Hellseatic 2026
Zwei Tage Eskapismus

Konzertbericht

Billing: Heretoir, Crippled Black Phoenix, Author & Punisher, Aptera, Bruecken, Coltaine, Cranial, Ebbe, Eremit, Eyes, Fange, Japanische Kampfhörspiele, Kolari, Latex, Laudare, Pales, Pothamus, Psychonaut, Rezzra, rýr, Shitshow, Sundance, Temple Fang und Tyranex
Konzert vom 01.05.2026 - 02.05.2026 | Schlachthof, Bremen

Zum vierten Mal fand das Bremer Hellseatic Festival statt. Die Heavy Music Odyssey legte zum zweiten Mal nach der Ausgabe im September 2024 im Schlachthof nahe des Hauptbahnhofs an. Statt großer Namen und Headliner auf den Plakaten verfolgen die Veranstalter:innen ein anderes Konzept, wie sie uns im Interview erklärten. Ein reichhaltiges Getränkeangebot sorgte dafür, dass sich nicht nur die Location im Laufe des Abends gut füllte.

Viel zu entdecken beim Hellseatic

Der komplette Bremer Schlachthof wurde ins Hellseatic verwandelt. Neben den Bandperformances im Magazinkeller und der großen Kesselhalle gab es auch besondere Performances im Magazinboden – einem Raum ganz oben im Uhrenturm. Dorthin schaffen wir es leider nicht, denn im Erdgeschoss gibt es genug zu entdecken.

Die Getränkeauswahl fällt positiv auf: Zwar gibt es noch immer keinen Cider oder eine andere niedrigprozentige Alternative zu Bier, dafür kann sich die Longdrink-Auswahl mit 0,4 Litern für sieben bis acht Euro sehen lassen. Von Aperol Spritz bis Whisky-Cola bleiben kaum Wünsche offen. Zudem verwendet das Barpersonal hochwertigen Alkohol, sodass die Kopfschmerzen am Folgetag milde ausfallen.

Draußen auf dem Vorhof gibt es einen Pizzastand, der laut einigen Anwesenden für Festivalverhältnisse sehr gute Pizzen backt. Von vegan bis fleischhaltig ist alles dabei – nur Allergiker:innen schauen in die Röhre. Immerhin gibt’s Pommes. Im Restaurantbereich bietet ein veganes Küchenkollektiv Burger und andere Leckereien an.

Veganes Essen und Bands mit Haltung

Musikalisch gibt es viel zu entdecken: KOLARI eröffnen den Magazinkeller mit ihrem Post-Hardcore und sorgen direkt beim ersten Kaltgetränk für Bewegung und gute Stimmung. Der größtenteils instrumentale Post Rock von BRUECKEN in der Kesselhalle wirkt getragener und intensiver. Dafür sind schon mehr Menschen vor Ort als erwartet. Schön zu sehen, dass viele Besucher:innen früh bereit sind, Musik bewusst zu erleben.

EBBE bezeichnen sich als Black/Doom, entsprechend düster ist ihre Performance. Wir lassen uns von den Nebelschwaden treiben und genießen die Atmosphäre der finsteren Kellerlocation. COLTAINE, APTERA und TEMPLE FANG nehmen wir nur am Rande wahr, da wir das Angebot der Location nutzen, auswärts essen gehen und den Stand von Moment Of Collapse Records durchwühlen – das Label ist mit mehreren Bands auf dem Festival vertreten.

Als echte Überraschung entpuppen sich TYRANEX: Die Schweden spielen tighten Old-School-Thrash und wirken, als würde man gerade 80er-DESTRUCTION mit Frontfrau erleben. Stark! Nach einer durchgeschwitzten Mosh-Orgie können wir uns bei PSYCHONAUT etwas abkühlen, denn in der Kesselhalle spielen – wie schon 2024 – eher die getragenen, schweren Bands. Dafür wecken uns die Lokalmatadoren RÝR noch einmal auf, bevor mit CRIPPLED BLACK PHOENIX der Headliner ansteht.

Die Band hat zwar 90 Minuten Spielzeit, nutzt diese aber nicht voll aus. Die Ränge sind gut gefüllt, doch vor der Bühne lichten sich mit fortschreitender Stunde die Reihen. Verständlich, wenn man zuvor schon sieben Stunden Vollgas gegeben hat. Trotzdem lädt die intensive Musik der Briten zum Verweilen ein. Danach schauen wir noch kurz bei SHITSHOW vorbei, doch der Punk holt uns nicht ab und der Magazinkeller ist ohnehin zu voll. Also ab nach Hause, den Aperol-Rausch ausschlafen und fit werden für Tag zwei.

Die Sonne lacht über dem Hellseatic

Haben wir schon das Wetter erwähnt? Sowohl Freitag als auch Samstag ist uns der Wettergott wohlgesonnen und beschert Sonne satt. Das führt dazu, dass draußen viele Menschen feiern, trinken, rauchen und lachen. Sogar Leute mit Akustikgitarre sind dabei und veranstalten ihre eigene kleine Jamsession.

Drinnen geben sich EREMIT und SUNDANCE die Ehre, während wir noch mit Frühstück und Ankommen beschäftigt sind. Doch den Sludge von CRANIAL wollen wir erleben. Das sehen viele andere genauso, denn die Kesselhalle füllt sich schnell. Der Auftritt der Band gehört zu den Highlights der diesjährigen Hellseatic-Ausgabe. Augen schließen, Traumfabrik anwerfen, los geht’s!

So vergeht ein Festivaltag wie im Rausch, wenn man Spaß hat. Man schwebt von Halle zu Halle, hört bei verschiedenen Bands rein, doch bis zum Abend packt einen wenig. LAUDARE, PALES und FANGE hinterlassen kaum Eindrücke, und während POTHAMUS machen wir Essenspause. Danach geht es gestärkt zu REZZRA in den Magazinkeller. Die Lokalmatadoren knallen uns angeschwärzten Death Metal um die Ohren und machen ordentlich Spaß. Leider gibt es die Musik nur digital, auf der Bühne weiß die Truppe jedoch zu überzeugen.

Ein starker Samstag Abend

Mit AUTHOR & PUNISHER haben die Hellseatic-Booker einen besonders interessanten Act an Land gezogen: Das Soloprojekt von Tristan Shone nutzt eigens gebaute Instrumente. Der Klang, den Shone mit seinen Maschinen erzeugt, geht durch Mark und Bein und rüttelt wach. Nichts für die heimische Anlage, live aber ein intensives Erlebnis. Danach reicht die Kraft noch für JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE. Warum die alteingesessenen Grind-Knüppler zwei Sänger mit gleicher Stimmlage brauchen, erschließt sich uns zwar nicht, doch die gefühlt 32 Songs in 45 Minuten sorgen für ebenso viele Moshpits.

Highlight und Headliner sind HERETOIR, die mit ihrem Shoegaze eine ähnliche Stimmung erzeugen wie ALCEST im vergangenen Jahr. Für solche Gigs ist die Kesselhalle gemacht. Viele Menschen wippen wie in Trance mit und saugen die Musik samt großartiger Lichtshow auf. Wer danach noch Kraft hat, hört sich EYES im Magazinkeller an.

Wir schnappen noch etwas frische Luft, genießen den einsetzenden Regen unter den großen Schirmen und gehen anschließend zur Aftershowparty mit DJ Rakete (samt großer Rakete auf dem Rücken) und DJ Brachiaal. Die Stimmung ist gut, die Getränke kalt. Irgendwann gegen zwei Uhr nachts verlassen uns die Kräfte und wir gehen müde und glücklich nach Hause. Hoffentlich war es nicht die letzte Hellseatic-Party im Schlachthof.

16.05.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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