In Hearts Wake - Ark

Review

Galerie mit 17 Bildern: In Hearts Wake - The Final March Tour 2018

Zwei Jahre nach „Skydancer“ melden sich IN HEARTS WAKE mit „Ark“ zurück und geben sich gesellschaftspolitisch bewusster als je zuvor. So steht die titelgebende Arche für den Planeten Erde, zum Release des Albums riefen IN HEARTS WAKE die Initiative We Are Waterborne ins Leben, die sich um Aufräumaktionen an den verseuchtesten Stellen der australischen Ostküste kümmert. Dementsprechend fallen auch die Texte auf „Ark“ politischer, sozialkritischer, umweltbewusster auf. In „Passage“ fragen die Aussies „Who’s steering the ship?!“, während die Erde ihrer Zerstörung entgegenschippert, in „Warcry“ heißt es, es wäre Zeit, Platz für eine neue Generation zu machen.

„Ark“ ist ein Album mit einem Anliegen

Folgerichtig stehen auf „Ark“ auch die Texte weiter im Vordergrund als auf allen bisherigen IN-HEARTS-WAKE-Alben. Der Anteil an Bassist Kyle Erichs Clean Vocals ist so hoch, wie nie zuvor, zusätzlich stellt die Produktion den Gesang in den Mittelpunkt des Klangbildes. Und auch musikalisch haben sich IN HEARTS WAKE verändert – „Ark“ geht weg vom nahezu reinen (Melodic) Metalcore der Vorgänger und macht zunehmend Platz für Elemente aus Post-Hardcore oder gar Einflüsse der Emobands aus den frühen 2000ern – zumindest in der zweiten Albumhälfte.

Denn los gehts erst einmal auf bekannte, aber nicht weniger beeindruckende Weise: Nach dem sphärischen (aber eigentlich unnötigen) Intro „Ark“ steigen IN HEARTS WAKE mit dem oben bereits genannten Bollwerk namens „Passage“ in ihr viertes Full-Length-Album ein. Man könnte hier die Speerspitze der australischen Metalcore-Szene herbeizitieren, oder es auch lassen. Sagen wir so: IN HEARTS WAKE müssen sich mit Songs wie eben „Passage“ keineswegs hinter den großen Namen ihrer Heimat verstecken.

IN HEARTS WAKE sind eindeutig Kinder der späten 90er/frühen 2000er

Es folgt mit „Nomad“ ein zunächst wütender, rasant treibender Song, der sich im Refrain zum ersten Mal Zeit für die oben zitierten Post-Hardcore- und Emocore-Anleihen nimmt. Vor allem die Klarstimme von Bassist Kyle Erich sorgt für diesen Eindruck. Der schraubt die Aggression in seinem Gesang deutlich zurück, lässt Emotionen Platz und erinnert dabei stimmlich an zum Beispiel die guten alten FROM FIRST TO LAST. „Frequency“ geht im Anschluss erstmals in die Vollen was die Fremdeinflüsse angeht, Metalcore ist hier kaum noch zu hören. Irgendwo zwischen Hardcore, Emo und Indie Rock beweisen IN HEARTS WAKE, dass sie eindeutig Kinder der späten Neunziger/frühen Zweitausender sind.

Sollte sich jemand durch diesen softeren Einschlag gestört fühlen, wird er im Anschluss für die Geduld entlohnt. „Warcry“ hat nämlich nicht nur einen martialischen Namen, sondern macht diesem auch alle Ehre. Der härteste und wütendste, gleichzeitig eingängigste Song von „Ark“ macht unfassbaren Spaß und gilt für den Verfasser dieser Zeilen schon jetzt zu den Core-Hits des Jahres. Chapeau! Mit „Waterborne“ und „Arrow“ schrauben IN HEARTS WAKE den Härtegrad dafür wieder zurück. Wieder drängen sich Namen wie FROM FIRST TO LAST, wie SILVERSTEIN oder SENSES FAIL auf … ach, und kennt eigentlich noch jemand die „Page Avenue“ von STORY OF THE YEAR?

Nicht ganz rund – aber trotzdem gut!

Aufmerksame Leser wissen: IN HEARTS WAKE geben sich auf „Ark“ diverser, abwechslungsreicher und, ja, softer als auf ihren letzten Alben. Und man muss definitiv feststellen, dass die softeren und die härteren Passagen des Albums nicht immer ganz rund ineinandergreifen. Aber „Ark“ ist eben auch ein Album, dessen Fokus ganz bewusst auf den textlichen Inhalten liegt, und mit dem sich IN HEARTS WAKE ganz bewusst in eine andere Richtung orientieren, als die des klassischen Melodic Metalcore. Insofern ist „Ark“ vielleicht kein perfektes Album. Aber es ist ein Album mit einem starken Anliegen, das durchaus viel Spaß machen kann. Je nach Stimmung muss man gegebenenfalls die einen oder die anderen Songs überspringen.

Und wie gesagt: „Warcry“ ist ein unfassbar starker Hit und gehört abgefeiert.

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31.07.2017

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