Aiumeen Basoa
Aiumeen Basoa

Interview

16 Jahre hat es gedauert, bis die baskischen Pagan-Progger AIUMEEN BASOA ihr erstes Album veröffentlichten. Jetzt ist "Iraganeko Bide Malkartsutik" draußen und überwältigt mit unglaublich gehaltvollen, abwechslungsreichen Songs. Im metal.de-Interview erzählt die Band von den Legenden ihrer Heimat, ihrem Kompositionsstil und von Instrumenten mit unaussprechlichen Namen.

Aiumeen BasoaHabt ihr euer Bandfoto wirklich am Meer aufgenommen oder wurde es mit dem Computer nachbearbeitet?

Nein, es gab keine Photoshoptricks. Das Bild wurde im Frühling aufgenommen, an einem Strand in der Nähe von Mutriku. Das ist eine Kleinstadt im Baskenland, wo wir zu Hause sind. Der Stand heißt „Saturraran“, das ist baskisch und bedeutet „Tal der Maulwürfe“. Das Licht bei Sonnenuntergang erzeugt eine magische Atmosphäre.
Wir wollten schon immer Bandfotos am Meer machen. Da wir in einer Kleinstadt an der Küste leben hat uns die See immer sehr inspririert.

Wie habt ihr neue Bandmitglieder gefunden, nachdem AIUMEEN BASOA Anfang der 00er-Jahre fast zerbrochen wäre?

Es war nicht sonderlich schwierig, den Keyboarder, den Violinisten und die Sängerin aufzutreiben. Unseren Keyboarder Ibai kannten wir von ILBELTZ. Das ist neben ADHUR und uns eine der drei baskischen Bands, die auf dem „Triarchy of Vasconia – Iluntasunaren Itzulera“-Splitalbum zu hören sind. Bevor die aktuelle Platte „Iraganeko Bide Malkartsutik“ herauskam, war das unsere einzige Veröffentlichung. Imanol, der jetziger Violinist, ist ein Freund von Ibai. Unsere Sängerin Oihane kennen wir seit der Kindheit. Es war ganz selbstverständlich, das wir sie fragten.
Am schwierigsten war es einen geeigneten Schlagzeuger zu finden. Wir haben es mir mehreren probiert, bevor wir Fory trafen. Nachdem wir endlich ein stabiles Line-Up hatten, mussten wir viel an den Songs arbeiten, um sie an die aktuelle Besetzung anzupassen. Nicht alle Bandmitglieder leben in Mutriku, deswegen war es schwierig, einen Probentermin zu finden.
Einer der Gründe dafür ist, dass wir alle keine Berufsmusiker sind, sondern normale Jobs haben. Einige von uns arbeiten als Musiklehrer. Mit der Band verdienen wir jedenfalls kein Geld.

Was ist für euch das Hauptcharakteristikum der baskischen Identiät?

Das ist wohl Euskara, die baskische Sprache. Sie ist älter als die indogermanischen Sprachen und man weiß nicht, woher sie stammt. Jedenfalls ist sie mit einem Alter von über 40.000 Jahren die älteste lebende Sprache in Europa.

Wie lässt sich baskische Volksmusik charakterisieren?

Sie ähnelt der keltischen Volksmusik, wie sie auf der ganzen Welt gespielt wird und besonders der kantabrischen Musik. Es sind kleine Unterschiede, die baskische Volksmusik so einzigartig machen: Der Wohlklang der baskischen Sprache und traditionelle Instrumente wie Alboka, Atabal und Txalaparta.
In Rhythmus und Melodie ähnelt sie zum Beispiel dem Irish Folk. Diese Ähnlichkeiten gehen auf vormittelalterliche Zeit zurück. Durch Migration hat sich die Musik dann im Laufe der Geschichte gewandelt.
Die baskische Volksmusik fließt ganz natürlich in den Sound von AIUMEEN BASOA ein. Ein Metalriff inspiriert uns zu einem sanfteren, folkigeren Teil und umgekehrt. Außerdem müssen die Riffs harmonisch und rhythmisch zusammenpassen.



Welche baskischen Instrumente verwendet ihr auf „Iraganeko Bide Malkartsutik“?

Das einzige traditionelle baskische Instrument, dass wir verwendet haben sind die Txalaparta. Das ist ein Schlaginstrument, dass aus Planken besteht, die auf ein Gerüst gelegt und von zwei Personen mit Holzschlägeln – genannt Makila – gespielt werden.
Das Instrument wird schon sehr lange zur Kommunikation über weite Strecken, zwischen den Tälern, benutzt. Wir haben auch ein weiteres Percussioninstrument aufgenommen: Das Pandero. Außerdem verwenden wir Violine, Akkordeon, Flöten, Oboe und natürlich die gewöhnlichen Bandinstrumente wie Bass und E-Gitarre.

Habt ihr über die 16 Jahre des Bandbestehens hinweg Songs für das neue Album geschrieben oder sind sie erst kürzlich komponiert worden?

Die ältesten Songs auf dem Album sind „Arlekiña (Aiumeen Basoa)“ und „Aintzinako guduen Oroimenak“. Sie stammen aus den späten 90ern und waren auf dem „Triarchy of vasconia – Iluntasunaren Itzulera“-Split enthalten. Die restlichen Songs sind jünger, aber alle wurden für das Album umgeschrieben und erneuert.

Wie kamt ihr auf die Idee, einen Jazzpart in den Song „Akelarrearen Sua“ einzubauen?

Unsere Songs entstehen durch jammen im Probenraum. Wir geben einem Song das, was er braucht und halten uns nicht an Songstrukturen aus dem Lehrbuch. Die Akkordfolge in diesem Song wirkte auf uns sehr offen, deswegen dachten wir: „Probieren wir mal was anderes aus.“ Es war wie eine Reise, die mit dem „Swing“-Teil endete, von dem du sprichst. Wir fanden, dass es großartig funktioniert, warum hätten wir es also nicht machen sollen? Es mag nicht dem „Folk Metal Standart“ entsprechen, aber wenn interessiert’s? Wir lieben IMMORTAL und die würden so etwas sicher nie machen. Aber wir sind nicht IMMORTAL.

Fehlt einigen Songs nicht ein gewisse Geschlossenheit und Einheit durch ihre Vielfältigkeit?

In Bezug auf Standard-Songstrukuren, sicherlich. Aber ich denke, ob unsere Musik den Hörern gefällt hängt von ihrem Geschmack und ihrer Offenheit für Neues ab. Alle Songs haben eine klare harmonische und rhythmische Struktur und jeder Song ist ein für sich stehendes Konzeptwerk, das viele verschiedene Zutaten und Teile enthält. Zusammen mit den Texten ergibt das eine Einheit. Unser Kompositionsstil ist symphonischer als Standard-Metal. Es denkt ja zum Beispiel auch niemand an fehlende Geschlossenheit und Einheit, wenn er Musik von J.S. Bach hört, nur weil sie viele verschiedene Teile und Elemente beinhaltet.

Ich schätze ihr hattet kein großes Budget für die Aufnahme des Albums zur Verfügung. Wie habt ihr diese hervorragende Soundqualität erreicht?

Unser Budget war so gering, dass Viele uns ausgelacht haben, als wir ihnen erzählten, dass wir mit so wenig Geld ein Album aufnehmen wollen. Wir hatten in unserem Probenraum schon einiges vorproduziert und Demos aufgenommen. Daher hatten wir eine genaue Vorstellung von dem Ergebnis, dass wir anstrebten. Wir buchten das Santos Studio, ein kleines aber gutes Studio in unserer Heimatstadt. Iñigo und Mikel, die beiden Brüder, denen das Studio gehört, haben großartige Arbeit geleistet und genau verstanden, was wir wollten. Das Mastering hat Dan Swansö (Anm. d. Red.: u.a. KATATONIA, BLOODBATH, THERION) übernommen und ich muss sagen: Er hat ganze Arbeit geleistet.

Eure Songtexte sind alle auf Baskisch. Um was geht es darin?

Es ist sehr wichtig für uns, Gefühle und Eindrücke in Musik und Texte umzuwandeln. Wir lassen uns von alten Legenden, Mythen und geschichtlichen Ereignissen inspirieren, die seit alter Zeit in der baskischen Sprache mündlich überliefert werden. Jeder Song erzählt eine eigene Geschichte.
„Kantauriko Trebainen Erruak“ („Kantabrischer Wirbewind“) basiert zum Beispiel auf historischen Ereignissen: An der kantabrischen Küste plünderten Strandräuber früher Schiffe, die sich verirrt hatten. An Tagen mit rauher See entzündeten sie Leuchtfeuer am Strand. Die Mannschaften der Schiffe hielten das Licht für Leuchttürme oder Hafenbeleuchtung. Wenn die Schiffe an den Felsen zerschellt waren, stahlen die Strandräuber alle Waren an Bord.
Ein anderes Beispiel ist „Akelarreko Sua“ („Akelarres Feuer“). „Akelarre“ ist ein zusammengesetztes Wort, das „Ziegenweide“ bedeutet. Es bezeichnete Versammlungen bei Mondlicht, um mit Mutter Natur zur Einheit zu verschmelzen. Der Text basiert auf diesen Ritualen und auf dem Kampf unserer Vorfahren gegen die katholische Inquisition.
„Jentil Odola“ („Jentil Blut“) ist eine freie Interpretation der Geschichte über das Verschwinden der Jentils. Das waren baskische Stämme, die dieses Land vor der Christianisierung bewohnten. Es gibt eine Legende, eine Art baskische Version des „Ragnarök“ (Anm. d. Red.: Götterdämmerung in der nordischen Mythologie). Sie erzählt von der Ankunft des Christentums und dem Tod der Jentils.
Andere Texte wie „Ekaitzaren Begitik“ („Aus dem Auge des Sturms“) haben einen poetischen und metaphorischen Stil.

Gibt es eine Metalszene im Baskenland?

Die baskische Metalszene ist zwar klein, doch sie ist gewachsen, seit wir 1994 unsere Band AIUMEEN BASOA gegründet haben. Immer mehr Bands veröffentlichen gutes Material. Zu empfehlen sind ILBELTZ, ADHUR, NUMEN, AESTHETIC, DARKNESS BY OATH und CEREBRAL EFFUSION.

15.06.2010

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