Iron Maiden - Senjutsu

Review

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Schon klar: Der Rhythmus in dem IRON MAIDEN zuletzt Alben veröffentlicht haben, ist mit den ungestümen Anfangsjahren nicht zu vergleichen. Zumal die Nachfrage den Markt bestimmt und eines sind Maiden-Fans zweifellos: Erwartungsfroh und geduldig. Allzu schwer kann einem das wiederum nicht fallen, denn zu fast jedem Neuling erscheint alsbald ein Live-Album der dazugehörigen Tour. Für ausreichend Content zwischen den Platten ist also gesorgt. Und jetzt – inmitten einer weltweiten Pandemie – veröffentlichen die Veteranen, die Begründer eines Sub-Genres, diejenigen, die jungfräuliche und unschuldige Jugendliche millionenfach zum Heavy Metal verführt haben, quasi im Handumdrehen und doch nach immerhin sechs Jahren mit “Senjutsu” das heiß ersehnte, siebzehnte Studio-Werk. Das allein ist Grund genug, die Platte ordentlich zu sezieren und die Songs in dieser Rezension einzeln unter die Lupe zu nehmen.

IRON MAIDEN machen es asiatisch

Nach den sehr progressiven Pfaden, die man auf “The Final Frontier” noch beschritten hatte, stellte “The Book Of Souls” eine aktuelle Reinkarnation der Ägypten-Saga “Powerslave” im lateinamerikanischen Gewand dar. Auf dem Cover zu “Senjutsu” wird man von einem grimmig grinsenden Eddie in Gestalt eines Samurai begrüßt, womit man sich also wieder mit einer gewissen Ethnie befasst hat. Der Titeltrack lässt sich beim ersten Hören allerdings keineswegs mit asiatischen Klängen und Melodie-Mustern in Verbindung bringen und schleppt sich unerwartet heavy durch seine über acht Minuten Spiellänge. Im letzten Teil biegen sich die äußeren Mundwinkel des Hörers unwillkürlich nach oben, denn immerhin wechselt das Main-Riff in eine Art Powerslave-Testimonial, während ein düsteres Solo und noch düsterere Keyboards über die Flanken kommen.

Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen

Reminiszenzen werden auch mit dem folgenden “Stratego” geweckt. “Fates Warning” vom ungeliebten “No Prayer For The Dying” feiert im Pre-Chorus ein kleines, sehr starkes Revival, während sich der Track im Tanzmuskel reizenden Mid-Tempo eingroovt. Speziell der instrumentale Mittelteil besitzt wieder die orientalisch angehauchte IRON-MAIDEN-Dynamik, die für Freunde der 1980er Ära nicht fehlen darf. Spätestens mit dem bereits bekannten “The Writing On The Wall” beweisen die Briten dann, dass sie durchaus in der Lage sind, ihre Musik auch von – im positiven Sinne – Klischees zu befreien und ein stampfendes Country-Beat-Intro aufzufahren. Erklänge dabei eine Lap-Steel oder Resonator-Gitarre in offener Stimmung, es könnte sich auch um eine moderne Heavy-Southern-Rock-Nummer handeln. Mit dem breit angelegten Chorus wirft Bruce Dickinson allerdings den Haken aus und zieht den Hörer in sicheres Maiden-Fahrwasser zurück. Auch der Melodie-Teil könnte live zu Tränen rühren, wenn abertausende Menschen inbrünstig einstimmen. Leider ist die Stelle etwas zu kurz geraten, um dauerhaft Bestand zu haben.

Wohlbekannte Trademarks und einige Überraschungen

Auch der klassisch balladesk anheimelnde Schmachtfetzen in Form von “Lost In A Lost World” fehlt nicht, wobei mit dem recht käsigen Auftakt nach gut zwei Minuten Schluss ist und der Song glücklicher Weise in das zielführende Format des klassischen Maiden-Genickbrechers schlüpft. Die Gitarren klingen unheimlich hart und rau, die Stimme wird teilweise mit einem Panorama verbreitert, was vielleicht zu dick aufgetragen ist. Bruce Dickinson klingt noch immer wie ein zwanzigjähriger und zeigt eine fast schon einschüchternde Präsenz. Und dann kommen sie endlich: Die Twin-Guitars, die sich harmonisch in einer, zugegeben recht vorhersehbaren, dafür aber auch einfahrenden Melodie duellieren. Dennoch kennt man in diesem Kontext bessere Tracks aus der Epic-Schmiede der Band (“Fear Of The Dark”, “Alexander The Great”). “Days Of Future Past” ist ein Song, den man auf “Somewhere In Time” sicherlich nicht als Überraschung erlebt hätte und bietet einen wirklich großartigen Chorus. An den nicht gerade bescheiden eingesetzten Keyboards werden sich Old-School-Maiden-Heads sicherlich stören, haben sie nämlich einen noch höheren Stellenwert als seiner Zeit auf “Seventh Son Of A Seventh Son”.

“Senjutsu” ist eines der dunkelsten IRON-MAIDEN-Alben

Auch mit “Time Machine” frischen IRON MAIDEN wieder durch einen a-typischen Auftakt den Output auf. Keyboards und sehnsüchtig tragende Gitarren gehen eine Symbiose mit der Nicko-McBrain-Maschine und Dickinsons Harmonien ein. Zum zweiten Drittel hin nimmt der Song eine rhythmisch unberechenbare Wendung, die man in dieser Form nur von eben dieser Band kennt. Die Solo-Parts finden dreigeteilt statt, was natürlich zur Besetzung passt. Puristen nörgeln ja gern an Janick Gers und seinem Beitrag herum. Der Mann bedient die sechs Seiten mittlerweile allerdings schon rund dreißig Jahre für IRON MAIDEN und gerade in solchen Momenten wie hier werden alle individuellen Trademarks wunderbar ausgespielt. Die jeweilige Rhythmusarbeit macht “Time Machine” vielleicht zum Höhepunkt der gesamten Platte. “Darkest Hour” schiebt sich dann wieder ähnlich bedrohlich wie “Wasting Love”, einer der besten “Fear Of The Dark”-Songs durch die Boxen.

Eine Werkschau über die frühe und mittlere Schaffensperiode der Band

Die letzte halbe Stunde auf “Senjutsu” setzt sich gleichzeitig aus den letzten drei Songs zusammen, die jeweils die Zehn-Minuten-Marke überschreiten. Das Intro zu “Death Of The Celts” gehört Bandchef Steve Harris allein, wobei der gezupfte Bass ein wenig brillanter als gewöhnlich klingt. Parallel wird das Arrangement zunächst nur durch Keyboards und Vocals ergänzt. Die später einsetzenden Gitarren scheinen erneut mit schwerer Bewaffnung bestückt zu sein, klingen sie ungewohnt präsent und hart im Vergleich zum ansonsten stets präsenten Bass. Gleichzeitig fabuliert man ob der Tragweite dieser Komposition in Erinnerung an “The Clansman”, womit auch der Blaze-Bayley-Phase Tribut gezollt wird.

Würde das anschließende “The Parchment” auf den Namen “Powerslave II” hören, es würde wohl niemanden überraschen. Nicht etwa, weil sich der Song in irgendeiner Art mit dem Original vergleichen ließe. Die morgenländischen Melodien lassen den Hörer aber unwillkürlich unter einem imaginären Himmelszelt im Wüstensand liegen, während hie und da ein paar Sternschnuppen vorüberziehen. Ein wenig störend wirkt dabei lediglich das durgehend tönende Keyboard.

Einen Abschluss findet “Senjutsu” dann mit dem sehr getragenen “Hell On Earth”, das im Vergleich den beiden vorgenannten Tracks in Sachen Dynamik und Epik in nichts nachsteht. Zwar zerrt die über zwei Minuten dauernde Aufwärmphase an den Nerven, weil erneut flache Keyboard-Klänge auf dieser Strecke eine ätzende Frequenz treffen. Ein wenig Geduld lohnt sich aber, denn im geliebten Galopp-Rhythmus beginnt der eigentliche Song und beschwört die alten Geister aus der IRON-MAIDEN-Hit-Schmiede. Peu à peu baut sich aber ein Arrangement auf, dass wieder untypisch für die Briten wirken mag, auch wenn klammheimlich alle Markenzeichen addiert werden. Jedenfalls ist “Hell On Earth” eine wunderbare Laut-Leise-Nummer, die aber nicht unbedingt am Ende dieser opulenten Veröffentlichung stehen müsste.

IRON MAIDEN melden sich mächtig zurück

Auf “Senjutsu” werden Freunde jeder jeweiligen Band-Epoche mindestens einen Song für das IRON-MAIDEN-Mix-Tape finden. Doch besonders die drei Alben vor dem Sängerwechsel scheint sich die Band vor den Aufnahmen noch einmal besonders unter die Lupe genommen zu haben. Die Produktion  und der Klang sind zeitgemäß, auch wenn man das Maiden-typische, sehr organisch abgestimmte Teamplaying jederzeit spürt. Mit einer ambitionierten Spielzeit von über achtzig Minuten, hat das Album natürlich seine Längen, auch wenn sich objektiv gesehen kein Füller darauf befindet. Nach zwei bis drei Durchläufen hat man die besten Melodien für ausgelassenes Mitsingen schon wieder vergessen, was den Hörer dazu verpflichtet, sich eingehend mit “Senjutsu” zu beschäftigen.

Eine echte Schwachstelle bilden die dauerhaft und eindimensional eingesetzten Keyboards. Es mag an der Soundwahl liegen und vielleicht auch an den Noten im höheren Frequenzbereich. Aber schlussendlich werden diese sehr naiv bedienten Tasten den mächtigen Liedern und dieser Band einfach nicht gerecht.

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27.08.2021

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26 Kommentare zu Iron Maiden - Senjutsu

  1. Kropfverfechter sagt:

    Der Sound ist einfach grässlich, oder? Bisher habe ich nur Stratego und The writing on the wall gehört, aber die sind so uninspiriert, dass ich schon gar kein Bock mehr auf das Album habe. Ob die es noch schaffen dieses Jahrtausend wenigstens ein gutes Album abzuliefern – ich glaube langsam nicht mehr daran.

  2. dan360 sagt:

    Ja bei der Produktion weiß ich auch nicht was der Shirley da macht.. kein Vergleich zu den Birch Alben, leider.
    Bisher nur Writing on the Wall gehört, der war so lala.. bin auf das ganze Album gespannt.
    (Die 2000er Sachen haben für mich immer ein paar gute Songs dabei, aber kein Album was mich bis jetzt auf ganzer Länge überzeugen konnte)..
    Bruce‘ Vocals sind irgendwie so low im Mix, ganz komisch.. kann ich nicht nachvollziehen weshalb.

  3. motley_gue sagt:

    Tatsächlich frag ich mich, ob manche alteingesessene Bands, nicht den Offenbarungseid leisten sollten: „Wir wollen uns nicht mehr neu erfinden, unsere Heldentaten werden wir nie mehr erreichen, also wozu ein neues Album? Eigentlich wollen die Leute eh nur, dass wir live die alten Sachen möglichst tight runterspulen, also machen wir ab sofort ausschließlich nur mehr das.“ Das ist zwar nur mehr Kirmes, aber wenigstens ehrlich.

  4. nili68 sagt:

    Tja, aber ihr seid nicht Iron Maiden und die können machen, was die wollen, ne? 😉 Außerdem, wenn man z.B. die Youtube-Clicks/Kommentare nimmt (bestimmt noch aussagekräftiger als dieses Forum), gibt’s da auch ganz andere Meinungen. Nix für ungut. 😉

  5. Stormy sagt:

    „Eigentlich wollen die Leute eh nur, dass wir live die alten Sachen möglichst tight runterspulen,“
    Klar und genau deshalb fiebern Millionen von Fans darauf hin, dass diese Bands endlich wieder ein neues Album mit neuen Songs veröffentlichen und kaufen diese Alben dann auch.

    Ja, ja, ich weiß. Das sind alles von den Medien und den Musikkonzernen fremdgesteuerte Konsumschafe, ohne eigene Meinung und natürlich völlig ohne Musikgeschmack.
    Sozusagen Millionen Geisterfahrer. 😉

  6. dan360 sagt:

    Zum Glück muss ich nicht angesprochen fühlen..😉

  7. dan360 sagt:

    Hater wird es immer geben, sowie Fanboys die blind alles kaufen.. am Ende zählt der persönliche Geschmack ob es gefällt oder nicht.

  8. nili68 sagt:

    Nein, mein Geschmack zählt und wer das anders sieht ist ganz klar ein Hater. 😛 😉

  9. Stormy sagt:

    @dan
    👍

    @nili
    😉😁

  10. dan360 sagt:

    Wie heißt es so schön in einem bekannten Pop Song.. haters gonna hate, hate, hate, hate, hate..“ ^.^

  11. Stormy sagt:

    Auf Metal.de Pop Songs zitieren, also Du traust Dich was. 😉

  12. dan360 sagt:

    Statement setzen✊🏻😎

  13. Lysolium 68 sagt:

    Bin mit Maiden und Priest aufgewachsen und es gibt dieser Tage definitiv wesentlich schlechtere
    Alben als dieser doch recht betagten Herren. Vieles ist natürlich bekannt und vertraut. Sie sind halt wie gute
    alte Freunde…Ok „Lost in a lost World“ ist echt dreist.😂

    8/10
  14. thedeerhunter sagt:

    So,Album durch:Produktion erstaunlich schlecht,Maiden Trademarks fehlen fast komplett:Keine guten Soli/der Bass ist nicht gut abgemischt/Nicko,so sehr ich ihn liebe,sollte langsam einsehen dass es nicht mehr so gut geht wie früher(Drummer hören sofort was ich meine),die Songs sind vor allem einfach bei weitem nicht gut genug für eine Band die IRON MAIDEN heißt.Positiv ist Dickinson‘s Gesang,immer noch Klasse,aber das alleine reicht nicht.
    Ich bin Maiden Fan seit über 30 Jahren,und aus Respekt enthalte ich mich mit einer Wertung.

    Up the Irons.

  15. casualtie78 sagt:

    Als jemand der kein Die-Hard Fan von Maiden ist,war ich nach den ersten beiden bekannten Songs gespannt, wie mir das ganze Album zusagen wird. Die Alben aus den letzten 20 Jahren konnten mich nie wirklich begeistern,ein oder zwei Songs hatten die Alben immer,die mir gefielen,aber mehr nicht. The Book of Souls kam dann etwas besser bei mir an.
    Jetzt aber ist Senjutsu da und die ersten beiden Vorabtracks fand ich sehr stark. Ein wenig Sorge hatte ich um die ganzen Longtracks,die auf der Platte sind……………….für mich gab es immer andere Bands ,die es besser verstanden haben Songs mit Überlänge zu komponieren (z.B.Moonsorrow).
    Aber Senjutsu hat gleich mehrere,die mir nach 3 Tagen hören schon sehr gut gefallen. Auch beim Autofahren kommt keine Langeweile auf,am besten finde ich bisher das Titelstück,“Death of the celts“ und „Hell on earth“. Auch die Keyboards finde ich nie störend,von daher gehe ich mit der Bewertung von 8/10 mit,derzeit wäre ich vielleicht sogar bei einer höheren Bewertung,aber wir wollens ja nicht übertreiben 🙂
    In dem Fall…..schöne Sunntig zämmä…. 🙂

    8/10
  16. MetalGod66 sagt:

    Diese Band begleitet mich seit ich 12 bin. Also schon über 30 Jahre. Gewau wie eingie andere (Priest, Candlemass, Slayer u. v. m.). Im Laufe dieser Zeit hat sich die Band und damit auch ihre Alben gewandelt. Ganz natürlich. Wie auch bei allen anderen Bands. Das gefällt einem dann ober eben auch nicht mehr.

    Zum neuen Album.
    Für mich ist es das beste Album seit Brave New Word. Der Sound ist, wie zu erwarten, wieder nicht optimal. Aber das wird Kevin Shirley auch nicht mehr anders hinbekommen, bzw. hinbekommen dürfen. Ich glaube Steve Harris will diesen Sonud genau so. Und – das sollte man eben auch nicht vergessen – Maiden ist die Band von Steve Harris. Er macht das was er will und das muss nicht allen gefallen, kann aber eingien (vielen?) trotzdem gefallen. Wer auf ein zweites Killers hofft wird immer wieder enttäuscht werden. Maiden sind nicht mehr Anfang 20 und und wir haben auch nicht mehr die NWOBHM. Harris´ Ding sind nun mal mittlerweile die langen Songs. Von dnen gibts auf dem neuen Album reichlich bzw. bis auf zwei Ausnahmen fast nur.
    Viele Zitate auf Songs aus der Vergangenheit gibts auch. Aber es wird nur selten zu lange ausgedehnt. Aus meiner Sicht hätte man Death of the Celts und Lost in a Lost World kürzer fassen können (oder um das Album kompakter zu halten weg lassen). Aber bei The Parchment, Hell on Earth (gefällt mir bisher am besten) und dem Titelsong passt das für mich, trotz langer Spieldauer, sehr gut.
    Mir gefällt das Album vor allem auch besser als die letzten weil Bruce besser singt. Er hat sich so langsam damit abgefunden, dass er nicht mehr „Air Raid Siren“ ist und lässt die ganz hohen Töne mehr und mehr weg und versucht nicht mit viel hörbarer Qual diese zu erreichenn wie noch auf Book of Souls. Was aber nicht heißt, dass er schwach singt. Ganz im Gegenteil. Seine Leistung auf Darkest Hour ist nach wie vor markant und hervorragend und hätte so auch aus der Phase von Powerslave oder Somewhere in Time sein können.

    Ich kann verstehen wenn viele Fans aus den Anfangstage immer weniger mit den „aktuelleren“ Alben der Band anfangen können, aber am Ende wird ja niemand gezwungen Maiden zu hören oder auch andere Bands deren aktuelle Musik einem nicht mehr liegt. Geht mir auch mit einigen Bands so. (z. B. Metallica, Manowar, Accept)
    Mein persönlicher Favorit wird auch bis in alle Ewigkeit Piece of Mind bleiben.

    Man sollte sich dieses Album aber auf jeden Fall öfter anhören bevor man es beurteilt. Der Titelsong war für mich zunächst übnerhaupt nicht zugänglich, jetzt finde ich ihn einen der stärksten auf dem Album.
    Und – geschuldet der leider schwachen Produktion – man muss die Anlage richtig aufdrehen oder Kopfhörer aufsetzen.

    Und wer dann nix mit anfangen kann, egal. Es gibt genug Bands die dann gehört werden können.

    Und die „Kreativität“ aus immer wieder den selben 2 Songideen alle paar Jahre ein neues Album zu machen das sich exakt wie das vorherige anhört , haben AC/DC für sich exclusiv gepachtet. Und von denen kann ich mir halt nur maximal 3 Songs am Stück anhören.

    8/10
  17. Tharax sagt:

    Nachdem ich die neue Maiden nun 3 Tage Dauerschleife gehört habe…

    Mein Ersteindruck war tatsächlich auch eher durchwachsen; „Senjutsu“ hat im Vergleich zu früheren Alben erstmal relativ wenige Hooks, die sofort unwiderruflich im Gedächtnis haften bleiben.

    Eine Ausnahme stellt hierbei gerade der von vielen kritisierte Opener und Titelsong „Senjutsu“ dar, der mit seinem extrem markanten, stark an japanische Taiko-Trommeln erinnernden Drum-Rhythmus auch stilistisch direkt für frischen Wind sorgt und am Anfang der Scheibe perfekt aufgehoben ist. Gerade im Zusammenspiel mit dem hymnischen, getragenen Refrain und den aggressiven Soli baut diese geniale Doom-Walze eine Atmosphäre auf, die selbst ein Band wie Iron Maiden in der Intensität nur selten hinbekommt. Ganz ehrlich; für mich lässt dieses Schlachtenepos selbst Meisterwerke wie „Paschendale“ oder „Alexander the Great“ klar hinter sich und ist tatsächlich bis zum Schluss mein absolutes Albumhighlight geblieben. Ich würde es sogar vorsichtig als eines der womöglich fünf besten Stücke der Bandgeschichte bezeichnen.

    Die kürzeren Stücke „Stratego“, „The Writing on the Wall“ und „Day of Future Past“, die ebenfalls alle drei eine sehr markante, eigenständige Stimmung aufbauen, bleiben ebenfalls recht schnell im Ohr hängen, für den Rest gilt dasselbe wie für viele Maiden-Songs der letzten 26 Jahre; sie sind zunächst recht sperrig und auf den ersten Blick weniger spektakulär als die Songs der 80er, gewinnen aber mit jedem Durchlauf weiter an Kraft und Intensität, bis sie den Klassikern irgendwann ebenbürtig oder sogar überlegen sind.

    Ein weiteres absolutes Highlight war für mich das schleppend-okkulte „The Parchment“ (das zweitbeste Lied des Albums, und ebenfalls einer der absoluten Bandhöhepunkte), das mich stellenweise stark an das herausragende „Sign of the Cross“ (und in einer Gesanslinie im letzten Drittel auch etwas an „When the wild Wind blows“) erinnert hat und seinem Vorbild atmosphärisch sehr, SEHR nahe kommt, ohne es dabei aber zu kopieren. Überhaupt erinnern tatsächlich viele Riffs auf dem Album an ältere Lieder, was aber keineswegs als „Selbstplagiat“, sondern eher als Hommage an frühere Zeiten zu sehen ist, vor allem, da das neue Album trotzdem noch neue, eigenständige Ideen ohne Ende hat.

    Weitere absolute Höhepunkte und künftige Klassiker wären für mich der bereits im Voraus veröffentlichte Western-Rocker „The Writing on the Wall“, das „zeitlose“ (könnte auf so ziemlich jedem anderen Maiden-Album stehen) und sehr abwechslungsreiche „The Time Machine“, die melancholische, sehr stimmungsintensive Halbballade „Darkest Hour“ und das anfangs fast fröhliche, nach hinten hin aber immer dunkler werdende Abschlussepos „Hell on Earth“.

    Weite Strecken des Albums sind im Mid-Tempo gehalten, woran sich ja einige Hörer gestört zu haben schienen. Ich wiederum schätze Iron Maiden unter anderem gerade dafür, diesen „Härter, Schneller, Lauter“-Zirkus nie nötig gehabt zu haben. Übermäßig hart waren sie noch nie. Insofern steht gerade diese eher ruhige und entspannte Ausrichtung „Senjutsu“ extrem gut. Und es ist nach nicht so, dass es nicht trotzdem den einen oder anderen Ausbruch in schnellere Sphären gebe… Diese Entwicklung macht sich übrigens auch in Bruce‘ Gesang bemerkbar, der, wie ich finde, nie besser klang. Extreme Höhen wie seinerzeit in „Aces high“ mag er nicht mehr erreichen, aber seine Ausdruckskraft in den bereits angepriesenen, ruhigeren Momenten übertrifft seine früheren Leistungen um Welten.

    Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich diese Band dafür respektiere, nicht einfach – so wie leider viele ihrer Zeitgenossen – nach den ersten paar Alben stehengeblieben und in endlosen Selbstkopien ertrunken zu sein. Iron Maiden sind allen Kritikern zum Trotz immer konsequent ihren eigenen Weg gegangen und werden dies ziemlich sicher auch bis zum Schluss tun. Wer sich nach über 40 Jahren noch immer nicht damit zufriedengibt, sich auf dem bisherigen Schaffen auszuruhen und irgendwie die alten Fans zufriedenzustellen, sondern weiterhin ein vor frischen Ideen und Spielfreude nur so übersprudelndes Spitzenalbum nach dem anderen (und ja, ich bin tatsächlich der Ansicht, dass nach „Fear of the Dark“ nichts anderes mehr von ihnen kam) raushaut, der kann sich den Titel „Größte/Wichtigste Metal-Band des Planeten“ durchaus leisten.

    So lautet denn mein Fazit, dass Senjutsu das zweitbeste Album der gesamten Bandgeschichte ist. Direkt und überraschend knapp nach der herausragenden und völlig unterschätzten „The X Factor“, deren geniale Gesamtatmosphäre alles andere überstrahlt.

    In „Senjutsu“ sind nun alle Markenzeichen und Entwicklungen Iron Maidens zu einem meiner Ansicht nach perfekten Gesamtwerk zusammengeflossen. Das Album zählt insgesamt zu den vielseitigsten, die sie je aufgenommen haben und bietet über alle Songs hinweg ein Gesamtniveau, das mit Ausnahme der „X Factor“ jedes vorangegangene Album übertrifft.

    #InstantClassic;

    Up the Irons!

    10/10
  18. nghizhidda sagt:

    Kann mich nur anschließen. Maiden, Punkt. Muss man sich reinhören, das ist ein Bombenalbum.

    9/10
  19. daniel sagt:

    ja ja die guten alten Platten…Waren Sie wirklich besser ? Klar Number of the Beast, oder Seven Son waren schon makellose Alben. Aber Peace of Mind oder Powerslave…Gabs da nicht auch Songs die sehr schwach waren und damals heftig kritisiert wurden ? Ich weiß auch noch das Somewhere in time böse Kritik einstecken musste. Viel Zeit vergangen, viel passiert…Wie viel Nostalgie und alter Zauber geliebter Zeiten steckt in einer Kritik zu einer Platte die, meiner Meinung nach, ein musikalisches Meisterwerk ist !? Ja , man erinnert sich so gern an die gute alte Zeit und verbindet mit Geschmack, Geruch oder halt Musik viel von diesem Selbst das so nicht mehr existiert. Würde eine neue Band solche Alben raushauen wie die letzten Platten von Maiden wie würde die Presse und Fans ausflippen !? Gibt es aktuell eine Band die nur im entferntesten an die Qualität von dieser Kapelle ran reichen kann !? Also mir fällt da weit und breit keine ein ! Wenn es was gibt dann bitte schreiben ! Einzig Visigoth sind für mich in diesem Genre zu nennen die echt starkes Potential haben. Ich bin halt der Meinung das der aktuelle Stoff von Maiden wirklich sehr stark ist und leider in vielen Portalen ungerechtfertigt zerlegt wird. Zu lang ? Ja gibt auf der 2. Cd Längen. Spul vor ! Viele hauen Platten raus für viel Geld die sind grad mal 25 Minuten lang. Dumpfer Sound ? Joah..passt aber super zu der düsteren und melancholischen Stimmung der Platte !! Selbst kopiert ?! Ich bitte euch !! Das sind Maiden. Das Progressive macht die Platte mega abwechslungsreich. Mich hat die Platte voll abgeholt und schwer begeistert !!! Ich bin dankbar dabei gewesen zu sein wo viele Urgesteine von der Bühne verschwunden sind ! Natürlich spricht hier auch nur eine kleine subjektive Stimme. Musik ist und bleibt Geschmacksache. Aber es gibt schon die Möglichkeit fachlich zu unterscheiden ob etwas gut gemacht ist oder nicht. In diesem Sinne ! Metallische Grüße !!!! Stay Heavy !!

    10/10
  20. Interkom sagt:

    @Daniel:
    Ungeachtet der Qualität dieses Albums und Iron Maiden generell, dass in dieser Musikrichtung kaum was neues passiert, liegt wohl auch daran, dass diese tot ist. Im Sinne von vielen neuen Bands die es auch tatsächlich versuchen, dem Genre neues Leben einzuhauchen. Vielleicht ist die Geschichte auch auserzählt, so scheint es mir zumindest. Wenn ich einen Tipp geben darf, mir gefällt SATAN sehr gut und die haben auch einige neue Alben rausgebracht. Ich bin zwar explizit kein Freund von Iron Maiden und der NWobHM, die gehen aber sogar mit gut rein. Grüße

  21. doktor von pain sagt:

    Hm, ja, „Senjutsu“ ist ganz gut. So wie die letzten Maiden-Alben eben auch. Der letzte richtige Knaller war aus meiner Sicht „Brave New World“, und das ist nun schon mehr als 20 Jahre her. Das neue Album ist stellenweise zu lang und auch zu langweilig, um mich wirklich überzeugen zu können. Das werde ich mir auch nicht schönhören können. Aber da „Senjutsu“ durchaus seine Stärken hat, halte ich sieben Punkte für angemessen.

    7/10
  22. daniel sagt:

    danke für den hinweis ! sagt mir was der name ! werde ich mal in ruhe antesten ! ja die zeit ist schon leicht abgelaufen für klassischen heavy metal ! ich selber höre auch zu 70/80 % black und death metal ! da ich aber ein metal saurier bin der mit maiden, accept, running wild und judas priest angefangen hat steh ich immer noch auf meine helden jüngster kindheit. 😅🤷🏽‍♂️mit 12 gings mit maiden killers los ! da wars um mich geschehen ! jetzt mit 46 bin ich noch genauso begeistert für diese art von musik ! lg

  23. dan360 sagt:

    Seh‘ ich so wie doktor von pain, nach mehrmaligem Hören, 7/10. Ein, zwei schnellere Nummern mit coolen Riffs, anstatt wie auch schon bei BoS, nur mit Chord progressions zu arbeiten.. hätte das Album auf alle Fälle aufgelockert und packend(er) gemacht! Grade der Opener wirkt für mich eher wie ein überlanges Intro, hätte mMn. „Stratego“ besser gepasst und wie auch bei TFF oder BoS, hätte man die überlangen Songs straffen können und die Platte wäre nicht mehr so langatmig. Bevorzuge eh mehr die 80er Scheiben.. die letzte Priest finde ich stärker, dennoch kein schlechtes Langeisen & werde so lang‘ es noch geht, die alten Jungfrauen hoffentlich bald wieder live erleben!

  24. EPIC sagt:

    @ Daniel: Kann dir auch „Dark Forest – Oak, Ash & Torn“ empfehlen!

  25. Norskvarg sagt:

    wer die alten maiden vermisst, der sollte mal das airforce album „strike hard“ anhören. der sänger auf diesem album hat eine ähnliche stimmfarbe wie bruce. generell dürften sich alle fans der nwobhm angesprocjem fühlen. die songs sind alle so um die 5 minuten. in den 80er jahren, wäre das ding sicher mehr beachtet worden als heute.

  26. The Artist formerly known as CFCC sagt:

    viel mittelmaß, der noch dazu grottig produziert wurde. außerdem viel hype – warum auch immer.
    dass sie immer noch gute alben abliefern können hatten maiden schon mit book und matter bewiesen, das hier ist aber maximal final frontier niveau.

    6/10