
Mit großer Freude lässt sich derzeit die Entwicklung von BOSPARANS FALL verfolgen. Nach der 2022er „Pantheon“-EP und dem 2023er Albumdebüt „Götterspiel: Dunkle Zeiten“ sammelten die Fantasy-Nerds aus dem Allgäu zunächst erste Bühnenerfahrungen, die sie mit „Live at Aaargh Festival 2024“ dokumentierten,und schoben 2025 mit der Standalone-Single „Swafnir steh‘ uns bei“ eine in die „Das Schwarze Auge“-Spielwelt Aventurien überführte Fassung von MIRACLE OF SOUNDs Wikinger-Megahymne „Valhalla Calling“ nach. Nun wird es also Zeit für das zweite Studioalbum, das BOSPARANS FALL als merklich gereifte und um einige Facetten reichere Band zeigt.
Ein Doublebass-Inferno eröffnet BOSPARANS FALLs zweites „Götterspiel“
Wie es der Titel bereits erkennen lässt, knüpft „Götterspiel: Namenlose Tage“ atmosphärisch und im Hinblick auf die den Texten zugrunde liegende Konzeptgeschichte nahtlos an den Vorgänger an. Basierend auf dem im deutschsprachigen Raum seit mehr als vierzig Jahren führenden Pen&Paper-Rollenspiel „Das Schwarze Auge“ (DSA) führt der zweite Teil der als Trilogie geplanten „Götterspiel“-Reihe die Geschichte des Helden Alrik Immerda, seines treuen Gefährten Arlef vom Roten Bache und eines jahrtausendealten Artefakts fort. Wo „Dunkle Zeiten“ mit der verzweifelten Schlacht um die Amazonenburg Kurkum endete, bringen uns BOSPARANS FALL mit dem Intro „Panegyrikus“ und dem Titelsong „Namenlose Tage“ wieder genau dorthin zurück.
Das zu Beginn losbrechende Doublebass-Inferno kommt ziemlich unerwartet und demonstriert die stilistische Öffnung der Band. Neben das bekannte Melo-Death-Riffing treten hier – ASENBLUT und UNLEASHED lassen grüßen – starke Pagan- und sogar Black-Metal-Vibes, die hervorragend den Spirit der fünf Tage des Namenlosen einfangen, welche im aventurischen Alternativjahreslauf die sommerliche Zeit „zwischen den Jahren“ markieren und den sinsitren Machenschaften des gleichunnamigen Gottes gehören. Der Zugewinn an Härte und Aggression steht BOSPARANS FALL gut zu Gesicht und wird von einer satten Produktion unterstrichen, die für den nötigen Druck sorgt, ohne dass dabei die Dynamik zu kurz kommt.
Ein Hinzugewinn an Abwechslungsreichtum, Kraft und Selbstvertrauen
Im weiteren Albumverlauf rücken die melodischen und epischen Momente wieder zunehmend in den Vordergrund, der Hinzugewinn an Abwechslungsreichtum bleibt jedoch bestehen. Ganz im Geiste der detailliert beschriebenen Fantasy-Spielwiese fügen sich immer wieder episch-orchestrale Keyboard-Arrangements ins Gesamtgeschehen ein. Mit echten Orchesteraufnahmen können diese Synthie-Spielereien zwar nicht mithalten, sich dieser Schwäche bewusst setzen BOSPARANS FALL die Atmosphäre schaffenden Klangsprenkel aber so dezent ein, dass sie eine echte Bereicherung bleiben und sich nicht zum Nervfaktor entwickeln.
Den größten Fortschritt hat aber zwiefellos Sänger Jonas Diem gemacht, der nicht zuletzt durch die steigende Zahl an Live-Auftritten hörbar an Kraft und Selbstvertrauen gewonnen hat. An richtige Cleangesang-Passagen trauen er und seine Bandkollegen sich zwar nach wie vor nicht heran, das von gelegentlichen Sprech-Passagen und Screams aufgelockerten Growling wirkt nun aber angenehm ausdrucksstark und packend. Das Spektrum reich hierbei von heroischen Schlachtgesängen („Rondras Segen“, „Das Letzte Banner“, „Dort Wo Keine Sonne Mehr Scheint“) über beinahe besinnliches Gotteslob („Angrosch“, „Efferd“, „Boron“) bis hin zum unkonventionellen Grusel-Walzer „Ifirns Heim“.
BOSPARANS FALL haben sich in allen Bereichen merklich weiterentwickelt
Alles in allem befinden sich BOSPARANS FALL also auf einem richtig guten Weg und haben sich in allen Bereichen merklich weiterentwickelt. Zwar sind die Texte noch immer relativ prosaisch und das Riffing stellenweise allzu banal geraten, dies schmälert den positiven Gesamteindruck jedoch nur unwesentlich. So freuen wir uns jetzt bereits auf den geplanten Abschluss der „Götterspiel“-Trilogie und bleiben gespannt, ob die Allgäuer mit dieser den Trend fortsetzen und auf ihr bisheriges Schaffen noch einmal eine Schippe draufpacken werden.

Florian Schörg


















Kommentare
Sag Deine Meinung!