Gothic
Es herrscht Krieg im Königreich der Menschen. Von Norden her fallen Scharen von Orks in das Land ein.

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„Es herrscht Krieg im Königreich der Menschen. Von Norden her fallen Scharen von Orks in das Land ein. Um die Kampfkraft der königlichen Armee zu erhalten, sind die Schmiede des Reiches unentwegt damit beschäftigt, neue Waffen anzufertigen. Diejenigen, die in dieser Zeit das Gesetz brechen, trifft ein hartes Los: Sie werden zur Zwangsarbeit in der Strafkolonie verurteilt, wo sie tief aus der Erde das ERZ fördern, das für die Herstellung der Waffen benötigt wird.“

Und es sind wahrhaftig nicht wenige, die das Vergnügen haben, der sonderlichsten Verbrechen angeklagt zu werden, damit der Erznachschub aus der Kuppel nicht ins Stocken gerät. Richtig geraten – ihr gehört, sobald ihr den Vorspann hinter euch gebracht habt, auch zu den Auserwählten, die sich das Meisterwerk magischer Architekturkunst von innen ansehen dürfen. Doch langsam… die Strafkolonie ist nicht mehr das, was sie einmal war. Ursprünglich wurde der Erzabbau von königstreuen Soldaten überwacht. Doch um die unschätzbar wichtige Ressource zu schützen, hatte der Regent ein Dutzend Magier beauftragt, eine magische Barriere zu errichten, die vor Übergriffen der Orks schützen sollte. Leider verstanden die Magier ihr Handwerk wohl doch nicht so gut wie zunächst angenommen und verloren die Kontrolle über den Schutzzauber. Die Kuppel wuchs nicht nur auf ungeahnte Größe und schloss die unfähigen Magier gleich mit ein, sondern hatte noch die unangenehme Eigenschaft, Organismen nur in eine Richtung passieren zu lassen – richtig, es geht nur in die Kolonie hinein. Nachdem die eingeschlossenen Häftlinge die nun ebenfalls gefangenen Soldaten kurzerhand ihrer Befehlsgewalt enthoben (aka töten), wurde ein Deal mit der Aussenwelt geschlossen, der beiden Seiten Vorteile bringen sollte: Der König bekommt das dringend benötigte Erz und im Gegenzug wird nahezu alles in die Kolonie geliefert, was zur Befriedigung der Primärbedürfnisse notwendig ist (ja, es werden auch Frauen reingeschickt :). Wenige Jahre nach diesem Vorfall habt nun auch ihr das Vergnügen, die Welt im Inneren der Kuppel zu betreten.

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Seit der Entstehung der Kuppel haben sich drei Lager gebildet. Da wäre zum einen das Alte Lager, welches den Erzhandel fest in der Hand hat und im Prinzip nichts anderes ist als eine Militärdiktatur, die rund um den Häftling Gomez aufgebaut ist. Ausserdem gibt es das Neue Lager, welches hauptsächlich von Banditen und Söldnern bevölkert wird, die sich mit der Hierarchie im Alten Lager nicht anfreunden konnten. Und zuletzt gibt es noch die Sekte – ein fröhliches Völkchen, welches sich dem Glauben an den Schläfer verschrieben hat und sich den ganzen Tag Sumpfgras in die Birne haut. Ihr steht vor der Entscheidung euch einem dieser Lager anzuschließen, um eure Karriere als Söldner, Gardist, Templer oder Magier eines beliebigen Kreises in Angriff zu nehmen, wobei es euch relativ freisteht, wann ihr das tut. Basierend auf eurer Entscheidung bekommt ihr unterschiedliche Aufgaben gestellt, mit denen ihr euch profilieren könnt, um dann, so ihr es denn wollt, einem der Lager beizutreten. Welches Zuhause ihr wählt, hängt von euren Vorlieben ab. Vom grafischen Standpunkt aus gesehen bietet wohl das Alte Lager die meisten Anreize, wohingegen das Sumpflager eine interessante Bauweise vorzuweisen hat. Solltet ihr allerdings mit der Benutzung von Leitern ein Problem haben, haltet euch vom Sumpflager fern.

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Die Welt von „Gothic“ ist, sodenn ihr die entsprechende Hardware habt, schlichtweg beeindruckend. Nicht nur die Grafik der näheren Umgebung – sei es im freien Gelände, im Wald oder in einem der Lager – ist am momentanen Stand der Dinge gemessen absolut auf der Höhe der Zeit. Die komplexe 3D Umgebung kann durch ihren Detailreichtum und vor allem durch das abwechslungsreiche und interessante Terraindesign überzeugen. Es gibt eigentlich keinen Ort innerhalb der Kuppel, den ihr nicht erreichen könnt, soweit es die Landschaft zulässt. Wenn ihr in der Ferne eine Bergspitze seht und euch das unwiderstehliche Bedürfnis überkommt, selbige genauer zu untersuchen, dann ist das theoretisch kein Problem – ihr müsst nur etwas Geduld mitbringen… denn in „Gothic“ gibt es solche Luxusgüter wie Kutschen, Pferde oder sonstige Transportmittel nicht. Wenn ihr einen Ort erreichen wollt, dann nehmt euch ein paar Minuten Zeit und genießt den Spaziergang durch die abwechslungsreiche Landschaft. Ok, die Landschaft kann nach dem 20ten Weg zwischen den verschiedenen Lagern (2-3 Minuten pro Weg) auch nicht mehr viel rausreissen, aber wenn ihr ein wenig weiter in der Story seid, bekommt ihr hilfreiche (und sehr schön anzusehende) Teleportzauber, die euch wenigstens direkt in eines der Lager bringen. Übrigens ist es nicht nur anfangs recht gefährlich, die Gegend zu erkunden, da die tierischen Bewohner der Kolonie ihren Gebietsanspruch recht energisch vertreten. Ihr solltet es zu Beginn tunlichst vermeiden, mit eurem neugewonnenen Einhänder auf die possierlichen Tierchen loszurennen, da ihr ansonsten recht schnell wieder 1-2 Minuten vor dem [Laden] Bildschirm sitzt, oder wie es Piranha Bytes ausdrückt – „Monster kooperieren untereinander: Man sollte auch bei Angriffen auf kleinere Monster vorsichtig sein – sie könnten größere Freunde haben …“

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Doch einen großen Teil der Faszination der „Gothic“ Welt macht sicher das soziale Umfeld in den Lagern aus. Mehr als 250 computergesteuerte Charaktere treiben sich in und um die Lager herum. Ihr werdet dort immer jemanden finden, mit dem ihr einen Reisschnaps trinken oder euch eine Sumpfgrastüte reinziehen könnt. Neben den unzähligen Händlern und Schlüsselfiguren gibt es haufenweise Buddler, Schürfer, Bauern und Banditen, die einfach nur ihrem Tagewerk nachgehen und ohne große Bedeutung sind. Solltet ihr allerdings auf die Idee kommen jemanden im Lager anzugreifen, weil er sowieso nur dumm in der Gegend rumsteht, wird er euch das lange nachtragen und gegebenenfalls seine Freunde oder Beschützer zu Hilfe holen, um euch Manieren beizubringen. Die computergesteuerten Charaktere sterben übrigens nicht sofort, wenn man sie ordentlich vertrimmt, sondern fallen erstmal bewusstlos um und harren darauf, ausgenommen zu werden 🙂 Sollte man sich dann doch dazu entschließen, dass man keine Verwendung für diesen jemand hat, kann man ihm mit einem eleganten Schwertstoß ein schnelles Ende setzen. Das führt aber wiederum, sofern in der Nähe von Gardisten o.ä., zu einem zügigen Ende eures eigenen Daseins. Trotzdem kann der Todesstoß manchmal ein erlösender Moment sein – klingt fies ? Wartet ab, bis ihr euren „Freund“ Mud kennenlernt 🙂 Einen zusätzlichen Reiz haben Piranha Bytes damit geschaffen, dass sie der Welt einen funktionierenden Tages- und Nachtrythmus spendiert haben, dem sich die gesamte Umgebung anpasst. So sind die Bauern und Schürfer tagsüber fleißig am arbeiten, während sie nachts am Lagerfeuer rumsitzen und saufen oder in ihren Hütten pennen – ähnliches gilt für alle anderen Charaktere, inklusive der Tierwelt. Ihr könnt es euch natürlich auch gemütlich machen, sofern ihr eine freie Hütte entdeckt. Es hat allerdings keine Auswirkungen, wenn ihr euch dazu entscheidet, diese Option niemals in Anspruch zu nehmen. Ich persönlich finde es trotzdem recht nervig, nachts im Freien unterwegs zu sein, da die Nacht in „Gothic“ verdammt dunkel ist.
Nicht weiter auffällig aber sehenswert sind die Wettereffekte der Welt. So strahlt euch tagsüber die Sonne ins Gesicht und wird von heftigen Regenschauern unterbrochen, während nachts der Mond am Himmel steht. Beeindruckend sind die Effekte der magischen Barriere, wenn Blitze durch die Nacht zucken – herrliche Atmosphäre.

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Und wie in fast jedem Computerspiel macht die Hintergrundmusik einen Großteil des Erfolges aus. Bei „Gothic“ ist die Musik nicht Mittel zum Zweck, sondern elementarer Bestandteil des Spielgefühls. Unzählige Minuten hochwertiger Hintergrundmusik begleiten euch durch die verschiedenen Gegenden. Es ist fast unnötig zu erwähnen, dass sich die Musik sowohl der Gegend als auch eurer momentanen Situation anpasst – ein wahres Erlebnis. Doch nicht nur die Hintergrundmusik ist gelungen. Bereits im zweiten (oder dritten ?) Kapitel werdet ihr im Alten Lager einen Liveauftritt von In Extremo bewundern können. Sehr detailverliebt wurden die Bandmitglieder als computergesteuerte Charaktere übernommen und auf die Bühne gestellt, wo sie ihre Show ununterbrochen darbieten, was vor allem nachts sehenswert ist. Leider wurde nur ein Song übernommen, und dieser ist auch noch sehr schlecht zu hören. Das Lautstärkenproblem wird aber, wenn ich richtig informiert bin, im nächsten Servicepack behoben; weitere Songs wird es hingegen aus lizensrechtlichen Gründen nicht geben.

Ich möchte an dieser Stelle Schluss machen, da es unglaublich viel über das Spiel zu erzählen gäbe und ich der Meinung bin, dass ihr, wenn ihr euch dafür interessiert, es selbst erfahren und erleben solltet. Mit all den offensichtlichen Stärken und den unglaublich vielen Kleinigkeiten, die zuerst nicht weiter auffallen, das Spiel aber umso liebenswerter machen, ist „Gothic“ mit das Beste, was, nicht nur dieses Jahr, aus deutschen Landen und weltweit auf dem Spielemarkt zu finden ist. Die vorhandenen Probleme, wie die gewöhnungsbedürftige Tastatur/Maussteuerung oder die kleinen und größeren Fehler im Spielablauf, können das Spielvergnügen nur kurzzeitig trüben und werden wohl nach und nach durch Bugfixes ausgeräumt. Wer die grob geschätzten 40 Stunden Spielzeit erübrigen kann und sich nicht von der anfangs zähen Entwicklung der Geschichte abschrecken lässt, wird mit „Gothic“ in eine Spielwelt entführt, die ihresgleichen sucht.

23.03.2002

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