Ganglia - The Beginnings

Review

GÅNGLÎÅ sind schon eine eigenartige Erscheinung. In den späten Achtzigern begannen ein paar durchgeknallte Metalheads ihre Instrumente dermaßen brutal zu foltern, und hoben damit das aus der Taufe, was wenig später als ‚Grindcore‘ in die Annalen der Musikgeschichte eingehen sollte. Das war neu, das war einfach nur schockierend! Ein paar Jahre später, kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts kroch GÅNGLÎÅ aus den Tiefen der Musik, um selbige vollkommen zu zerstören. Firmierte Projektkopf David Smittcamp vorher noch unter „Noisegrind“, änderte er diese irreführende Bezeichnung bald passenderweise in „eGrind“. Das ist ganz trivial elektronischer Grindcore, realisiert durch Hard- und Software Drum-Machines, Samples, Synth-Effekte und einer Stimme am Mikro.

Diese Basiszutaten werden zu einem erstickenden Übermaß an Brutalität vermengt, mit Geschwindigkeiten jenseits der 500 BPM-Grenze, die jeden ICE als müde Bimmelbahn stehen lassen, und absolut abartigen, gutturalen Stimmbandvergewaltiger-Vocals. Das Grundgerüst bilden klassische, brutale Grindcore Strukturen, dazu die für Speedcore und Digital Hardcore typischen Dampfhammer-Bassdrums. Auch wenn die Drum-Machines sehr dominant sind, werden auch haufenweise Gitarrenschrammel-Riffs emuliert, oder durch Synthpads ersetzt. Fügen wir noch ein paar Versatzstücke aus Drum’n’Bass, Breakbeat, Noise und Industrial hinzu, und wir erhalten in etwa das, was uns in der Welt GÅNGLÎÅs erwartet – die Hölle!

„The Beginnings“ ist eine erstklassige Werkschau, eine Retrospektive des bisherigen Schaffens. Enthalten ist die schier unglaubliche Menge von 101 (!) Songs, die aus (song-)technischen Gründen zu 76 Songs zusammengefasst wurde. Die in einem opulent aufgemachten DVD-Case erscheinende CD beinhaltet dabei sämtliche Werke, die unter dem Namen GÅNGLÎÅ erschienen sind: Das „Friday The 14th“ Demo, „Japanese“, die „Mechanized Mullet“ Split MC mit PANOPTIC sowie die Split mit GUNTGRUTCHER, desweiteren die Beiträge der infernalischen „Drum Machine Compilations“. Als Extras gibt es noch einen „777 BPM Mega Mix“ sowie einen Live-Track. Zu Beginn stehen die aktuellsten Tracks, ganz am Ende die ältesten. In umgekehrter Reihenfolge hört man somit die Wandlung, die GÅNGLÎÅ bisher vollzogen hat, die anfänglichen Gehversuche im Kontrast zur jetzigen perfektionierten Tötungsmaschine.
Was über NASUMs „Grind Finale“ gesagt wird, gilt auch hier: Es ist fast unmöglich, sich dieses Album am Stück anzuhören, zu überwältigend ist der Klangterrorismus, der auf „The Beginnings“ praktiziert wird. Die Trommelfelle und die Bassmembranen der Lautsprecher verabschieden sich spätestens nach der Hälfte, vorher tun es die Nachbarn. Der Einzige, der dann noch freundlich an die Tür klopft, sind die Männer im weißen Kittel. Eine einzige elektronische Grind-Apokalypse!

Grindcore-Liebhaber, denen es gar nicht brutal genug sein kann, und die gern neue Ufer für sich entdecken wollen, sollten hier ein Ohr riskieren. Aber auch für Liebhaber von Noise, Industrial und Digital Hardcore ist GÅNGLÎÅs „The Beginnings“ mehr als interessant. Ein Album, mit dem man Eindruck schinden kann, weil es nicht jeder kennt, und kaum einer sein eigen nennen kann.
Dabei geht’s so einfach: Einfach bei Einsteinium Records vorbeischauen, und für billig Geld bestellen – ab damit in den Player und die heimische Anlage zerstören. Hell-Yeah!

21.11.2006

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