen lässt? „Abandoned“ zehrt deutlich von seinem impulsiven, sensiblen oder einfach nur antreibenden Spiel, welches mit Bassist Mike eine massive Wand liefert, die schon alleine einen Batzen Punkte wert ist. Umschwärmt, ummantelt, stramm flankiert oder einfach nur vage umwabert, werden die elf Stücke von den Gitarrenkünsten der Klampfer Jay und Jake. DEFEATER spielen einen Sound, der sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert, den man nicht überladen darf und dem auch keine virtuosen Soli zur Verfügung stehen. Umso lobenswerter, dass die Band es schafft „Atonement“ so angenehm schwerelos klingen zu lassen. Wie ein Hauch süßes Parfüm schwebt der instrumentale Teil im Raum, während Derek Archambault und Jay Maas an vorderster Front ihre mitreißenden Geschichten mit voller Inbrunst vortragen. Stark!

Derek Archambault gehört unbestritten zu den Besten seines Fachs. Das vorab veröffentlichte „Unanswered“ zeigt ihn aufgebracht und trotzdem akzentuiert, die Schmerzen nach seiner Hüftoperation, der er sich in Folge eines Unfalls unterziehen musste, lassen ihn noch roher und dringlicher erscheinen. Die Zerissenheit des Priesters, das Gefühl verloren und verdammt zu sein, werden von ihm beispiellos auf den Hörer übertragen. Textzeilen wie „I was a good man once, but now hopeless and abandoned“ stellt dem Hörer jedes einzelne Haar am Körper auf. Archambault liefert diesmal nicht nur die eindringlichste Performance, sondern auch die besten Lyrics ab und zwar ganz ohne sich selbst festzulegen. Der hitzige Wechsel zwischen Klaustrophie und Lauschigkeit gibt dem Album eine ganz besonders reizvolle Atmosphäre. Man muss kein Prophet sein, um festzustellen: „Abandoned“ wird 2015 den Melodic-Hardcore-Thron besetzen! DEFEATER haben sich ihre eigene Nische erfunden und sich somit einzigartig gemacht.

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03.09.2015

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