
Deloraine, Vera Lux, Ye Banished Privateers, Vroudenspil, Subway To Sally, Nachtgeschrei und Coppelius
TANZT! Ein Festival als lebendige Bricolage der Livekultur
Special
„Burg gab’s keine, man nimmt ’ne Disco.“ Viel knapper lässt sich die Entstehung des TANZT! kaum erzählen. 2007 fehlte es in Rosenheim an Orten für eine junge Mittelalter-Rock-Szene, die sich abseits von Märkten und den größeren Münchner Bühnen treffen wollte. Also mieteten die Beteiligten um Michael Sackermann und VROUDENSPIL eine Disco, stellten vier Bands hinein – darunter NACHTGESCHREI – und verkauften die rund 400 Plätze aus. Was Dax vom Berg heute die „Ursuppe“ des Festivals nennt, erklärt auch dessen aktuelle Handschrift: vorhandene Strukturen nutzen, Bands aus dem eigenen Netzwerk zusammenbringen und daraus einen Abend bauen, der mehr sein will als die Addition bekannter Namen.
Am 14. November findet das TANZT! zum 18. Mal statt, längst im Backstage München. Das Line-up mit SUBWAY TO SALLY, VROUDENSPIL, COPPELIUS, YE BANISHED PRIVATEERS, NACHTGESCHREI, DELORAINE und VERA LUX spannt den Bogen von Mittelalter-Rock über Folk bis Pagan und Metal.
Booking als Bricolage
Dax nennt sie „Bricolage“, einen musikalischen Flickenteppich. Das Booking soll Publikum ziehen, aber zugleich Lücken für Bands lassen, die noch nicht überall auf denselben Festivalplakaten stehen. „Wir wollen etwas bieten, das nicht alltäglich ist“, sagt er. Dazu gehören internationale Acts, unterschiedliche Spielarten und bewusst ein oder zwei Namen, „die man jetzt so nicht ganz auf dem Schirm hatte“.
2026 lässt sich diese Haltung besonders gut an DELORAINE ablesen. Die tschechische Pagan-Folk-Band wurde früh gebucht und hat inzwischen beim Feuertanz bereits einen Co-Headliner-Slot gespielt. Beim TANZT! steht sie trotzdem weit vorne im Tagesprogramm. YE BANISHED PRIVATEERS wiederum verbindet mit VROUDENSPIL eine jahrelange gemeinsame Geschichte, ohne dass es bisher zu einem Auftritt beim eigenen Festival gekommen ist. NACHTGESCHREI kehrt nach ihrem „Revival“ zurück. Das Billing erzählt damit weniger von Marktpositionen als von Beziehungen, Entwicklungen und Wiederbegegnungen.
Auch das Publikum ist über die Jahre mitgewachsen. Dax beobachtet heute mehr als früher wie mehrere Generationen gleichzeitig vor der Bühne: Menschen, deren erste Konzerterfahrungen Jahre zurückliegen, stehen neben jüngeren Besucher:innen. Gerade in älteren Metal- und Mittelalter-Rock-Spielarten entsteht daraus eine Kontinuität, die sich nicht an Charts oder Reichweiten messen lässt. Szenen entstehen auch, weil Menschen wiederkommen und andere mitbringen.
TANZT! Ein Festival braucht einen Ort
Dass TANZT! heute so funktioniert, hängt eng mit dem Backstage zusammen. Dax beschreibt das Gelände als „kleines gallisches Dorf“ in einem zunehmend aufgeräumten städtischen Umfeld. Gemeint ist damit nicht nur ein romantisches Bild. Das Backstage übernimmt beim TANZT! auch wirtschaftliches Risiko und gibt den Organisatoren gleichzeitig den Spielraum, das Festival weitgehend nach eigener Vorstellung zu gestalten.
Genau an dieser Stelle wird aus Festivalorganisation Infrastrukturpolitik im Kleinen. Bands, Technik und Personal müssen bezahlt werden, während Eintrittspreise für ein Publikum erreichbar bleiben sollen. Gleichzeitig braucht Livekultur Orte, an denen unterschiedliche Gruppen tatsächlich aufeinandertreffen können. Dax verweist auf das Nebeneinander verschiedener Musikrichtungen im Backstage und auf dessen Funktion weit über einen einzelnen Konzertabend hinaus.
Aus der gemieteten Rosenheimer Disco ist deshalb kein Festival geworden, das zwangsläufig immer größer werden will. Über Sonderformate und eine größere 20. Ausgabe wird nachgedacht, ein zweiter Festivaltag überzeugt die Organisatoren bislang nicht. Entscheidend bleibt die Zusammenstellung.
Das TANZT! hat eine Größe gefunden, in der Entdeckungen, alte Bekannte und ein generationenübergreifendes Publikum noch nebeneinander Platz haben. Dax formuliert den Anspruch am Ende wesentlich einfacher: „Haltet die Live-Kultur am Leben – egal ob an der Burg oder im Backstage-Club.“
Galerie mit 24 Bildern: Vroudenspil - Schlosshof Festival 2022

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| Bands | |
|---|---|
| Stile | Dark Metal, Folk, Gothic Metal, Gothic Rock, Mittelalter, Mittelalter-Rock |
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Diana Heinbucher
































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