Saltatio Mortis
Adventure In A Box: Finsterwacht

Special

Bereits vor gut zwei Jahren veröffentlichten SALTATIO MORTIS, passend zum gleichnamigen Song und Musikvideo, ein Adventure In A Box. Wir haben uns das One-Shot-Abenteuer einmal genauer angesehen und nehmen euch mit auf die mystische Reise. Willkommen zu Dice ’em All: Finsterwacht!

Eckdaten und Grundregeln

Bevor wir uns dem Spielgeschehen nähern, erst einmal ein paar Eckdaten zum Abenteuer am Finsterkamm:

Finsterwacht ist ein One-Shot-Abenteuer, das sich mit stark vereinfachten Regeln im „Das Schwarze Auge”-Universum abspielt. Die Box enthält Abenteuer- und Regelhefte, einen Bodenplan und eine Landschaftskarte. Dazu gibt’s zehn W8-Würfel und verschiedenste Spielmarker, welche Gegner, Wegbegleiter und die Umgebung abbilden.

Charaktere und Spielmechanismus

Sieben vorgefertigte Charakterbögen stehen zur Auswahl, gestaltet in Anlehnung an die Helden aus dem Musikvideo zu Finsterwacht. Jede Persönlichkeit bringt unterschiedliche Fähigkeiten mit, die durch vier Grundkategorien geprägt werden. Dazu zählen Stärke, Seele, Geschick und Verstand, die sich jeweils in weitere Unterkategorien aufteilen. Im Verlauf des Spiels erstarkt der jeweilige Held durch Proben, Heldenkarten und erspielte Belohnungen in diesen Unterkategorien.

Zusammen mit verschiedenen Fertigkeiten und Spezialisierungen ergibt sich daraus die Anzahl an Würfeln, die der Held nutzen darf, um eine Probe zu bestreiten oder sich im Kampf bei Angriffen zu beweisen. Das Bestehen von Proben hängt vom jeweiligen Schwierigkeitsgrad ab, die durch benötigte Erfolge beim Würfeln festgelegt wird. Das Vorhandensein von Rerolls und Derolls ermöglicht es den Spielenden, das Glück am Würfel noch einmal herauszufordern oder das Würfelglück des Gegners in die Knie zu zwingen.

Fähigkeiten und Kampf

Während man sich durch die dunklen Wälder und Schluchten der Spielwelt bewegt, begegnet man einigen Kreaturen, die der Finsterwacht nicht besonders wohlgesonnen sind.

Kommt es zum Kampf, gilt es das Leben der jeweiligen Gegner durch gewürfelte Erfolge im Nah- oder Fernkampf auszulöschen. Die Lebenspunkte und Stärke der Gegner richten sich nach Fähigkeiten und nach der Anzahl der mitspielenden Helden. Die Stärke und damit der Erfolg der Helden werden durch bisher erspielte Fähigkeiten und durch das Würfelglück beeinflusst.

Parallelen zum Spielmechanismus von „Das Schwarze Auge“ lassen sich vor allem durch die das Vorhandensein von Schicksalspunkten, Initiative und sogenannte Spezialisierungen erkennen, die sich einmal pro Spielakt einsetzen lassen.

Die Spezialisierung ist dem Helden dabei bereits zu Beginn des Abenteuers zugeschrieben. Weitere Vorteile, die sich zum Beispiel durch den Einsatz von Magiepunkten nutzen lassen, kommen im Laufe der Handlung hinzu. Die Initiative bestimmt, wie auch im Grundregelwerk von „Das Schwarze Auge“, welche am Kampf beteiligte Partei zuerst am Zuge ist.

Im Spielverlauf können sich die Helden durch das erfolgreiche Ablegen von Proben und das Durchsuchen der Umgebung zusätzliche Ausrüstungsgegenstände verdienen.

Regeneration und Atempausen

Zwischen den einzelnen Kämpfen hat die Spielleitung die Möglichkeit, Atempausen für die Helden anzuordnen. Diese sind vor allem dann sinnvoll, wenn einer oder mehrere der Mitspielenden nur noch eine niedrige Lebenspunktzahl haben. Atempausen können darüber hinaus die Geschichte des Spiels beeinflussen und sollten daher mit Bedacht eingesetzt werden.

Nun aber genug der Erklärungen: Die Finsterwacht wartet!

Wenn die Feuer brennen, wird es finster…

Bevor wir an dieser Stelle in das Spiel tiefer eintauchen: SPOILERWARNUNG! Dieser Abschnitt behandelt das Spielgeschehen inhaltlich. Zwar soll hier keine kleinschrittige Erzählung der Abhandlung erfolgen. Wer sich jedoch ganz unvoreingenommen in die Welt der Finsterwacht begeben möchte, sollte nun für einen Augenblick der Abstinenz frönen.

Prolog

Die Heldengruppe startet ins Abenteuer, nachdem eine Spielleitung und ein passender Charakterbogen auserkoren sind. Zu Beginn der Reise führt der Prolog in die grundlegende Mission ein: Die Finsterwacht dient dem Zweck, die Bewohnerinnen und Bewohner des Dörfchens Hohenhain vor den Orks, auch Schwarzpelze genannt, zu bewahren. Ein Feiertag steht an und die Bevölkerung plant, sich traditionell und trotz aller Warnungen in die dunklen Wälder am Finsterkamm zu begeben.

Während sich die Helden aufmachen, die Wälder zu sichern, führt das Spiel langsam und gut verständlich durch kleine Proben in den zuvor erklärten Spielmodus ein. Die bildliche Beschreibung der Welt erleichtert das Eintauchen.

Kleine Kämpfe, anfänglich gegen verhältnismäßig einfach zu besiegende Gegner wie Wölfe, führen sowohl die Spielleitung als auch die Helden gut an das Kampfgeschehen und den Aufbau des Kampfplans heran. Ein Bodenplan mit 35 Feldern und liebevoll gestaltete Marker veranschaulichen die Szenerie.

Neben Gegnern begegnen die Spielenden bereits im Prolog auch Weggefährtinnen und Weggefährten, wie beispielsweise der Laubkönigin Demetria, die gemeinsam mit Feen und „Biestingern“ im Wald der Hex wohnt und warmherzig und gütig über diesen herrscht. Weggefährten dienen im Spiel hauptsächlich dazu, sowohl Spielleitung als auch die Spielenden an neue Missionen heranzuführen und diese kurzweilig zu begleiten.

Nach einer ersten großen Kampfhandlung im Wald der Hex endet der Prolog und die Helden ziehen ins eigentliche Abenteuer „Der letzte Chor“ weiter.

Der letzte Chor

„Der letzte Chor“ ist in drei Akte unterteilt und stellt das Herzstück des Abenteuers dar. Frei nach dem Musikvideo zum Song „Finsterwacht“ gestaltet, stellen sich die Helden dem steinigen Weg entlang des Finsterkamms, um die Feuer am Eichenturm zu entfachen. Diese Reise steckt voller Überraschungen, vor allem aber auch Kampfszenarien. Eines wird schnell klar: An Orks, Ogern und dem dazugehörigen Getier mangelt es hier nicht.

Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen die Helden die verschleppte Alwen und die Karte des Eremiten zu finden, um sich anhand dieser weiter durch die Spielwelt zu bewegen. Leuenhard, der Eremit, wird im Verlauf der Mission zu einem weiteren kurzweiligen Wegbegleiter der Spielenden.

Im Fortschreiten des Spiels wird der „Das Schwarze Auge“-Charakter deutlicher erkennbar. Durch das Einstreuen von universumsspezifischen Gegnern, wie beispielsweise dem Zwergkrakenmolch, weicht die Geschichte der Helden vom Musikvideo ab und hält die ein oder andere Überraschung parat. Häufig veränderte Kampfumgebungen bringen Abwechslung in das Spielgeschehen.

Nachdem das Seeungeheuer geschlagen und die Schatztruhe geplündert ist, begeben sich die mutigen Abenteurer in die letzte große Schlacht des Spiels. Begleitet von dem Glauben an Kriegsgöttin Rondra beginnt diese nach kurzem Weg am Eichenturm. Hier gilt es, die Feuer zu entfachen und die Mitstreiterinnen sowie Mitstreiter der Finsterwacht vor den listigen Schwarzpelzen in den Schatten der Wälder zu warnen, um die Bevölkerung zu beschützen.

Fazit und Kritik

Vorweg sei gesagt, dass es bei diesem Adventure In A Box absolut gelungen ist, eine in sich runde Geschichte in eine kleine Kiste zu packen. Hier und da lauert jedoch die ein oder andere Stolperfalle – besonders für die blutige Anfängerin oder den blutigen Anfänger.

Besonders aus Sicht der Spielleitung ist der ein oder andere kleine, aber nennenswerte Aspekt ins Adlerauge gefallen. So muss diese bereits zu Beginn des Spiels kreativ werden, um die mitspielenden Helden nicht zu spoilern. Der Hinweis auf einen benötigten Sichtschirm wäre vor Beginn des Spiels nützlich gewesen.

Auch, wenn es sich um ein One-Shot-Abenteuer handelt, sollten Heldinnen und Helden sich nicht überstürzt hineinwerfen. Für die unerfahrene Spielleitung empfiehlt es sich, das Abenteuer und vor allem das Regelwerk zuvor aufmerksam durchzulesen, um ständiges Nachschlagen zu vermeiden und sich etwas sicherer im Spiel bewegen zu können.

An der ein oder anderen Stelle wäre es aus Sicht der Spielleitung außerdem deutlich bedienungsfreundlicher gewesen, die Gegner und ihre jeweiligen Kampfeigenschaften auf einer Seite zu platzieren. Dies würde ständiges Umblättern und Zeit ersparen und den Spielfluss für Anfängerinnen und Anfänger erleichtern.

Aus Sicht der Helden ist es stellenweise schwierig, sich in einen vollständig vorgefertigten Charakter einzufinden und als dieser im Spielgeschehen zu handeln. Dies mindert an mancher Stelle den Beziehungsaufbau – besonders im Hinblick auf meist nur kurzweilig anwesende Weggefährtinnen und Weggefährten.

Dass die Macher viel Zeit und Mühe in das Adventure In A Box gesteckt haben, zeigt sich besonders durch liebevoll gestaltete Grafiken und kleine Eastereggs. So tritt beispielsweise die Spielmannstruppe Totentanz (lat. saltatio mortis) kurz vor dem letzten Kampf auf und gibt lyrische Zeilen zum Besten, die aus dem gleichnamigen Song zum Spiel bekannt sein dürften.

Apropos Musik! Um eine besondere und passende Atmosphäre zu schaffen, haben sich eben benannte Spielleute wohl schon im Vorhinein zum Musizieren getroffen und dabei die ein oder andere Melodei komponiert, was im wahrsten Sinne des Wortes sehr positiven Anklang findet.

Ebenso positiv ist der Schwierigkeitsgrad des Abenteuers hervorzuheben. Sowohl der erfahrene Pen-&-Paper-Spielende als auch Anfängerinnen und Anfänger finden nach kurzer Eingewöhnung Spaß am Spielgeschehen und können gemeinsam in die Welt der Finsterwacht eintauchen.

Letztlich hat Finsterwacht aber genau das mit sich gebracht, was es soll: Eine gute Zeit mit Freundinnen und Freunden beim Eintauchen in eine neue Welt. Wenn die Spielenden sich am Ende einig sind, dass Pen & Paper ab sofort fester Bestandteil in der Gruppe wird, scheint das One-Shot-Abenteuer seine Wirkung voll und ganz entfaltet zu haben!

Zückt die Bleistifte und begebt euch in die epische Schlacht: „Seid wachsam, Freunde, die Schatten sind erwacht Stift an Stift gemeinsam in die Nacht auf der Finsterwacht!“

Hier könnt ihr euch selbst vom Spiel überzeugen.

Quelle: Adventure In A Box: Finsterwacht
27.08.2026
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