Grey Daze - Amends

Review

Soundcheck Juni 2020# 19

Der Kreis schließt sich: Als Drummer Sean Dowdell und Bassist Jonathan Krause 1993 die Rockband GREY DAZE ins Leben riefen, ahnte wohl niemand, dass das Nachwuchsprojekt eines Tages eine wahre Rocklegende in seinen eigenen Reihen beherbergen würde. Nun, eigentlich ist das auch nur die halbe Wahrheit, denn ihr damaliger Sänger Chester Bennington erlangte nach der Jahrtausendwende zwar Weltruhm, jedoch nicht an der Seite seiner Jugendfreunde, die bereits 1998 ihre Band wieder auflösten, sondern bei LINKIN PARK, mit denen er eine ganze Generation nachhaltig prägte. Dass Chester nur wenige Monate vor seinem tragischen Tod eine Reunion mit seinen ehemaligen Kollegen geplant hatte, geriet angesichts der schrecklichen Umstände zunächst in Vergessenheit. Mit „Amends“ bekommen Fans nun noch einmal die Möglichkeit, an den Punkt zurückzukehren, wo die bewegte Karriere von Chester Bennington ihren Anfang nahm.

GREY DAZE – Ein kleines Stück Musikgeschichte

„Amends“ beinhaltet eine Auswahl der – zumindest nach Meinung der verbliebenen Bandmitglieder Sean Dowdell (Schlagzeug), Mace Beyers (Bass) und Cristin Davis (Gitarre) – wichtigsten Stücke der kurzen, aber dennoch offenbar äußerst produktiven Karriere von GREY DAZE. Während auf der Platte noch die Originalaufnahmen des jungen Chester Bennington zu hören sind, wurden die Instrumentals komplett neu eingespielt. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man GREY DAZE deutlich anhört, aus welchem Jahrzehnt das Grundgerüst hinter der Musik stammt. Bereits das erste Drittel des Albums strotzt nur so vor dem schmutzigen, dennoch geradlinig-radiotauglichen Sound der Post-Grunge-Ära. Nahezu jeder Song bedient sich dabei eines grundlegend ähnlichen Aufbaus, lässt dadurch jedoch gleichzeitig genug Raum, um sich voll und ganz auf den facettenreichen, energiegeladenen Gesang zu konzentrieren.

Letztendlich ist es nämlich genau das, was die eigentliche Essenz von „Amends“ ausmacht: Bei der Platte geht es nicht primär um einzelne Songs, einen möglichst perfekten Sound oder darum, das Album des Jahres in den Händen zu halten. Im Gegenteil: „Amends“ sollte als kleines, aber nicht unbedeutendes Stück Musikgeschichte wahrgenommen werden, schließlich hatten LINKIN PARK einen beträchtlichen Anteil daran, härtere Klänge und Mainstream-Einflüsse miteinander zu verknüpfen und somit ein ganzes Genre langfristig zu beeinflussen. GREY DAZE erzählen mit „Amends“ also gewissermaßen die Vorgeschichte von Chester Benningtons beeindruckendem Schaffen – und das verdammt souverän! Tatsächlich blitzen manchmal sogar Momente auf, die so ohne Weiteres auch auf einem der früheren LINKIN PARK-Alben hätten stattfinden können. Letztendlich ist es nämlich eindeutig der Gesang, der nicht nur eine Vielzahl verschiedenster Emotionen unfassbar authentisch wiedergibt, sondern das Album über weite Strecken vollkommen alleine trägt.

„Amends“ – Würdiger Abschluss

Wer mit LINKIN PARK aufgewachsen ist, darf, nein, muss bei „Amends“ definitiv zugreifen. Der Nostalgiefaktor lebt nicht dank der unverkennbaren Stimme Chester Benningtons, sondern auch, weil die Songs als Einheit funktionieren und Instrumentals liefern, die heutzutage zwar womöglich ausgedient hätten, hinsichtlich des Hintergrunds von GREY DAZE jedoch fraglos eine Daseinsberechtigung besitzen. Dass das Album dadurch kontinuierlich ein gewisses Niveau hält, ist zwar erfreulich, der ganz große Wurf bleibt jedoch aus. Dafür ist die Platte zu bewusst als Hommage an Chester Bennington produziert, dessen Stimme – so viel Ehrlichkeit muss sein – in einer ganz anderen Liga als der gute, aber doch sehr geradlinige Genrestandard seiner restlichen Bandkollegen spielt.

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26.06.2020

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