Psychomantum - Vorzeiten

Review

Keyboards im Black Metal sind ja bekanntlich so eine Sache. Die einen schwören darauf und würden niemals freiwillig auf ihre vielseitige elektronische Orgel verzichten, wohingegen sich anderen schon bei dem Gedanken daran die Zehennägel hochrollen. Sargath, seines Zeichen Kopf von PSYCHOMANTUM, zählt unmissverständlich zur ersten Gruppe und leugnet dies auch keineswegs – im Gegenteil: auf dem Infoblatt stellt er sogar explizit seine Vorliebe für keyboard- und melodienlastigen Black Metal heraus.
So verwundert es auch nicht, dass sich neben fünf selbstkomponierten Stücken auch ein Cover der österreichischen Keyboard-Koryphäen SUMMONING auf der knapp 70-minütigen Demo „…Vorzeiten…“ befindet. Das lyrische Konzept ist jedoch nicht (wie man nun fälschlicherweise erwarten könnte) rund um Mittelerde und Ringkriege gestrickt, sondern beschreitet gänzlich andere Wege und baut auf der – den meisten wohl völlig fremden – Mythen- und Sagenwelt Heidelbergs auf.

Gespannt lege ich also die CD ein und lausche dem gemächlichen, von Wolfsgeheul geleitetem Intro, dem sich der erste vollwertige Song „Neckargeescht“ anschließt. Begleitet von Keyboardwänden und gedämpftem Riffing erzählt die kratzig-verzerrte Stimme über den uralten Neckargeist, der der Sage zu Folge in einer Sommernacht (der so genannten Johannisnacht) den Menschen nach dem Leben trachtet. Auch das nächste Stück „Der Hexenbiss“ beleuchtet eine alte kurpfälzische Überlieferung und besticht insbesondere durch die (echten!) Geigen und die klaren, rhythmischen Melodiestrukturen.
Selbst die Atmosphäre muss sich nicht hinter den österreichischen Idolen verstecken – geheimnisvoll, archaisch und rau erhält das Klanggewand das stilgerechte dunkle Klima. Die programmierten Drums werkeln zwar nur verhalten im Hintergrund, geben dem Geschehen durch ihre zeremonielle Spielweise allerdings eine stramme, charakteristische Note, was besonders wirkungsvoll bei „Verfallen in Wahnsinn“ zu hören ist.
Jedoch offenbart sich bereits an dieser Stelle eine kleine Schwäche im PSYCHOMANTUM’schen Schaffen, da der Gesang leider immer dem gleichen Schema folgt und man der kratzenden Vocals so ziemlich schnell überdrüssig wird.

Beim vierten Song horche ich besonders erwartungsvoll auf, da sich Sargath nunmehr an SUMMONINGs „The Legend of the Master-Ring“ versucht.
Der „Minas Morgul“-Klassiker wurde nicht nur komplett in die deutsche Sprache übertragen („Die Legende des Meisterrings“), sondern auch um einige neue Keyboardmotive und Violinenmelodien erweitert, die das ganze zu einer wirklich an- und eigenständigen Coverversion werden lassen.
Auch die beiden letzten Stücke auf „…Vorzeiten…“ schlagen in die vorgemeißelte musikalische Kerbe der vorangegangenen Darbietungen und mit den einnehmenden Geigen- und Akustikgitarrensequenzen im letzten Song „Outro / Psychomantum“ wird das Gesamtwerk adäquat beendet.

Um das Ganze mal auf den berühmten Punkt zu bringen: PSYCHOMANTUM legen mit ihrer ersten offiziellen Veröffentlichung eine wirklich solide Melodic-Black-Metal-Platte vor, die allerdings noch ein paar kleinere Makel vorzuweisen hat. Der Gesang variiert bedauerlicherweise so gut wie gar nicht und auch die Länge der einzelnen Stücke (bis zu ~17 Minuten) wirkt sich teilweise negativ auf kompositorische Übersichtlichkeit und den berüchtigten Wiedererkennungswert aus.
Obwohl der Sound für eine Eigenproduktion schon erstaunlich gut ist, könnte sich „…Vorzeiten…“ mit einer druckvolleren Produktion und etwas klareren Songstrukturen mit Sicherheit noch um ein paar Pünktchen in der Bewertung steigern…
Was bleibt ist ein hoffnungsvolles Debüt, welches ich vornehmlich SUMMONING- und Synthesizersympathisanten ans Herz lege. Bestellen könnt ihr die Promo zu einem Preis von 5 Euro (inkl. Porto) direkt bei Sargath auf der PSYCHOMANTUM-Website.

21.01.2007

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