Chaostar
Interview mit Christos Antoniou

Interview

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Nachdem ich mich in meiner Review zur neuen Scheibe von CHAOSTAR namens „Anomima“ vor Begeisterung wahrlich überschlagen habe, konnte ich es kaum erwarten, Mastermind Christos höchst persönlich ein paar Fragen zu stellen. Herausgekommen ist ein gemütliches Pläuschchen über klassische Musik, Geduld und den Kampf gegen etablierte Institutionen.


Glückwünsche zu eurem neuen Album “Anomima”. Ich war davon die letzten Wochen absolut besessen. Wie haben die Leute bisher darauf reagiert?

Vielen Dank, das freut uns! Bisher waren die Reaktionen wirklich gut. Natürlich gibt es unterschiedliche Stimmen, und manche Leute sind CHAOSTAR gegenüber immer noch sehr skeptisch. Ich erkläre mir das so: “Anomima” ist einfach ein kompliziertes Album, außerdem ist es vom Vorgänger sehr verschieden. Daher bleiben manche dem neuen Material gegenüber etwas distanziert. Es ist keine einfache Musik und eher etwas für Feinschmecker. Es ist eine Art von Musik, bei der man Experimente wagt und verschieden Musikstile miteinander verschmelzen kann. Also ist es klar, dass es darauf die verschiedensten Reaktionen gibt. Uns war wichtig, dass “Anomima” die Hörer mit Freude und Zufriedenheit erfüllt. Außerdem ist die Tatsache, dass Magazine auf der ganzen Welt ihr Interesse an “Anomima” bekundet haben, eine große Ehre für uns.

Könntest du das Konzept erklären, das hinter “Anomima” steckt? In welchen Kontext dazu steht Hypatia, die im Booklet namentlich erwähnt wird?

“Anomima” bedeutet auf Griechisch so viel wie Sünde. In unserem Fall steht das Bild der Sünde für den immer währenden Kampf des Einzelnen gegen die vorherrschende Doktrin, gegen vorherrschende Ideen und Glaubensvorstellungen. Wir wollten mit diesem Album inspirieren. Deshalb ist “Anomima” so wichtig für die neue Ära von CHAOSTAR. So oft haben wir schon erfahren können, wie wichtig der Kampf eines Individuums für seine Überzeugung und Ideen sein kann. Manchmal kostet das einen zwar das Leben, aber diese Art von Widerstand kann die Geschichte verändern. So kann die Person, ob nun Mann oder Frau, die eine “Anomima” begeht, ganz allein eine drastische Wendung bewirken. So wurde zum Beispiel Giordano Bruno, ein genialer Kopf der damaligen Zeit, zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt, weil er Wissenschaft betrieben und so viele Wahrheiten aufgedeckt hat. Die Inquisition gab die vorherrschende Meinung vor und war die unbestrittene Macht. Wir verneigen uns vor jedem, der für Aufklärung und den Sieg der Wahrheit kämpft. Die Einstellung von Sokrates, ein Leben ohne Angst vor dem Tod zu führen, stammt von seiner schier endlosen Suche nach der Wahrheit. Hypatia ist dafür ein weiteres Beispiel. Eine geniale Frau, die sich der Astronomie und Wissenschaft verschrieben hat, führte ein Leben in Einsamkeit am Rande der Gesellschaft, wurde von religiösen Fanatikern getötet und verdammt, weil sie ihre Ansichten nie akzeptiert haben. Damals stand Hypatia für Frevel. Heute ist klar, warum sie zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Wissenschaft gezählt wird. Wenn du einen Eindruck davon bekommen möchtest, was sie geleistet hat, schau dir am besten den Film “Agora” an.

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Was kannst du uns über das grandiose Artwork erzählen? Von wem kommt es?

Die Schönheit des Artworks nimmt den Geist mit auf eine weite Reise. Es wurde vom französischen Künstler Valnoir (METASTAZIS) gestaltet, der zuvor schon mit MORBID ANGEL, AS I LAY DYING, ULVER und BLACK DAHLIA MURDER zusammengearbeitet hat. Wir wollten etwas völlig Neues für unser Comeback. Bilder, die eine Atmosphäre von Bedächtigkeit und Auferstehung entstehen lassen. Es ist düster und beeindruckend, ohne auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln. Ein feines Werk mit einem Hauch Melancholie. Es freut mich, dass es dir auch so gefällt.

 

Warum hat Androniki dieses Mal den größten Teil der Texte beigesteuert? Warum habt ihr so viele verschiedene Sprachen verwendet?

Androniki hat damit eine riesige Aufgabe zu bewältigen gehabt. Ich habe sie darum gebeten, das in Worte zu fassen, worum es bei “Anomima” geht. Sie ist diejenige, die den größten Bezug zu verschiedenen Sprachen und generell zur Literatur hat. Genau deshalb sollte sie das machen. Die Vielfalt der Sprachen soll nun aber nicht dazu da sein, um anzugeben. Dies war eher Teil eines Experiments. Ich wollte einfach sehen, inwiefern sich die Ergebnisse mit den verschiedenen Sprachen verändern und das Endergebnis hat mich absolut positiv überrascht. Dazu hat Androniki wegen ihrer klassischen Gesangsausbildung ein ohnehin gutes Verhältnis zu Sprachen. Also haben wir beschlossen, es einfach mal auszuprobieren. Klar haben wir Hilfe von Sprachlehrern gebraucht, um das ein oder andere genau übersetzen zu können oder um die richtige Aussprache der Texte zu finden. Das alles war schon eine große Herausforderung.

Ich habe gelesen, dass “Medea” ursprünglich als ganze Oper geplant war. Stimmt das? Warum ist es beim einzelnen Song geblieben?

Es ist so, dass “Medea” tatsächlich als ganze Oper gedacht war. Ich habe es dann aber doch vorgezogen, diese in vielen Gesichtspunkten anspruchsvolle Idee für einen anderen Zeitpunkt aufzuheben, wenn die Umstände günstiger sind, um eine Oper zu schreiben. Nicht, dass ich sie nicht vollenden könnte. Ich glaube, dass ich in der Zukunft ausgereiftere und wagemutigere Ansätze für “Medea” haben werde. Manchmal hebt man sich gern etwas für später auf, denn du weißt, dass das Ergebnis dich umso mehr zufrieden stellt, wenn man den Dingen erst einmal Raum gibt.

 

“L’Ideé Fixe“ ist ein herausragender Song, da er es schafft, das Album in sich zu vereinen und trotzdem eigenständig zu bleiben. Gibt es einen speziellen Grund für diesen Song?

“L’Ideé Fixe“ ist in der Tat eine Mischung des ganzen Albums. Der eigentliche Begriff “L’Ideé Fixe“ stammt aus der klassischen Musik, wo es ein Stück gibt, das in sich Teile der vorherigen Kompositionen in sich vereint.

 

Sowohl “Misery’s King“ als auch “Canticles“ gab es schon auf früheren Alben von CHAOSTAR. Warum tauchen sie auch auf “Anomima“ wieder auf? Besonders “Canticles“ scheint dabei eine Art Phönix zu sein, da der Song schon auf “Threnody“, “Underworld“, und jetzt auf “Anomima“ zu hören ist, gleichzeitig aber immer frisch bleibt. Warum gerade diese beiden Songs?

Die beiden Songs sind die sowohl Lieblinge des Publikums als auch meine. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich meine aktuellen Stücke nicht lieben würde, aber es lohnt sich immer, weiter und weiter an ihnen zu arbeiten…

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Wann können wir euch live in Deutschland bewundern?

In genau dem Moment, indem ihr uns sagt, dass wir kommen sollen. Sieh uns dann quasi schon als anwesend an. Der deutsche Markt ist eine große Herausforderung für uns. Ich weiß, dass es in Deutschland viele Möglichkeiten gibt, Kunst, Musik und Filme zu erleben und grundsätzlich ist es recht schwer, hier Anerkennung zu bekommen. Das hält mich natürlich keineswegs davon ab, im Gegenteil. Es spornt mich an, noch bessere Alben zu machen.

 

Du werkelst bei DEVILWORX, CHAOSTAR und SEPTICFLESH. Dazu komponierst du noch für andere Bands. Gibt es noch etwas, was du als Musiker unbedingt erreichen willst?

Ich stehe noch ganz am Anfang und habe das Gefühl, dass ich noch so viel durch meine Musik zu geben habe. Ich habe so viel im Kopf. Aber man sollte immer Schritt für Schritt vorwärts gehen, denn all das braucht Zeit und man muss sich auf seine Aufgaben konzentrieren. Ich stehe grade in Verhandlungen, um nächstes Jahr eines meiner neoklassischen Werke in einer großen Konzerthalle aufführen zu können. Vermutlich findet das nächsten Frühling statt. Aber auch Filme und Dokumentationen stehen auf meiner Liste.

 

Wenn du kein Komponist geworden wärst, was wärst du heute? Was war dein Traumberuf als Kind?
Ich wäre trotzdem Komponist geworden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.

 

Vielen Dank für das tolle Interview! Gibt es etwas, das du unseren Lesern gerne sagen würdest?
Danke vielmals für das Interview. Es war mir ein Vergnügen, meine Gedanken mit dir zu teilen. Wir grüßen all unsere Fans in Deutschland und würden euch gern bei einem Auftritt von CHAOSTAR treffen.

09.07.2013

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