OM - Pilgrimage

Review

OM, die Nachfahren der großen SLEEP, erfanden mit ihrem Debüt „Variations On A Theme“ eine neue Ästhetik, welche zwar aufgrund ihrer sublimen Härte mit dem Rock der ’70er-Jahre eng verwandt ist, ihre Improvisationslust und ihr ausuferndes Moment aber aus anderen Nischen bezog – die Stücke erinnern an die Bewusstseins erweiternden Sessions der Psychedelic-Avantgarde. Sie bedienen sich auch an den ekstatischen Mechanismen des Trance und New Age, schwirren immer an den äußersten Rändern der Wahrnehmung. Es ist Musik, die weniger zu hören ist als zu spüren.

Präzise wie ein Uhrwerk treibt Chris Hakius die Platte mit hypnotischer Repetition, vergleichbar mit langsam schwingenden Pendelschlägen, und einem sparsam akzentuierten Gleichmaß an; er muss zweifelsohne eine Rolex unter den Schlagzeugern sein. Al Cisneros führt mit seinem wabernden Bass sowohl den Rhythmus als auch die Melodie. Verhalten setzt der Bass Töne, wirkt anfänglich verstört, als suche er etwas. Erhabenheit erfüllt dann den Raum, als er sein Motiv, sein lavazähes Thema findet. Er spielt in schier endlosen Weiten, niemals introvertiert, immer erzählend. Ein angenehm entrückter Gesang legt sich wie ein Mantra-Schleier über das Soundgebirge, vorsichtig tastend, nie zu laut. Auf das große Werkzeug wie Gitarren haben OM verzichtet.

Das zehnminütige „Unitive Knowledge Of The Godhead“ und die magische Beschwörungsformel „Pilgrimage (Reprise)“ machen die Magenhöhle zum Resonanzkörper, wie delirierende Züge dröhnen sie durch die Boxen und lassen die Innereien flattern. Von diesen Geweben geht ein seltsames Flimmern aus wie von einer sonnigen Wüstenlandschaft, in der sich harte Konturen auflösen und nur noch ein einziges Gewoge zitternden Lichts ist. Sie zeigen, wie sich Minimalismus und eindringliche Ereignislosigkeit, kanalisiert und in mäandernde Patterns verpackt, zu einer einnehmenden Aura verbinden lassen.

Die Musik bleibt nicht hängen, sie brennt sich regelrecht ein – OM erschaffen einen eigenständigen Klangkosmos, der sich nach und nach in Tiefe und Raum entfaltet. Stürzt man sich erstmal hinein in diesen Strudel aus Riffs und Rhythmen, kann man sich ihm nur noch schwerlich entziehen. Nach einer halben Stunde zeitvergessener Betäubung spuckt er einen aus, lässt einen schwitzend, mit Wüstenstaub benetzt und zerrüttet mit der Wasserpfeife in der Armbeuge zurück.

04.03.2008

Der metal.de Serviervorschlag

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