Mirrorthrone - Of Wind And Weeping

Review

Es war einmal vor langer Zeit ein Musiker namens Vladimir. Eines Tages ging Vladimir aus einem schon längst vergessenen Grund alleine durch einen riesigen, alten Wald. Bald jedoch brach die Dunkelheit herein, und Vladimir kam vom Weg ab. Einsam und verlassen irrte er nun durch den dunklen Wald und wusste weder ein noch aus. Er erkannte, dass er sich hoffnungslos verlaufen hatte, ja, dass er wohl den Rest seines Lebens alleine in diesem schrecklichen Wald würde fristen müssen, sich von Wurzeln und Beeren ernähren und zwischen den Wölfen schlafen. Ob dieser Erkenntnis vernebelte sich Vladimirs Geist, und er wurde verrückt. Verworrene Gebete zu toten, dunklen Göttern ausstoßend, rannte er ziellos umher, bis er durch Zufall auf ein verlassenes Tonstudio stieß, das Zwerge vor Urzeiten hier mitten im Wald errichtet hatten. Dort nahm er dann in seinem Wahn ein Album auf, nannte es „Of Wind And Weeping“, und sich selbst fortan MIRRORTHRONE… Auf dem Debüt des avantgardistischen, symphonischen Metal-Solo-Projekts erwartet den Hörer ein infernalischer Dialog zwischen (Neo-)Klassik und Moderne, zwischen chaotisch anmutenden barocken Strukturen und vom Black Metal inspirierten brutalen Parts. Erinnerungen an ARCTURUS oder auch das letzte EMPEROR-Album „Prometheus“ werden wach. Bei MIRRORTHRONE kommt der klassischen Instrumentierung (bzw. den entsprechenden Synthesizer-Klängen) jedoch eine weitaus dominantere Rolle zu. Mal folgen gehetzte, halbvirtuose Klavierpassagen auf besänftigende elegische Streicher, mal dominiert der Ambient-Aspekt durch finster-brodelnde Atmosphäre, doch ist alles unausweichlich durchsetzt von Black-Metal-artigen Ausbrüchen und teilweise irrsinnig schnell programmierten Drums. Die einzelnen Tracks folgen alle diesem geschlossenen Konzept und klingen oberflächlich betrachtet recht ähnlich, sind jedoch so detailverliebt arrangiert, dass es bei jedem Durchlauf Neues zu entdecken gibt. Oft spielen beide Elemente, Klassik und Metal, auf psychopathische Weise ineinander, manchmal kontrastieren sie jedoch und quantifizieren so gegenseitig ihre Wirkung. Insgesamt herrscht eine bedrohliche, spirituell und okkult anmutende Atmosphäre. Wenige elegisch-schwermütige Momente werden unweigerlich von gewalttätigen Ausbrüchen aufgelöst, anfallartige Tempowechsel und die industrial-artigen Drums treiben, ja hetzen den Hörer förmlich durch Vladimirs Wald des Wahnsinns. Betrachtet man zunächst das Album als ein seltsames, fremdartiges Ding, so erliegt man doch schon bald seiner Sogwirkung und seinem chaotisch-psychopathischen Charme. Auch schafft es die Scheibe, eine eigene, bestechende, merkwürdige Atmosphäre zu erzeugen. Anfangs ist „Of Wind And Weeping“ schwer zugänglich – aber für die Mühe wird man schließlich mit einem interessanten, unkonventionellen extremen Metal-Album belohnt. Übringens: Die Geschichte von Vladimir stimmt so nicht ganz. Das Album hat er nämlich in Wahrheit nicht in einem versteckten Studio im Wald aufgenommen, sondern in seinem Schlafzimmer.

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28.08.2003

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