Imperia - Secret Passion

Review

Bei manchen Bands kann man schon dank der Besetzung von einem europäischen Konzept sprechen. IMPERIA sind so ein Fall. Denn hinter den vier Musikern stecken vier Nationalitäten. So finden sich neben einer Norwegerin und einem Finnen auch ein Belgier und ein Deutscher im Line-Up. Dazu sind sie in der Vergangenheit auch noch sehr umtriebig gewesen. So dürfte Sängerin Helena Iren Michaelsen dem ein oder anderen noch als Frontfrau von TRAIL OF TEARS in Erinnerung sein. Sie und Gitarrist Jan Örkki Yrlund sollten zudem während ihrer Zeit in Holland eigentlich bei einer neuen Band einsteigen: EPICA. Sie entschieden sich dann allerdings dafür, in ihre skandinavische Heimat zurück zu kehren.

Betrachtet man jene anderen Betätigungsfelder der Bandmitglieder wird auch schnell klar, wohin die musikalische Reise geht. Auf “Secret Passion“, dem dritten Album des Quartetts, gibt es bombastischen Gothic Metal mit weiblichem Gesang. Das Konzept wirkt beim ersten Durchlauf recht bekannt. Einfache Riffs und eingängige 4/4–Rhythmen treffen auf Keyboard–Flächen und bombastische Orchester–Parts. So weit so langweilig. Aber diese Combo schafft es immer wieder, aus dem engen Korsett dieses Stils auszubrechen. Hin und wieder schleichen sich interessante Tempo-Wechsel ebenso ein wie klassische Heavy Metal–Soli, die in ihrer Intensität an die Gitarrenhelden der 80er Jahre heranreichen. MICHAEL SCHENKER oder AXEL RUDI PELL scheinen hier die Vorbilder gewesen zu sein. Leider sind diese Momente aber zu selten, um dauerhaft für Spannung zu sorgen.
Die Arragements hingegen sind wirklich gelungen. So setzt die Band immer wieder dezent moderne Elemente ein. Die ein oder andere elektronische Note schleicht sich ebenso ein, wie kurze männliche Gesangs–Parts, die erfrischenderweise nicht das übliche Beauty And The Beast–Konzept bedienen, sondern mit ihrer klar–kraftvollen Art einen wundervollen Kontrapunkt zu Helenas opernhaftem Gesang darstellen. Höhepunkt dieses Stilmittels ist die gefühlvolle Piano–Ballade “My Sleeping Angel“. In diesem Song beschränkt sich die etatmäßige Vokalistin auf den Refrain und so ergibt sich ein Duett mit leicht melancholischem Touch, das in seiner emotionalen Tiefe seinesgleichen sucht.
Dieser Track wäre schon ein schöner Abschluss für den Silberling gewesen. Auf dem Digipak findet sich zum Schluss allerdings mit “Mistress“ noch ein Bonus-Song, der einige überraschen wird. Er tropft sehr elektronisch kühl aus den Boxen und erinnert mit seinen Beats und Keyboard–Melodien, die von verfremdetem Frauengesang unterstützt werden stark an die deutschen Gothic–Bands der 90er Jahre. Aber wen wundert das auch, wenn man bedankt, dass Örkki an den LACRIMOSA–Veröffentlichungen “Schakal“ und “Inferno“ mitgewirkt hat. Eigenartigerweise erscheint dieser Song allerdings eingängiger und gelungener als das eigentliche Material.

Man mag geneigt sein, “Secret Passion“ anfangs als durchschnittliche Veröffentlichung im modernen Gothic Metal der Marke LACUNA COIL abzutun. Auch die feinen Details verdienen maximal das Prädikat nett. Mit den letzten zwei Songs können IMPERIA das Ruder allerdings noch einmal herum reißen. Allein wegen diesen beiden wird so manch einer die Band vergöttern. Leider macht das noch keine großartige Veröffentlichung. Sollte es dem Quartett gelingen, dieses Niveau in Zukunft eine ganze Platte lang halten zu können, dann werden sie nicht nur ob ihrer Herkunft, sondern auch wegen ihrer Musik eine Band von europäischem Rang sein.

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16.03.2011

Der metal.de Serviervorschlag

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