Unhold - Towering

Review

Im Segment des experimentellen Metals gelten der hohe Norden sowie – seit mittlerweile einigen Jahren – Frankreich als Hochburgen. Seit geraumer Zeit mischt allerdings eine weitere Nation im Konzert der Großen mit: die Schweiz. Die Szene in unserem Nachbarland ist äußerst produktiv, verzweigt und breit aufgestellt. Und auch wenn unlängst mit KRUGER eine verdiente Formation abtrat, erscheinen nahezu wöchentlich neue, spannende Truppen auf der Bildfläche.

UNHOLD allerdings lärmen bereits seit 20 Jahren durch den Schweizer Untergrund – wobei erstaunlicherweise kaum jemand außerhalb der Landesgrenzen davon bislang Notiz genommen hat. Nun der nächste Versuch: Dieser Tage will der Fünfer mit dem bereits vierten Album „Towering“ dem Gütesiegel „Made In Switzerland“ erneute Ehre erweisen. Die Platte bietet eine Stunde gediegene Midtempo-Kost, die über weite Strecken im Post-Metal anzusiedeln ist, gelegentlich aber auch über den Tellerrand hinausschaut – beispielsweise indem Pianistin Miriam Wolf mit prägnanten Gesangslinien und gefälligen Tasten-Arrangements das Klangspektrum erweitert.

Das funktioniert ausgesprochen gut – unter anderem im achtminütigen „Voice Within“, das mit einprägsamem, getragen-wuchtigem Hauptriff daherkommt und sich in der Folge dynamisch sehr abwechslungsreich präsentiert: Die sparsam inszenierten, dabei aber wirkungsvollen Melodien, die stimmigen Gesänge und die recht repetitive Struktur des Tracks sorgen zusammengenommen für viel Atmosphäre. Gleiches gilt für den von minutenlangen Sprach-Samples begleiteten Titeltrack, der hin und wieder auch in Post-Rock-Gefilden wildert. Ruppiger wird es beispielsweise beim stampfenden „Hydra“, bei dem zunächst die Sludge-Keule geschwungen wird, bevor in der Folge sphärische Psychedelic-Klänge in den Vordergrund drängen. Fett auch: Der amtlich groovende Schlusspart des doomig gefärbten „I Belong“.

Allerdings gibt es zwei wesentliche Kritikpunkte. Ersterer betrifft den Sound der Platte: Während das Schlagzeug beispielsweise wunderbar natürlich aufs Band gebracht wurde, präsentiert sich der Rest des Instrumentariums ziemlich zahnlos und vor allem viel zu basslastig: Die Gitarren kommen zwar warm, aber viel zu zaghaft daher, der Tieftöner ist irgendwie wahrnehmbar, geht aber oft im schwammigen Fundament unter – das Ganze erinnert ein wenig an den Klang der berüchtigten G12T-75er Celestion-Speaker: mulmig, in den Mitten ausgehöhlt und irgendwie unausgewogen. Ich habe mich von den Dingern damals nach einer Woche wieder getrennt, andere schwören darauf. Nunja. Fakt ist jedenfalls, dass es „Towering“ an Punch und Wucht fehlt, die für diese Art von Veröffentlichung unabdingbar sind.

Das wesentlich größere Problem ist ohnehin, dass die Scheibe nicht durchgängig auf gutem Niveau unterwegs ist, sondern sich diverse Hänger erlaubt. Beispielsweise wirken die Gesänge im instrumental durchaus packenden „Southern Grave“ gelegentlich etwas deplatziert, gleiches gilt für den Opener „Containing The Tyrant“, der zudem auch im strukturellen Bereich Schwächen offenbart. Ohnehin sei an dieser Stelle gesagt, dass die Vocals insgesamt – vorsichtig ausgedrückt – Geschmackssache sind. Mich persönlich hauen jedenfalls weder das Geröchel, noch die Clean-Passagen aus den Latschen.

Hinzu kommen dann noch diverse Minuten Leerlauf, so dass „Towering“ auch nach mehreren Durchläufen letztlich keinen überzeugenden Gesamteindruck hinterlässt. Die hier vergebenen sechs Punkte sollen Genre-Freunde allerdings nicht davon abhalten, mal ein Ohr zu riskieren – die Scheibe hat zweifelsfrei ihre starken Momente. Allein, eine wirkliche Duftmarke können UNHOLD in meinen Augen erneut nicht setzen: Da haben einige eidgenössische Konkurrenten mehr zu bieten.

15.02.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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