Fleshgore - Defiance To Evil

Review

 

Als Rezensent ist man es eigentlich gewohnt, hin und wieder seinen Ohren nicht trauen zu können – Überraschungen, unerwartete Wendungen und völlig neuartige Experimente gehören praktisch zum schreiberischen Alltag. Nichtsdestotrotz blieb mir im Hinblick auf “Defiance To Evil“, dem Neuwerk der Ukrainer von FLESHGORE, nichts anderes übrig, als mir deren 2008er Album “Wake Up For Freedom“ nochmals zu Gemüte zu führen. Tatsächlich war dies genau das, was ich in Erinnerung hatte: Brutale Death Metal und Grind-Klänge, die sich mit verschiedensten Stilen auch weit abseits vom Metal recht interessant vermischten. Besonders gefallen hatte mir damals, dass beide Adern eine sehr angenehme und ausgewogene Ausprägung hatten, sodass man durchaus von einer gelungenen Umsetzung sprechen konnte.

In Deutschland erschien die Platte damals über 666 Strings Records, “Defiance To Evil“ wird stattdessen in völliger Eigenregie rausgehauen, schon irgendwie seltsam. Als ich mir das Ding allerdings zum ersten Mal anhörte, fiel es mir wie Schuppen, in diesem Fall, von den Ohren. Wo ist der mächtige Death-Metal-Sound hin? Etwa auf dem Postweg verloren gegangen? Die unkonventionellen Experimente scheinbar auch. Das neue Album der Osteuropäer ist wahrhaftig vollständig auf Sicherheit getrimmt, offenbart am Ehesten modernen Thrash Metal langweiligster Natur und ist fast so risikoarm, wie jetzt noch auf die Meisterschaft von Borussia Dortmund zu setzen.

Am Mikro hat man Sänger Sid durch einen neuen Statisten namens Denys ausgetauscht, daraus folgt, dass Growls und mörderisch fiese Inhales nun der Vergangenheit angehören, stattdessen ertönt eine zweitklassige, recht harsch klingende Fieslingsstimme ohne wesentliche Durchschlagskraft – vielleicht für das Vorprogramm einer lokalen Thrash-Metal-Band tauglich. Einzig die Instrumentalfraktion verlässt ganz selten mal das Feld ausgelutschter 0815-Riffs, erinnert hier und da mal an vergangene Death/Grind-Tage (Anfang von “Terrorist“ zum Beispiel), bevor es allerdings unfassbar austauschbar weitergeht.

Dass FLESHGORE sicherlich etwas auf dem Kasten haben ist bereits bewiesen, mit “Defiance To Evil“ untermauern sie dies dennoch nicht im Geringsten. Heutzutage klingen die Ukrainer wie ein Rennpferd, das man im Stall mit Ausblick auf die Bahn einsperrt und es zusehen lässt, während die Konkurrenten munter ihre Runden drehen.

01.04.2011

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