Ofdrykkja - After The Storm

Review

Blackened Post-Punk? Post-Black Metal? Dies sind nur zwei der mannigfaltigen Genre-Bezeichnungen, die einem begegnen, wenn man ein wenig zu OFDRYKKJA recherchiert. Nein, die Schweden sehen gar nicht ein, vermeintlich genrefremde Veröffentlichungen in Nebenprojekte auszulagern, und so ist jedes Album der bereits seit zehn Jahren existierenden Schweden wieder eine neue Wundertüte. Auch der vierte Longplayer des Trios bildet da keine Ausnahme. Fanden sich auf dem Vorgänger „Gryningsvisor“ bereits „balladeske Folk-Klänge“, fußten diese letztlich aber nach wie vor im (Post-)Black Metal. Das ist auf „After The Storm“ vorbei, denn hier übernehmen die Folk-Klänge vollständig das Ruder.

OFDRYKKJA – Nichts für E-Gitarren-Freunde

Um es also direkt zu Beginn deutlich zu sagen: Wer frostige Riffs oder überhaupt E-Gitarren-Klänge sucht, kann „After The Storm“ komplett auslassen, denn „The Light“ zeigt direkt sehr deutlich, wohin OFDRYKKJA dieses Mal steuern. Ja, WARDRUNA kommen einem natürlich direkt in den Sinn, dennoch klingt hier kaum etwas nach Einar Selviks Kapelle. Nein, Drabbad, Pessimisten und Ahlström gehen ihre Sache viel leichtfüßiger und melodischer an, was sowohl aufgrund der musikalischen als auch der persönlichen Geschichte der Bandmitglieder überraschen mag. Natürlich schwingt auch auf diesem Album ordentlich Melancholie und Schwermut mit, dennoch sind die Zeichen der Hoffnung unüberhörbar.

Dies fußt nicht zuletzt im feengleichen Singsang von Miranda Samuelsson, der vielen Songs einen träumerischen Stempel aufdrückt, der zwar manchmal an der Kitschgrenze kratzt, sie aber nie überschreitet. Auch die Instrumentierung schafft es dabei, eine Klangwelt aufzubauen, die eben kein dröhnendes Wikinger-Bollwerk ist, wie das norwegische Vergleichsobjekt, sondern die neblig-feuchte Umgebung des einsamen Geigers auf dem Cover Artwork vor dem Auge des Hörers aufziehen lässt.

Ein etwas zweischneidiges Schwert sind die zwar eindringlichen aber nicht immer zu 100% stimmigen Spoken Word-Passagen von Pessimisten. Mal wollen sie nicht so richtig funktionieren, wirken ein wenig aufgesetzt („The Mære“), mal schaffen sie es einen Song trotz überbordender Länge und wenig Varianz zu tragen, ja sogar für ein paar leichte Gänsehautmomente zu sorgen („Beyond The Belt Of Orion“). Hinhören lohnt sich besonders in letzterem Fall, denn der Mann hat durchaus etwas zu sagen.

Nicht nur wein weiteres Folk-Projekt – „After The Storm“

Folk-Projekte von Metal-Musikern gibt es mittlerweile gefühlt, wie Sand am Meer, OFDRYKKJA reihen sich aber auch mit ihrem neuen Output „After The Storm“ nicht in die lange Liste irgendwie ganz guter aber letztlich auch nur absolut durchschnittlicher Alben ein. Die Platte strahlt nicht nur durch die skandinavische Herkunft eine gewisse Authentizität aus, sondern auch weil klar ist, dass OFDRYKKJA einfach machen, wonach ihnen gerade ist und das nächste Album wieder etwas völlig anderes sein könnte. In den allermeisten Fällen gutes Songwriting, eine fesselnde Atmosphäre und auch die vielen vergleichsweise eingängigen Melodien lassen kaum Langeweile aufkommen und machen „After The Storm“ zu einer wirklich starken Genre-Veröffentlichung, die einen willkommenen Hoffnungsschimmer für die dunkle Jahreszeit bietet.

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18.11.2022

"Time doesn't heal - it only makes you forget." (Ghost Brigade)

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