
SLAGMAUR aus Norwegen, die zuletzt 2017 ein Studioalbum veröffentlicht haben, stehen mit ihrem vierten Werk „Hulders Ritual“ in den Startlöchern. Zwei der Tracks gab es bereits als Singles über die letzten Jahre. Statt mit ihrer Musik hat die Band zuletzt durch eine gefälschte Vermisstenmeldung Aufsehen erregt. In bester WINDIR-Manier sollten SLAGMAUR-Chef General Gribbsphiiser und Produzent Snorre W. Ruch (THORNS) Mitte November 2025 in der norwegischen Wildnis verschüttgegangen sein. Wenig später wurde klar, dass es sich um einen PR-Stunt für „Hulders Ritual“ handelte. Die Rede war von einem sozialen Experiment. Metal Hammer berichtete ausführlich. Ob die Aktion ihnen nachhaltig die erhoffte Aufmerksamkeit eingebracht hat, ist fraglich.
Visionär oder Rückbesinnung?
SLAGMAUR werden gern als Avantgarde-Black-Metal bezeichnet, nutzen den Begriff aber zumindest im Rahmen der aktuellen Veröffentlichung nicht selbst. Bei dem Genre denkt man vermutlich hauptsächlich an ungewöhnliche Songstrukturen, Rhythmus-Experimente oder abenteuerliche Instrumente. Die Bezeichnung hat in der Vergangenheit auf SLAGMAUR zugetroffen, „Hulders Ritual“ klingt jedoch mehr nach Rückbesinnung auf die rohen, kauzigen Anfänge des norwegischen Black Metal. Das betrifft besonders den Sound. Dass die Scheibe klingt wie auf einem Spielzeug-Kassettenrecorder aufgenommen, ist zweifellos beabsichtigt. Teilweise fragt man sich zudem, ob jemandes Kind beim Mixen an den Reglern spielen durfte, denn eine ausgewogene Instrumentierung gibt es, wenn überhaupt, nur selten.
SLAGMAUR quälen uns mit Methode
Es sind diese übergreifenden und überspitzt eingesetzten Stilmittel, durch die die Band das Unkonventionelle in ihren Sound holt. Sie strengen beim Hören an und zehren an der Geduld. Umso mehr überrascht es, dass „Hulders Ritual“ trotzdem, oder gerade deswegen, ein gutes Album geworden ist. Der Opener „Ritual Dogs“ beginnt mit einem echten Hook und sorgt für einen unerwarteten Spaßfaktor. Trotz reichlich Dissonanzen ist der Track durchaus melodisch. Die Zerreißprobe „Wildkatze“ folgt, wo eine matschige Produktion, Rauschen und kaum hörbare Drums das Unbehagen auf die Spitze treiben. Hat man dieses Stück hinter sich gebracht, wird man mit „Huldergeist“ belohnt. Hier haben sich SLAGMAUR gesangliche Unterstützung von D.G. (MISÞYRMING), Hoest (TAAKE) und Maria Charlotte Lund geholt.
„Hulders Ritual“ verstört positiv
„Hexen Herjer“ und „Warlok“ liefern mit entspanntem Tempo fast hypnotische Momente, wissen aber, wann es die Monotonie aufzubrechen gilt. Über allem liegt stets eine kalte, bedrohliche Atmosphäre, aber auch eine angenehme Melodik. Etwas Epik hier und ein Piano dort bringen zusätzlich Abwechslung. „Rathkings“ gibt am Ende nochmal mehr Gas, was nach dem schleppenden Morast der Vorgänger sehr gelegen kommt. An der Seite von „Hexen Herjer“ das Highlight auf „Hulders Ritual“. Insgesamt haben SLAGMAUR hier keine leichte Kost kredenzt. Auch wenn fraglich ist, ob man hier (noch) von Avantgarde sprechen muss, bleibt ein positiv verstörender Eindruck zurück. Das Album muss auf seine Nische hoffen, denn das mehrmalige Hören, das hier Voraussetzung ist, ist eine kleine Herausforderung.
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Angela






























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