Rosetta - Quintessential Ephemera

Review

„Zwölf Jahre, über 1000 Shows in 26 Ländern, zehn Platten. Kein Van. Aber mittlerweile doppelt so viele Gitarren.“ Die Kurzbiografie auf ihrer Facebook-Seite haben ROSETTA durchaus mit einem deutlichen Augenzwinkern versehen. Was natürlich nicht bedeutet, dass die durch Neuzugang Eric Jernigan (Gitarre und Gesang – CITY OF SHIPS) jüngst zum Quintett gewachsene US-Formation nicht mit vollem Ernst bei der Sache wäre. Im Gegenteil – zuletzt vertrieben die experimentierfreudigen Klangkünstler ihre Platten in aufwendiger Eigenregie, arbeiten dabei lediglich mit einer Handvoll ausgewählter Liebhaber-Labels zusammen. Über ein eben solches – nämlich Golden Antenna Records – erscheint hierzulande nun auch das mittlerweile fünfte Studioalbum „Quintessential Ephemera“.

Obwohl ROSETTA sich in der Experimental-Szene den Ruf als harte Arbeiter und erstklassige Live-Band erworben haben, ließ der wirkliche Durchbruch bislang auf sich warten. Das ist vor allem der Eigenwilligkeit der US-Amerikaner geschuldet: So agierte der Fünfer auf dem Vorgängerwerk „The Anaesthete“ phasenweise durchaus brillant und mitreißend, verlor sich aber immer wieder in ungeordneten und weniger stringenten Parts – das allerdings auch mit voller Absicht.

„Quintessential Ephemera“ könnte nun der langersehnten Türöffner für all jene Hörer sein, die mit ROSETTA bisher überfordert waren. Denn das neue Werk ist das bislang zugänglichste der US-Amerikaner, die sich anno 2015 auf einen kohärenten Sound festgelegt haben. „Stripped to the bone“ lautet dabei das Konzept – ROSETTA konzentrieren sich im Verlauf der etwas mehr als 51 Minuten auf das Wesentliche. Das lässt bereits die Tracklist erahnen: Bis auf zwei Ausnahmen werden die Songs als unbetitelte, durchnummerierte Stücke ausgewiesen. Der Hörer bekommt gar nicht erst die Chance, sich an bedeutungsschwangere Worthülsen zu klammern. Im Zuge dieser Rezension wird folglich auch auf konkrete Anspieltipps verzichtet – der Leser könnte diese irgendwann schlichtweg nicht mehr auseinanderhalten.

Die Scheibe funktioniert ohnehin als großes Ganzes: Nach verträumtem, post-rockigem Auftakt mit weichen Clean-Gitarren und vereinzelten, perlenden Piano-Akzenten bewegt sich die Platte alsbald in rauere Gefilde. Dabei treffen post-metallische Passagen auf auf verspielten Post-Rock, der nach wie vor sehr verkopft, aber auch wesentlich plausibler und nachvollziehbarer als in der Vergangenheit daherkommt. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst Eric Jernigans, dem neuen Mann an der Sechssaitigen: Arbeitete der langjährige alleinige Klampfer Matt Weed in der Vergangenheit ausgiebig mit Overdubs, musste er für „Quintessential Ephemera“ erstmals Kompromisse eingehen und eine zweite Meinung akzeptieren. Das hat glücklicherweise nicht nur zur Folge, dass das Songwriting entschiedener auf den Punkt kommt, sondern auch, dass die Platte letztlich ein spürbares Band-Feeling transportiert. Zudem versprühen die Kompositionen dank der gelungenen Produktion Seth Manchesters und Keith Souzas (Aufnahmeleitung, Mix) sowie Colin Marstons (Mastering) ein ausgesprochen organisches Live-Flair.

Unabhängig davon liefern ROSETTA natürlich nach wie vor herausfordernde und teils sperrige Kost, deren Kern es ausdauernd zu identifizieren und erkunden gilt. Als willkommene Hilfe auf dieser Entdeckungsreise fungieren die variablen Vocals, die mal rüde und vehement, dann wieder zart und einfühlsam gehalten sind. Alle fünf Bandmitglieder steuern Gesänge bei – das Klangspektrum reicht dabei von sphärischen Chören à la ALCEST über markante Vennart-Lines und sludgegefärbtes Gebrüll der Marke ABRAHAM bis hin zu fiesem Gefauche im Stile Scott Kellys (NEUROSIS).

ROSETTA haben ihren Sound auf „Quintessential Ephemera“ zweifelsfrei gefunden – ohne dabei die charmante Naivität, welche die vorherigen Werke prägte, über Bord zu werfen. Insbesondere für jene Hörer, die düsteren, verschachtelten und sphärischen Klängen aufgeschlossen gegenüberstehen, dürfte sich die Platte als kleines Juwel herausstellen: ungeschliffen, von hinreißender Natürlichkeit – und rätselhafter Gestalt.

„Quintessential Ephemera“ kann in digitaler Form und via „Name Your Price“ über die Bandcamp-Seite ROSETTAs bezogen werden.

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09.07.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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