Die Krupps - Vision 2020 Vision

Review

Galerie mit 14 Bildern: Die Krupps auf dem Mera Luna Festival 2016

Für viele Fans der Industrial-Götter aus Düsseldorf sind die Alben aus den „Metal Years“ der Band, die 2020 in ihr unglaubliches 40. Jahr geht, die stärksten. Vor allem „IV: Paradise Now“ von 1997 gilt für nicht wenige als die beste Scheibe, die DIE KRUPPS bis heute hervorgebracht haben.

DIE KRUPPS – Stahlwerkssymphonien treffen auf viel Groove

Die Musik der Düsseldorfer war von Beginn an eine radikale Abrechnung mit der Schere zwischen Arbeit und Kapital, mit der stets aktuellen (Welt-)Politik und den Entartungen der Gesellschaft. Die Wut in eben dieser Gesellschaft nahm dabei genauso zu wie in der Musik der Band.

„Vision 2020 Vision“ schlägt dabei in die gleiche Kerbe wie die anderen Alben der „Metal Years“. Bereits zu Beginn geht es deftig-derb zur Sache:“Vision 2020 Vision“ ist der beste Track des Albums. Ein echter Hit, der es auch über die lange Distanz schaffen könnte, in eine Best-Of-Compilation der Band aufgenommen zu werden. Ein echter Headbanger-Song mit allem, was Fans der KRUPPS so wichtig ist. Hier wird gesampelt, es rockt heftig, melodisch gesungene Parts wechseln sich ab mit einem brutalen Chorus, den wirklich jeder mitsingen kann und ganz sicher live auch wird.

Dieses nostalgische Level wird auch in den weiteren Songs beibehalten. Die Single-Auskopplung „Welcome to the Blackout“ erinnert anfangs an RAMMSTEIN, kommt jedoch gewohnt groovig daher und weiß mit ihrer Einfachheit zu gefallen. „Trigger Warning“, „Wolfen (Her Pack)“ und „Extinction Time“ komplettieren diesen ersten, sehr starken Block auf „Vision 2020 Vision“. Synthie-Sounds und Samples treffen auf groovende Härte – DIE KRUPPS in Hochform. Auch textlich, denn die Weltuntergangsuhr steht auf 5 vor 12. Daran lassen DIE KRUPPS keinen Zweifel.

Jürgen Engler gibt `ne Party – Und wir kommen nicht rein

Dann jedoch entgleist den Jungs um Jürgen Engler und Ralf Dörper komplett das Konzept. „Carpet Crawlers“ und „Fires“ sind absolute Nullnummern. Musikalisch wie gesanglich. Schade, denn der Cut ist einfach so dermaßen hart, dass selbst Stanley Kubrick sich mit Grausen abwenden würde. Besonders erster Song erinnert mehr an PHILLIP BOAH & THE VOODOOCLUB. Avantgarde-Pop könnte man dies noch am Ehesten nennen. Nett, aber hat absolut nichts mit den KRUPPS zu tun. Vielleicht tun wir der Band auch Unrecht und lassen sie nicht experimentieren, was ja eigentlich die Stärke der Band ist. Jedoch ist auch der zweite Song (mit DAVID BOWIE-Gesang) trotz wiederkehrender Gitarren keine Offenbarung.

Danach wird es sogar noch schlimmer: „Obacht“ ist dumm, gewollt böse und zu viel RAMMSTEIN für eine Band wie DIE KRUPPS, die dies doch gar nicht nötig haben. Ohne Bands wie DIE KRUPPS oder LAIBACH gäbe es RAMMSTEIN gar nicht, was die Berliner oft betont haben. Also gibt es auch keine Veranlassung für die Väter, die Söhne nachzuahmen. Auch wirken deutsche Texte in einem Album, das ansonsten englische Texte aufbietet, fehl am Platz.

„Vision 2020 Vision“: Eine gnadenlose Abrechnung mit einer entarteten Welt

Glücklicherweise finden DIE KRUPPS danach nochmal zurück in die Spur. Und wie! „DestiNation Doomsday“, „Alllies“, „Fuck You“, „Active Shooter Situation“ und „Human“ sind eine schonungslose Abrechnung mit unserer Zeit, fragilen Sicherheiten und vor allem dem amerikanischen Präsidenten und dessen Politik. DIE KRUPPS machen sich Sorgen und das merkt man. Und das ist das Besondere an einer Band, die auf den ersten Blick nicht sonderlich politisch erscheint, es aber dennoch ist.

Auch musikalisch ist der letzte Block des Albums eine Bank. Knüppelharte Headbanger-Passagen und viel Härte im Gesang machen Spaß und laden – auch textlich – zu mehrmaligem Anhören ein („If you really wanna know, listen to the whistleblow.“, „Lies lies – Allies – All lies.“,“You`re dangerously incompetent. And the damage will be permanent.“). DIE KRUPPS bieten uns einen düsteren Blick auf die Gegenwart und die Zukunft.

40 weitere Jahre? Ein Fazit

DIE KRUPPS liefern mit „Vision 2020 Vision“ ein sehr starkes und hochemotionales, heftig-rockendes Album ab, das sehr viel Licht und nur wenig Schatten zu bieten hat. Zwei geniale Blocks zu Beginn und am Ende des Albums gefallen durch viel Groove, viel Headbanger-kompatible Gitarrenarbeit, oldschoolige Samples und sehr viel Hirn in den Texten. Der kleine schwache Mittelteil der Scheibe ist dabei zu verschmerzen. Wenn DIE KRUPPS die Form von „Vision 2020 Vision“ halten, können sie gerne weitere 40 Jahre Musik machen.

Review von Paul

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23.11.2019

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