Totenmond - Thronräuber

Review

Toyota wusste es bereits vor vielen Jahren: Nichts ist unmöglich. Die Illuminaten postulieren: Nichts ist wahr, alles ist erlaubt. BADESALZ konstatierten bereits in den 1990er Jahren: Nix hält mehr. Und Albert Einstein wusste, dass letztlich alles relativ ist. Also auch TOTENMOND.

Mit “Thronräuber“ haben wir es mit einem Album zu tun, das die Erwartungen seines Rezensenten nur teilweise trifft. Aber bitte, der Reihe nach: zum ersten Mal hörte ich das Düstertrio TOTENMOND, als diese vor einigen Jahren im Vorprogramm von CROWBAR spielten. Naja, genau genommen hörte ich sie damals nicht, denn als ich damals im Café Central in Weinheim ankam, waren die Schwaben gerade mit ihrem Set fertig. Allerdings ergaben meine Nachfragen, dass ich eine tolle, langsame Doom-Crust-Band verpasst hatte. Na prima!

Entsprechend groß war meine Freude beim Erhalt des neuesten TOTENMOND-Albums, ebenso entsprechend groß war allerdings auch meine Enttäuschung beim Hören des ersten Titels, dem geradezu blackmetallischen “Luzifer Stampft“. Parallelen zu den rüden Knüppelbrüdern von RICHTHOFEN scheinen erkennbar- wieso zum Kuckuck sind TOTENMOND auf einmal schnell!? Das geht doch nicht, das kann doch nicht— erschüttert drücke ich die Next-Taste und stelle fest: ab “Achtung Panzer“ und “Nihil Novi“ pendeln die Fucknanger (Heimatgemeinde TOTENMONDs, in den meisten Atlanten noch unter der alten Schreibweise “Backnang“ aufgeführt) sich dann auf solides Midtempo ein, das durch rumpelnde Uptempopassagen und unerwartete Tempobrüche immer wieder angenehme Abwechslung erfährt. Mit gewohnt unheilvollem, nicht immer leicht verständlichem Grummeln wettert Pazzer einmal mehr über die dunklen Seiten des Daseins. Hierbei erschließt sich mir ein vermutlich vom Hausarzt der düsteren Gesellen inspirierter Mitgröhlteil bei “Sonnenstrahl“ nicht ganz – mehrfach heißt es dort “Frau…! Schluck’…!“. Oder spricht hier ein Bandmitglied, das beim Versuch, die Magenverstimmung seiner Gattin mit selbstgebranntem Fusel zu kurieren, auf deren massive Ablehnung stößt? Hat jemand weitere Vorschläge?

Wie auch immer. Sie alle hatten Recht. Die Leute beim größten japanischen Autobauer, Vertreter geheimer Bruderschaften, Künstler und Wissenschaftler. Alles ändert sich, sogar TOTENMOND. Jedenfalls ein bisschen. Und obwohl ich kein Freund allzuhoher Geschwindigkeit bin, muss ich die Abkehr der drei vom bisher immer latent vorhandenen Punkeinschlag sowie die Hinwendung zu Black/Deathmetal vielleicht nicht als Verbesserung, zumindest aber als schlüssige und gelungene Alternative bezeichnen. Außerdem fließt bei TOTENMOND nach wie vor viel aus den Bereichen Noise, Doom und Crust ein, wenn auch im Vergleich zu den Vorgängeralben deutlich weniger verstörend und nihilismuszentriert.

Weitgehend bleiben die Schwaben sich also treu; die grundsätzlich wirklich nicht überfordernden Neuerungen gestatten wir ihnen gerne und freuen uns darauf, sie spätestens im Sommer wieder erleben zu können.

03.04.2008

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1 Kommentar zu Totenmond - Thronräuber

  1. Hiatus sagt:

    Kanalisierte Wut. Der richtige Sounddreck, um Amoklaufgefühle zu entwickeln. Höre ich immer noch mindestens 1 Mal pro Woche. Da wirkt nichts aufgesetzt, die sind wirklich so. Dreckig produziert wurd´s auch.

    9/10