Episode 5: Klang und Stimme im Laufe der Zeit

Special

Unsere fünfte Episode gemeinsam mit ASP: Nach Geschichten, Bühnenmomenten, Krisen und der Kraft der Worte widmet sich diese Episode dem, was all diese Ebenen trägt: dem Klang. ASP und Diana unterhalten sich über ein Vierteljahrhundert klanglicher Verwandlung, und der Sänger macht gleich zu Beginn klar, dass es kein Technikseminar wird. Ihn treibt eine andere Frage um: Wie müssen Geschichten klingen, damit sie das vermitteln, was sie erzählen sollen?

Das Projekt ASP: Geboren aus Frustration

ASP entstand, so erzählt Asp selbst, aus dem Überdruss an trägen Bandprozessen. Ein reines Studioprojekt zweier Menschen, die schnelle Entscheidungen treffen wollten und elektronisch darstellten, wofür weder Mittel noch Budget vorhanden waren. Auf den ersten beiden Alben gab es im Grunde kein echtes Schlagzeug. Erst der ungeplante Schritt auf die Bühne verwandelte das Elektrorock-Projekt in eine Rockband und die Kluft zwischen Studio- und Livesound wollte geschlossen werden. Mit dem „Zaubererbruder“ folgte der bewusste Bruch hin zu erdigen Klängen und Echtinstrumenten. Dass sich damals viele abwandten, lässt sich nur damit verschmerzen, dass es eines der erfolgreichsten Alben der Bandgeschichte wurde.

Zurück gibt es ohnehin keinen Weg. Die Software von damals existiert nicht mehr. Die Sample-CDs der Anfangstage werden heute von Firmen aufgekauft, um nachträglich Copyrightansprüche geltend zu machen. Und auch das Hören selbst hat sich gewandelt: Wo einst der Loudness War tobte, diktiert Spotify heute die Rahmenbedingungen. „Alle wollen stattfinden“, konstatiert Asp nüchtern und beschreibt den Balanceakt, Kompromisse einzugehen, ohne dass die Musik dabei ihre Tiefe verliert.

Die Stimme als Instrument und der Zahn der Zeit

Eine gepflegte Gitarre klingt nach 20 Jahren noch wie am ersten Tag. Eine Stimme nicht. Asp geht offen mit der Veränderung um: dunkler sei sie geworden, das ganze Jugendliche verschwunden. Statt zwanghaft für immer 30 sein zu wollen, gibt er ihr in der Produktion Raum und widerspricht dabei ausgerechnet einem seiner großen Helden. Bruce Dickinsons Credo, IRON MAIDEN würde Songs niemals für den Gesang umstimmen, hält er für einen Irrweg: Wer dem Sänger keinen guten Platz einräumt, riskiert, dass es irgendwann schlicht nicht mehr gut klingt. Das Publikum bemerkt keinen Halbton, wohl aber ob ein Sänger angestrengt klingt. Für den Punkt, an dem beim Endmix alles passte, hat man trotzdem 20 Jahre gebraucht.

Ich will brennen: Ein Blick zurück

Zum Schluss gräbt Diana eine fast vergessene Episode aus: die Zeit nach der EFA-Insolvenz, als die CDs der Band in der Konkursmasse feststeckten. Es folgten die widerwillig produzierte Best-of „Interim Works Compendium“ nur wenige Wochen nach „Weltunter“, dessen erste Auflage praktisch verloren ging. Aber auch die Single „Ich will brennen“ samt beigelegtem CD-Rohling wird nochmal herausgekramt. Die Botschaft von damals, Fans mögen sich doch ihre eigene Best-of brennen, wurde der Band später oft als Aufruf zum Raubkopieren ausgelegt und negativ aufs Brot geschmiert. Aus heutiger Sicht: ein charmantes Fossil einer rasend schnellen Entwicklung, denn die Playlist von heute war das Mixtape von gestern. Und somit ist ASP seiner Zeit einen Schritt voraus.

Apropos: Beim Schwelgen in Mixtape-Erinnerungen entfährt Asp ein Versprechen, das Fans aufhorchen lassen dürfte: Nach der „Mehr denn je“-Tour will er eigene Mixtapes anfertigen. Die ersten zehn, die sich melden, bekommen eines. Aber um sich die Zeit bis dahin zu vertreiben, war ASP produktiv, und die Vorfreude auf die Tour wird geschürt. Es ist ein erster Vorgeschmack auf das im Herbst 2027 erscheinende Album „HORRORS 2 – ANOTHER COLLECTION OF GOTHIC NOVELLAS“. Bereits am 6. September 2026 erscheint die „Mehr denn je“-EP mit 6 Stücken: drei brandneue Studiosongs, einen Special-Track und zwei unveröffentlichte Live-Klassiker, die 2025 bei ASP auf Höllenfahrt mitgeschnitten wurden.

Episode 1: Geschichten in Zyklen

Episode 2: Die Magie des Moments

Episode 3: Brüche, Krisen und Neuanfänge

Episode 4: Die Alchemie des Wortes

Galerie mit 25 Bildern: ASP - Summer Breeze Open Air 2025
Quelle: Interview ASP 7.2.26
26.07.2026

Musik ist mehr als Klang: Sie erzählt von Leben, Leidenschaft, Aufbruch und Ankommen. Sie ist Kunst: roh, echt und einzigartig. Ihre Bedeutung entfaltet sich im Resonanzraum zwischen uns und der Welt. Come as you are!

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