Hyde - Faith

Review

Die äußeren Umstände dieser Platte klingen so, als würden alle nur erdenklichen Sterne in der richtigen Position stehen um ein vollkommen nerviges Komerzprodukt in deutsche Musikläden zu schicken. Nicht nur dass der japanische Gitarrist HYDE auf „Faith“ total auf die Glaubensschiene geht (das Cover spricht für sich); für die passende Vertonung ging es sogar in ein amerikanisches Studio, um den (eh schon sehr amerikanisch inspirierten) J-Rock Sound gegen ein Mischen und Mastern aus dem Heimatland des Metals einzutauschen. Und ich kann nicht leugnen, dass ich noch nie so ein vertraut westlich klingendes Japan-Album gehört hab.
Aber für ein reinrassig amerikanisches Album ist „Faith“ immer noch zu vielschichtig und komplex. Das typisch westliche ist eher die hohe Eingängigkeit, die anfangs gar nicht vermuten lässt, wie viele verschiedene Gitarrenspuren in den Wahnsinnsrefrains übereinander gelegt wurden. Womit wir auch schon beim Thema sind: Es ist zugegebenermaßen nicht sonderlich einfallsreich jeden Song entweder komplett melancholisch zu halten, oder tiefe riffige Strophen in hohen Refrains explodieren zu lassen, aber das hier vorliegende Ergebnis ist einfach nur unglaublich mächtig. Die Art wie hier Akkorde zusammengelegt wurden spricht von einem hohen musikalischen Verständnis, das durch treibende Drums, etliche griffige Gitarrenspuren und lange gesungene Liegetöne einen wahnsinnigen Drive bekommt. Ein Alternativerock Album, das zu komplex ist um Alternative zu sein – am ehesten noch vergleichbar mit einer epischeren Version
der legendären AND YOU WILL KNOW US BY THE TRAIL OF DEAD. Hört euch Songs wie „Countdown“ oder „Made In Heaven“ an und werdet geläutert.
Positiv muss man auch festhalten, dass Kollege HYDE einer der wenigen japanischen Musiker ist, der tatsächlich in der Lage ist ordentlich englisch zu sprechen/singen. So funktionieren auch komplett englische Songs wie der Opener „Jesus Christ“, ohne dass man sich als Europäer (wie bei vielen anderen J-Rock Bands) ständig durch eine vollkommen falsche Aussprache grausen lassen muss. Um die Lobenshymnen auf „Faith“ etwas zu relativieren, sei aber auch nochmal gesagt, dass die Platte weit weniger innovativ ist, wie man es von Kollegen wie DIR EN GREY kennt. Es wurde explizit vermieden neue Wege zu gehen und sich stattdessen auf alten ausgetobt – eine Schwäche für Alternative müsste man also schon haben. Dann sollte einem direkten Kauf aber auch nichts mehr im Wege stehen, schließlich wird die Gegenseite noch lauter „Komerz!“ brüllen, wenn die Songs irgendwann durch MTViva trudeln…

30.09.2006

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