Pissmark - Der Frömmler

Review

Auf “Der Frömmler” finden sich weder säuselnde Liebesschwüre, noch wilde Fantastereien oder idyllisch vertonte Waldspaziergänge, nein, PISSMARK bringen ihre Zuhörer zurück auf den Boden der Tatsachen. Ungeschönt besingen die Österreicher die Realität und rufen Heuchlerei, Prostitution, Pädophilie, Mord und Totschlag ins Gedächtnis zurück, Nebenwirkungen unserer unzivilisierten Gesellschaft zwischen übermäßigem Luxus und sozialer Ungleichheit: “Denkverbot, Wahlverbot, arbeitslos, sterbenstot; das ist nicht meine Welt in der ich leben will”, der Opener lässt keinen Zweifel daran, dass sich diese Herrschaften mit den Abgründen dieser Welt beschäftigen, dem ganz normalen Wahnsinn.

Die Wiener nehmen jedenfalls kein Blatt vor den Mund, und treten sowohl textlich als auch musikalisch in die Fußstapfen von Bands wie TOTENMOND, DRECKSAU oder auch RICHTHOFEN, klingen mal groove-betont und mal zermürbend, können aber auch so richtig mit dem “Kopf Durch Die Wand”. Wut haben sie jedenfalls im Bauch, und die überträgt sich auch auf den Zuhörer. Live sollte deshalb definitiv die Post abgehen. Doch von Konserve wirken die Songs auf die Dauer dann doch etwas eintönig und variationslos. Ein paar mehr zwingende Songs hätte ich mir jedenfalls gewünscht, genauso wie hier und da etwas mehr Geschwindigkeit oder Emotionen.

Die Produktion ist extrem gefällig: Erdig, authentisch und analog. Und das steht gerade Songs wie “Soldat”, “Schizophren” oder “Prikophil” ausgesprochen gut. Echte Abwechlung, wie sie RICHTHOFEN im Programm hatten, fehlt hier allerdings völlig. Als Debüt kann sich “Der Frömmler” daher zwar nicht komplett behaupten, aber wer mit deutschsprachigen, derben Texten und den zuvor genannten Bands etwas anfangen kann, darf ruhig ein Ohr riskieren.

25.02.2010

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