Loathe + Holding Absence - This Is As One

Review

Nicht mal ganz ein Jahr nach ihrem Debütalbum “The Cold Sun” legen LOATHE nach. Gut, nur in Form einer Split-EP mit ihren Labelkollegen und geografischen Nachbarn HOLDING ABSENCE, aber immerhin. Lohnend ist “This Is As One” in jedem Fall, ohne dabei ein wirkliches Spektakel abzufeiern, so viel vorneweg – überraschend ist es aber allemal.

LOATHE sind etwas zugänglicher als auf ihrem Debüt, aber immer noch schwer verdaulich

Das liegt an LOATHE, die sich in den zwei Split-Beiträgen nach einem Brachialstart in “White Hot” schnell deutlich zugänglicher als auf ihrem Erstwerk zeigen. Denn die Abwechslung aus djentiger Gitarrenarbeit, Brüllen und allgemeiner Endzeitstimmung lockert sich durch melodische und vor allem klar gesungene Parts auf – vor allem, weil spätestens die zweite Songhälfte erfreuliche Erinnerungen an die frühen DEFTONES weckt. Hat irgendwie was von kurzzeitigem Retroflair, wird aber sofort wieder von Gitarrenwänden überfahren. Cooler Einstieg. Das Level kann “Servant And Master” nicht in Gänze halten. Deutlich wuchtiger, disharmonischer und gleichzeitig verspielter rumort der Song in bereits liebgewonnener LOATHE-Manier durch die Magengrube und hinterlässt einen schwer verdaulichen, aber immer noch faszinierenden Eindruck, der sich vor allem im atmosphärisch beeindruckenden letzten Songdrittel findet. Und schwupp, sind die Jungs aus Liverpool auch schon fertig.

HOLDING ABSENCE spielen den rockig-angenehmen Gegenpart

Und übergeben Drumsticks, Mikro und Gitarren an ihre walisischen Kollegen HOLDING ABSENCE, die ihrerseits vom Fleck weg deutlich bekömmlicher ertönen. Flirrend lockere Melodien und melodischer, sehr leicht ins Schreien abdriftender Gesang formen den ersten Eindruck. Das wirkt nach der LOATHE-Hälfte fast wie die ersten Sonnenstrahlen nach einem gewaltigen Gewitter und bringt gleichzeitig eine gewisse Ruhe in die durchgewirbelte Magenregion. Heißt umgekehrt aber auch, dass HOLDING ABSENCE deutlich harmloser, ja fluffiger unterwegs sind. “Saint Cecillia” hat trotzdem etwas seltsam Tröstliches, wenngleich der Song eher in Richtung leicht angeproggter und mit “Post-” versetzter Rockmusik tendiert. Das gilt auch für “Everything”, das instrumental noch sparsamer und defensiver agiert und den zartbesaiteten, aber angenehmen Gesang in den Mittelpunkt rückt und erst gegen Ende ein großes Breitbandfinale liefert. Ach ja, schnell geht bei HOLDING ABSENCE nichts zu – das hier ist gemächliche, ja ruhige oder eher beruhigende Musik zum Abschalten.

Und damit hat “This Is As One” einen ziemlichen Spagat zwischen zwei talentierten Bands geschaffen, die trotz allem eine genau deshalb spannende Split abgeliefert haben. Ein netter Zwischenstand auf den Weg zu hoffentlich bald folgenden Full-Length-Werken beider Bands. Schön, dass von der Insel immer mehr spannendes Zeug in diesem Bereich rüberschwappt.

06.02.2018