



Dass GHØSTKID so schnell mit einem neuen Album um die Ecke kommen, ist unerwartet. Sebastian „Sushi“ Biesler trennte sich kürzlich von seiner kompletten Band und stellte sie neu auf. Anscheinend lagen die Songs bereits in der Schublade, denn der ehemalige ELECTRIC CALLBOY-Sänger ist ohnehin hauptverantwortlich für alles, was unter dem Bandnamen passiert. Doch auch ohne den Wechsel fällt die Wartezeit kürzer aus als zwischen dem Debüt und „Hollywood Suicide“. Gut für die Fans.
GHØSTKID steigen ins Wunderland hinab
Der Albumtitel bezieht sich natürlich auf „Alice im Wunderland“ und auch auf das Videospiel „American McGee’s Alice“, das eine verzerrte und verrückte Version des Märchens rund um das Mädchen Alice darstellt. Dafür kommt der erste Song nach dem unheilvollen Intro „The End“ namens „Ivory“ erstaunlich zart daher, und Sushi packt seinen gefühlvollen Klargesang aus, den er lange nicht mehr in diesem Ausmaß benutzt hat.
Wer dachte, dass GHØSTKID jetzt zur nächsten Schmalzband werden, wird allerdings enttäuscht: Schon „Mother Death“ bietet das gewohnte, leicht psychopathische Core-Futter, das wir von den ersten beiden Alben kennen. Gruseliges Geflüster, verzweifelte Shouts und ausdrucksstarke klare Vocals wechseln sich hier in einem Gewitter aus elektronischen Beats und harten Gitarren ab.
Ein Highlight ist der Titeltrack, der treibend und gleichzeitig sehr emotional wirkt. „Give Your Kids A Gun To Play“ liefert einen dissonanten Breakdown, bei dem schon nach dem ersten Hören klar ist, wohin die Moshpit-Reise im Club führt. „Unconditionally“ schwankt zwischen Liebeserklärung und Hasstirade. Mit „Lovely“ bekommen wir die erste GHØSTKID-Ballade, die mit Sushis schönem Gesang, einem unaufgeregten Beat und langsamen Riffs richtig gut funktioniert.
Über das gesamte Album hinweg wird klar, dass GHØSTKID hier noch emotionaler agieren und tiefer in die Psyche ihres Frontmanns einsteigen. Die komplette Verrücktheit weicht stellenweise einer Nahbarkeit, die wir so noch nicht kannten, der neu formierten Gruppe aber gut zu Gesicht steht.
„Follow The White Rabbit“ ist anders intensiv
So ganz kohärent wirkt das erste Album im neuen Line-up noch nicht, aber „Follow The White Rabbit“ könnte im Laufe der Zeit noch wachsen. Chapeau an GHØSTKID, so schnell nach der Trennung und Neuaufstellung weiterzumachen.

Jannik Kleemann































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