E-L-R - Mænad

Review

Ihr Demo „In Splendour & Sedation“ konnte letztes Jahr bereits für ein wenig Aufsehen bei Liebhabern des Post-Whatever-Genres sorgen, insofern man dieses weite Feld überhaupt als solches bezeichnen kann. Die Schweizer Band E-L-R bezeichnet ihren Stil selbst als Post-Doom und betont ihre Naturverbundenheit. Das Longplay-Debüt „Mænad“ wurde nach den mythischen Begleiterinnen des griechischen Gottes des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase – Dionysos – benannt. Na, wenn das nicht vielversprechend klingt…

E-L-R – Moderne Naturverbundenheit

Der sehr langsam und ambient-lastig beginnende Opener „Glancing Limbs“ spart direkt nicht mit Elektronik, womit schon einmal geklärt ist, dass der Sound des Trios eher modern daherkommt, trotz der angegebenen Nähe zur Natur. Bereits früh durch rhythmisches Getrommel angekündigt, entlädt sich ab Minute fünf ein erster Sturm in Form verzerrter Gitarren, die hier gar nicht mal so glatt klingen, wie die vieler anderer Post-Rock-Kapellen. Der massiv wabernde Bass sorgt gemeinsam mit den schamanischen Gesängen von Gitarristin S.M. und Bassistin I.R. bereits für einen ersten trance-artigen Sog, der den Hörer verschlucken möchte. Bei aller durchaus vorhandenen Melodiösität strahlt „Glancing Limbs“ aber auch eine gewisse Kälte und Melancholie aus.

Die Nähe zum Doom lässt sich in „Devotee“ noch etwas besser erkennen. Neben dem gedrosselten Tempo klingt der Song noch etwas düsterer, ja abgründiger. Riffs und Melodielinien sind minimalistisch gehalten und verfehlen gerade dadurch ihre Wirkung nicht. Auch die später einsetzenden Gesänge wirken gleichermaßen verträumt wie apokalyptisch.

Das Fazit von „Above The Mountains There Is Light“ fällt eher zwiegespalten aus. Natürlich kann man sich in diesem über zehnminütigen Mammut eines Songs wunderbar verlieren. Das lange, atmosphärische „Intro“, wie auch das fast schon hypnotisch wirkende, ständig wiederholte Hauptthema könnten Zeit und Raum ausblenden. Tatsächlich erwischt man sich aber im Verlauf der Nummer eher dabei, wie die Gedanken langsam abschweifen, das Gehör wird der sicherlich absichtlich eingesetzten Monotonie einfach ein wenig überdrüssig.

Der Beginn von „Ambrosia“ sorgt nach dem zähen Vorgänger mit seinem fast schon fluffigen Beginn für etwas Auflockerung, bevor ein schweres Riff erneut hypnotische Wirkung entfalten kann, die hier aber besser dosiert eingesetzt wird. In „Lunar Lights“ zeigen E-L-R, dass sie auch melodischeren Post-Rock à la RUSSIAN CIRCLES durchaus beherrschen, wobei auch hier die Melodien auf das nötige beschränkt bleiben und eher auf Effektivität denn auf ausschweifende Verspieltheit setzen. Das finale „The Wild Shore“, das im Mittelteil sogar kurz an SÓLSTAFIR erinnert, spannt dann mit seinen verspielten Percussions und dem rauschenden Meer als Rausschmeißer erneut den Bogen zu den Gewalten der Natur.

Authentisch aber nicht begeisternd – „Mænad“

E-L-R gelingt auf „Mænad“ der Spagat zwischen einem relativ modernen Sound und glaubhaftem Naturbezug in den meisten Fällen wirklich gut. Während es hier und da Parallelen zu AMENRA gibt, mit denen man Anfang 2019 auch gemeinsam tourte, sind die Schweizer dem Post-Rock deutlich näher als dem Sludge, auch wenn sicher hier und da ein wenig Doom mitschwingt.

Zwar setzt man mit wabernden Synth-Flächen, flüsternden Stimmen, Percussions und vielen weiteren atmosphärischen Zutaten durchaus auf aufwändige Arrangements, die Essenz der Songs ist dennoch minimalistisch. Das geht meistens gut, kann aber auch stellenweise für ein wenig gepflegte Langeweile sorgen.

„Mænad“ ist sicherlich ein leicht überdurchschnittliches Release in einem immer unübersichtlicher werdenden Dschungel diverser Post-Subgenres und wirkt auch durchaus authentisch. Um komplett zu begeistern und dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben, fehlen dem Trio aber vielleicht, neben dem weiblichen Gesang, ein paar weitere Alleinstellungsmerkmale und mehr Rafinesse im Songwriting.

26.09.2019

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