
Praise The Plague / A Secret Revealed
Tour 2026
Konzertbericht
Zum Wochenstart begeben wir uns an einem winterlich anmutenden Herbstabend in den Backstage Club um atmosphärischer Musik zu lauschen, die besonders durch A SECRET REVEALED mit ordentlich Core-Vibes aufpoliert wird. Im Eingangsbereich berichtet PRAISE-THE-PLAGUE-Gitarrist und Mastermind Marcel Martin, dass die Tour heute erst richtig beginnt, nachdem der Tross einen Auftakt in Dresden gespielt und zwei Tage Pause hatte.
A SECRET REVEALED
Den Abend eröffnen die Würzburger mit ihrer wilden Mischung aus Post Black Metal, Metalcore und gar Hardcore. Sänger Michael Heim gibt sich wortkarg und steckt seine Energie stattdessen in den kraftvollen und vor allem extrem facettenreichen Gesang. Flankiert wird er von groovigen Bassläufen. Während das Bühnenbild mit viel Nebel und blauem Licht einem Horrorfilm für Fotografierende ähnelt, breitet sich eine herbstliche Atmosphäre aus. Rund fünfzig Besucher:innen füllen den kleinen Club besser als befürchtet und die Band präsentiert ihr jüngstes Werk „The Ruin I Summoned Forth„.
Der Sound legt eine steile Evolutionskurve hin, denn die anfangs noch verwaschen klingenden Arrangements, werden mit jedem Takt klarer und endlich können wir uns mit geschlossenen Augen den tiefgehenden, dynamischen Downerparts hingeben. Die knappe Dreiviertelstunde geht trotz der Schwere der Musik wahnsinnig kurzweilig zu Ende und während sich Heim brav bei den Gekommenen bedankt hallt ein sattes Sustain aus den Marshallboxen noch lange nach.
PRAISE THE PLAGUE
Die Umbaupause erledigen die Musiker:innen blitzschnell und effizient. Manchmal ist es ein Vorteil, wenn man selbst Hand anlegt. Marcel verteilt derweil laminierte Setlists (hier hat jemand entweder mitgedacht oder aus früheren Fehlern in Sachen „Getränke versus Bühne“ gelernt) unter den Bandmitgliedern, bevor das Licht erneut gedimmt wird. PRAISE THE PLAGUE verzichten allerdings auf jegliche Farbenspiele und präsentieren sich in fahler Beleuchtung. Dabei streben die Berliner ähnlich wie ihre Vorgänger in Richtung Post Black Metal und breit angelegte Flächen.
Sänger Robert Carmosin changiert ebenfalls zwischen einigen Techniken, wodurch die Band auch in die tiefen Death-Metal-Abgründe abtaucht. Dabei wird der Mann immer wieder von Neuzugang Jenny (Gitarre) unterstützt, die sich mit langsamen Bewegungen dem Mikro nähert. Hier könnte der Sound etwas wohlwollender abgestimmt sein, denn in Sachen Lautstärke dominiert Carmosin. Während Drummer Sascha Bühl die Tour wegen einer gebrochenen Hand nur aus dem Zuschauerbereich verfolgen kann, ballert es gehörig aus den Kesseln. Auch hier ist die Dominanz des Schlagwerks zu stark ausgefallen und die Gitarren gehen manchmal regelrecht unter. Das ist schade, denn die überlangen Songs gleiten mit selbstbewussten Melodien und schrammelnden Atmosphären wunderbar über Genregrenzen hinweg.
Extra stark kommt Carmosins Ansage, als er die Band mit „Wir sind PRAISE THE PLAGUE… Aber es ist doch scheißegal wo wir herkommen. Wir sind alle gleich. Egal welche Hautfarbe oder Gesinnung. Egal ob männlich, weiblich oder divers. Passt auf die Menschen neben euch auf!“ vorstellt. Gerade im Untergrund des extremen Metal ist eine klare Kante wohltuend. Auch sonst vergeuden PRAISE THE PLAGUE keine Zeit mit dem Erfüllen irgendwelcher Klischees und würden rein optisch auch als Prog-Metal-Band à la OPETH oder KATATONIA durchgehen. Und so ist auch die Musik eher von skandinavischer Kälte geprägt.
Von der Bühne ist die Band kaum zu bringen, auch wenn sie die vereinzelten „Zugabe“-Rufe aus dem Publikum nicht berücksichtigte. Dass aber ein solches Konzert aber auch dann funktioniert, ohne dass eine grimmige spaßfreie Zone ausgerufen wird, zeigt alleine der Abgang der Musiker:innen, die sich ob des guten Sets glücklich in die Arme fallen.
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Oliver Di Iorio































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