Iron Maiden - Burning Ambition
Review
Auf ein neues Album von IRON MAIDEN müssen wir noch warten, aber der vorliegende Film „Burning Ambition“ macht deutlich, warum die Band es nicht nötig hat, neues Material zu veröffentlichen – und es trotzdem irgendwann tun wird.
IRON MAIDEN bekommen ihr eigenes Biopic
Der 106 Minuten lange Film zeichnet die Geschichte DER (Großbuchstaben für Effekt) Band nach. Er zeigt frühe Aufnahmen vom Anfang der 80er-Jahre und arbeitet sich schrittweise bis ins Hier und Jetzt vor. Angefangen bei „Iron Maiden“ über den Ausstieg von Paul Di’Anno, Bruce Dickinsons Einstieg und den Höhenflug bis 1988, die Trennung von Adrian Smith und Dickinson sowie die Phase mit Blaze Bayley bis hin zur Rückkehr zu alter Stärke mit „Brave New World“.
Zwischen den Aufnahmen kommen immer wieder Fans zu Wort. Schön ist, dass neben Prominenten wie Gene Simmons (KISS) auch ganz normale Menschen aus aller Welt ihre persönlichen Anekdoten erzählen.
Am spannendsten ist der Anfangsteil, da man hier Videoaufnahmen zu sehen bekommt, die nicht schon tausendfach auf YouTube geteilt wurden. So sieht man die Gruppe noch mit Di’Anno am Mikrofon bei einem Gig in Bremen und hört den verstorbenen Sänger in einer posthumen Retrospektive selbst zu Wort kommen.
Eine Band – drei Sänger
Dass die Karriere mit Dickinson den größten Teil des Films einnimmt, ist nicht verwunderlich. Schließlich ist die Zeit von „The Number Of The Beast“ bis „Fear Of The Dark“ das, womit die meisten Menschen IRON MAIDEN verbinden. Auch die Gruppe selbst würdigte diese Ära jüngst mit der „Run For Your Lives“-Tour.
Man sieht eine Band voller Superstars, die erstaunlich bodenständig bleibt, obwohl sie rund um die Uhr von Fotograf und Journalist belagert wird. Die Musiker machen Fotos mit Fans, kommen vor lauter Andrang kaum aus dem Bandbus und spielen bereits 1985 vor einer größeren Crowd, als man sie vom heutigen Wacken Open Air kennt – Stichwort: Rock in Rio.
Zudem ist es bezeichnend, dass das Biopic nach Di’Annos Ausstieg kaum von Drogenexzessen oder anderen Eskapaden berichtet. IRON MAIDEN waren durch ihre Karriere offenbar so im Rausch, dass sie das nicht nötig hatten. Klar, mal raucht jemand im Bandbus oder die Gruppe stößt gediegen mit Drinks an, aber das Ausmaß der Eskapaden von ROLLING STONES oder METALLICA wird nie erreicht. Dafür tritt Lars Ulrich von Letzteren als Fan-Kommentator auf.
Fanberichte aus aller Welt
Die 90er-Jahre sind ebenfalls spannend, kommen aber etwas zu kurz. Gerne hätten wir mehr Live-Ausschnitte mit Blaze Bayley gesehen. IRON MAIDEN vor 500 zahlenden Gästen sind heute schließlich undenkbar. Schön ist, dass dieser Karriereabschnitt nicht negativ, sondern einfach anders dargestellt wird.
Dafür gibt es von den eingangs angesprochenen Fans emotionale Berichte darüber, wie sie die Musik von IRON MAIDEN durch schwere Zeiten trug. Eine Libanesin erzählt, wie sie „Fear Of The Dark“ nach Ende des dortigen Bürgerkriegs in einem Bootleg-Shop erwirbt. Ein Polizist aus New York City berichtet, wie er die Musik nutzte, um den Anschlag auf die Twin Towers zu verarbeiten.
Das Biopic schließt mit der versöhnlichen Aussicht, dass die Band irgendwann ihr Ende finden wird, ihre Musik aber ewig nachhallen wird. Das können wir so unterschreiben!
Die Auswertung fürs Heimkino
Bei der Zweitauswertung fürs Heimkino haben sich Plaion Pictures sichtlich Mühe gegeben, aktuelle Standards zu bedienen. „Burning Ambition“ erscheint als Blu-ray im Amaray-Keepcase und als 4K-Blu-ray im schicken Steelbook, das die normale Blu-ray enthält. Für große Sammler gibt es eine Collector’s Edition im stabilen Pappschuber, die neben dem Steelbook einige Art Cards, Plektren und ein, zwei Fanartikel bereithält und trotzdem fair bepreist ist. Wann bekommt man die teuerste Sammlervariante einer Band dieser Größe heutzutage noch für deutlich unter 100 Euro?
Das Bild der 4K-Blu-ray ist bei den neuen Interviews gestochen scharf. Aber auch die alten Aufnahmen wurden liebevoll remastert und die Verantwortlichen haben das Beste aus ihnen herausgeholt. Der Ton ist druckvoll und die englischen Sprecher sind stets gut verständlich. Auf eine Synchronisation wurde verzichtet, stattdessen gibt es Untertitel in allen wichtigen Sprachen. Das erhält den britischen Charme. Und wer will schon Bruce Dickinson hören, der nicht wie Dickinson klingt oder gar singt?
IRON MAIDEN und „Burning Ambition“ erzählen Heavy-Metal-Geschichte
Schnitt und Dramaturgie von „Burning Ambition“ gleichen denen eines Spielfilms. Man fiebert mit, bekommt Gänsehaut, erinnert sich an bestimmte Abschnitte und hat einige Ohrwürmer, wenn der Abspann läuft. Der einzige Kritikpunkt, den sich „Burning Ambition“ gefallen lassen muss, ist, dass Langzeitfans wenig Neues lernen. Dafür wird das Bekannte sehr liebevoll aufgearbeitet. „Burning Ambition“ sei jedem IRON-MAIDEN-Fan empfohlen.
Iron Maiden - Burning Ambition
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Heavy Metal |
| Anzahl Songs | 3 |
| Spieldauer | 105:32 |
| Release | 08.10.2026 |
| Label | Universal Studios / Plaion Pictures |
| Trackliste | 1. Film 2. Interview mit Paul DiAnno 3. Tears Of A Clown (Tne Book Of Souls Tour 2016/17) |
