Eternity's End - Titanblood

Review

Fünf Jahre nach „Embers Of War“ lassen ETERNITY’S END mit „Titanblood“ wieder die musikalischen Muskeln spielen. Dass es bis zum vierten Album der (überwiegend) deutschen Progressive-Metal-Supergroup, die eigentlich nur bedingt Progressive Metal spielt, etwas gedauert hat, ist kaum verwunderlich. Denn grade die Herren Gossmann (Drums), Münzer (Gitarre) und Klausenitzer (Bass) zählen ja zu den umtriebigsten Gesellen der hiesigen Metal-Szene, ob nun mit ALKALOID oder diversen anderen Projekten, und entsprechend voll wird der Terminkalender sein.

ETERNITY’S END melden sich mit neuem Sänger aus der Pause zurück

Ebenfalls weiterhin zum Inventar gehören Keyboarder Jimmy Pitts (u. a. NORTHTALE, EQUIPOISE und FINAL STRIKE) sowie der auf dem letzten Album dazugestoßene Justin Hombach (u. a. Live-Gitarre bei ALKALOID), einen Wechsel gab es allerdings am Mikrofon. Iuri Sanson ist raus, seinen Posten übernimmt dafür der Grieche Mike Livas (u. a. SILENT WINTER), dessen Stimme streckenweise rauer als die seines Vorgängers, ja, teilweise sogar ein wenig grölig rüberkommt und entsprechend ein wenig Eingewöhnungszeit erfordert.

Die hohen Töne trifft er allerdings problemlos und auch sonst bekommt man von ETERNITY’S END wieder blitzgeschwinden Power Metal mit leichter Prog-Schlagseite und ordentlich PS unter Haube um die Ohren gepfeffert, der sich meist irgendwo im weiten Feld zwischen SYMPHONY X, STRATOVARIUS und BLIND GUARDIAN bewegt. So kommt etwa der Opener „The Gods Of Bal Sagoth“ mit ein paar herrlichen André-Olbrich-Gedenkleads daher, während beim Titelstück und „In The Wake Of The Carrion King“ der innere Timo Tolkki kanalisiert wird.

Bei aller neoklassischen Frickelei geht es bei ETERNITY’S END aber letztlich nicht primär um instrumentalen Hochleistungssport; man denkt im Gegensatz zu technisch ähnlich beschlagenen Kollegen wie DRAGONFORCE auch daran, gute Songs zu schreiben. Es jagt ein großer Refrain den nächsten, die symphonischen Elemente sind zwar präsent aber mit Bedacht eingesetzt und auch vor gesunder Härte schreckt man nicht zurück.

Instrumentaler Hochleistungssport trifft auf gesunde Härte und gutes Songwriting

So kokettiert man beim Anfang von „Sword Of The Storm“ beispielsweise kurz mit schwarzmetallischer Raserei und wirft bei „Eternal Winter“ ein paar megatödliche Riffs in den Ring, die im weiteren Verlauf auf eine Melodieführung à la GAMMA RAY und einen schwer an RUNNING WILD erinnernden Chorus treffen. Das schmissige Instrumental „Gates Of Eternity“, bei dem vor allem Jimmy Pitts glänzen darf, sowie das balladesk beginnende und sich episch steigernde „The Abyss Watchers“ beweisen zudem, dass man auch in etwas gemäßigterem Tempo noch funktioniert.

ETERNITY’S END zeigen mal wieder, dass man angesichts von irrwitzigen Drum-Patterns, waghalsigen Breaks und Leads, die bei Normalsterblichen für Knoten in den Fingern sorgen würden, nicht auf gutes Songwriting verzichten muss. Mit „Titanblood“ liefern sie erneut ein starkes Progressive-Power-Metal-Album ab, das zugleich musikalisch komplex und doch jederzeit nachvollziehbar ist. Allein der Gesang bleibt stellenweise gewöhnungsbedürftig, umgekehrt kann Mike Livas aber auch immer wieder starke Akzente setzen und ist von einer schlechten Performance mit Sicherheit meilenweit entfernt. Man muss sich eben daran gewöhnen.

04.11.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

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