Smoulder - Witch Wife In An Alien World

Review

Galerie mit 14 Bildern: Smoulder - Hell Over Hammaburg 2024 Warm Up

SMOULDER haben just ihr drittes Album in Stahl gegossen. Dabei ist nicht nur der Titel „Witch Wife In An Alien World“ so skurril wie passend, dürfte es sich doch um das bisher persönlichste und experimentierfreudigste Album der Band handeln. Musikalisch trifft die kanadisch/amerikanische, teilweise in Finnland residierende Truppe dabei ein paar Entscheidungen, die zumindest das Potential haben, zu polarisieren.

Bei „Witch Wife In An Alien World“ ist der Titel programmatisch

Der mögliche Stein des Anstoßes manifestiert sich dann in der Tat auch ziemlich schnell, nämlich gleich mit der ersten vorab veröffentlichten Single „Water Wars“, die auch als Opener fürs neue Album fungiert und bereits im Vorfeld die Meinungen gespalten hat. Zunächst mal ist „Water Wars“ eine für SMOULDER-Verhältnisse ungewöhnlich flotte Einstiegsnummer zwischen US Power Metal und NWoBHM-Einschlag, die sich zudem mit einem immer größer werdenden Problem beschäftigt: Den möglichen Folgen steigender Wasserknappheit. Streitpunkt dürfte allerdings vor allem der Gesang sein.

Schon in der Vergangenheit überzeugte Frontfrau Sarah Ann ja eher durch eine leidenschaftliche Darbietung, denn durch fehlerfreie Gesangstechnik. Und auch ein gewisser Kauz-Faktor war SMOULDER schon immer eigen. Doch der Grat zwischen „liebenswert verschroben“ und „einfach nur schief“ ist schmal und der dissonante Gesang besonders in der ersten Hälfte von „Water Wars“ dürfte die Toleranz vieler arg auf die Probe stellen. Dabei kann man hier durchaus Vorsatz unterstellen, denn auch ein paar leicht neben der Spur liegende Leads und die insgesamt etwas wildere musikalische Herangehensweise deuten darauf hin, dass man sich bewusst für eine Hinwendung zu mehr Schrulligkeit im Sinne von Bands wie THE LORD WEIRD SLOUGH FEG, BROCAS HELM und natürlich MANILLA ROAD entschieden hat.

SMOULDER mit ihrer ersten Party-Nummer?

Damit stellen SMOULDER ihrem Publikum natürlich erstmal einen ziemlich dicken Stolperstein in den Weg und auch im weiteren Albumverlauf finden sich noch einige schräge Gesangslinien. Der Opener stellt aber in der Tat den Extremfall dar, so dass das restliche Material versöhnlicher stimmen dürfte. Für Überraschungen bleiben SMOULDER dennoch gut. Hat die Band mit „Shadow Of The Vulture“ etwa ihre erste Epic-Metal-Party-Hymne geschrieben? Der kultige „Blood, Fire, Death“-Refrain animiert jedenfalls umgehend zum lauten Mitgrölen und der stampfende Rhythmus geht gradewegs ins Genick. Ein weiterer Härtefall in Sachen Kauzentum offenbart sich danach mit dem teilweise auf Finnisch getexteten „Noitien Loitsu“, bei dem Sarah Ann die Wälder ihrer Wahlheimat besingt und erneut auf eine mindestens sehr eigene, etwas leiernde Gesangsdarbietung setzt. Allerdings lässt sich kaum verleugnen, dass das Stück unverschämt eingängig ist.

Auf der zweiten Albumhälfte besinnen sich SMOULDER dann wieder stärker auf ihre Ursprünge, denn es dominiert astreiner Epic Doom. Dabei ist „Crush The Neophytes“ recht wuchtig angelegt, während auf den Gitarren auch bei den folgenden Stücken immer wieder ein Hauch ritualistischen griechischen Black Metals mitschwing. Und am Ende des mitreißenden „Cathedral Of The Trees“ wird es sogar mal richtig nordisch rau. Hymnisch wird es zum Schluss nochmal mit „Smouldering Remains“. Auch hier machen die Gesangslinien in den Strophen ein paar wilde Schlenker, dafür versprüht der Chorus einen dezent psychedelischen 70s-Charme und unterstreicht den offeneren Ansatz des Albums.

Zwischen Experimentierfreude und bewusster Verschrobenheit

„Witch Wife In An Alien World“ ist ein mutiges, wenngleich auch manchmal etwas schwieriges Album. Man merkt SMOULDER an, dass ihnen die hier gespielte Musik ein persönliches Anliegen ist. Die intimeren, für Genre-Verhältnisse teils ungewöhnlich gesellschaftskritischen Texte sowie eine gewisse Experimentierfreude unterstreichen dies und auch der Titel des Albums scheint programmatisch für das Selbstverständnis von Fronterin Sarah Ann zu sein.

Grade mit manch gesanglichem Experiment schießt die Truppe aber auch etwas übers Ziel hinaus und sich selbst in den Fuß. Denn an diesen Stellen wirkt die Verschrobenheit, in die sich SMOULDER ganz bewusst reinlehnen, ein wenig zu gewollt. Abwechslungsreichtum sowie das gewohnt starke und bisweilen abenteuerliche Songwriting machen hier aber vieles wett, zumal SMOULDER-Fans eh keinen glattpolierten Edelstahl erwarten. Der Genuss des Albums hängt letztlich maßgeblich davon ab, wie gut man mit dem Gesangsstil klarkommt.

Lobenswert hervorgehoben sei zum Abschluss noch das Cover-Artwork. Das stammt diesmal nicht aus der Feder von Michael Whelan, sondern von Ian Miller, den man besonders durch seine Illustrationen für Warhammer und Magic: The Gathering kennt und der im metallischen Sektor bereits mit STORMKEEP und ULTHAR zusammengearbeitet hat. In jedem Fall ist „Witch Wife In An Alien World“ also wieder ein schöner Fall fürs Plattenregal.

02.10.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38787 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare