Cripper
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Interview

CRIPPER aus Hannover gelten als Wegbereiter einer ganz neuen Thrash-Bewegung und konnten mit ihren bisherigen Veröffentlichungen sowohl Fans als auch die Presse überzeugen. Die Band stand uns zur Verfügung, um etwas über die vergangenen Monate zu plaudern.

CripperEuer Album „Freak Inside“ ist ja letztens über einen größeren Vertrieb wiederveröffentlicht worden. Ein Label habt ihr aber irgendwie immer noch nicht, obwohl es im Gespräch war. Woran ist es gescheitert?

Britta: Ja, unser Debüt steht nun endlich seit Oktober in den Läden. Und eigentlich sind wir ganz froh, dass wir das auch ohne Label hinbekommen haben, so nehmen wir selber die Position des Labels ein und geben die Zügel an keiner Stelle aus der Hand. Das lässt selbst Kontrollfreaks wie uns ruhig schlafen. Mit SAOL („Service for Artist owned Labels“) haben wir da einen Partner gefunden, der sehr gut zu uns passt. Dass es mit dem ursprünglichen Label nicht geklappt hat, liegt daran, dass es sich quasi in einer Neugründungsphase befand und sich flugs dabei wieder aufgelöst hat. Ganz schön verwirrend alles, aber im Nachhinein betrachtet hat uns das auch nicht zurück geworfen.

Bis auf „Black Terra“ ist auf „Freak Inside“ ja alles beim alten geblieben. Wie waren denn die Resonanzen seitens Presse und Fans auf das wiederveröffentlichte Album?

Britta: Stimmt, „Black Terra“ stammt ja ursprünglich vom Demo „Killer Escort Service“, den haben wir extra noch mal neu aufgenommen und quasi rüber gerettet.

Dennis: Außerdem ist aber noch der Videoclip zu „Shortcut“ als Datentrack mit drauf. Das war die Diplomarbeit von Jonathan und ist ein echt geiles Video geworden.

Britta: Die Presse hat durchweg positiv reagiert. Das freut uns natürlich sehr! Klar gab es Kritikpunkte und zwischendrin auch 1-2 Reviewer, denen das Album nicht zusagte. Anfangs ist das schon n komisches Gefühl, wenn da plötzlich fremde Leute die eigene Arbeit bewerten und auseinanderklamüsern…aber man gewöhnt sich schnell dran.

Christian: Der Bestand unserer Erstauflage des Albums ging zur Neige, wir hatten fast alle CDs in Eigenregie unter’s Volk gebracht. Pünktlich zur Nachpressung kam uns die Zusammenarbeit mit SAOL und der europaweite Vertrieb über H’Art gerade zur rechten Zeit. Und der zusätzliche Track und der aufwendige Videoclip sind `n dicker Bonus für die Scheiblette.

Beeindruckend ist in jedem Fall, dass ihr, obwohl ihr kein Label habt, qualitativ hochwertige Veröffentlichungen unters Volk haut, die eine Band mit Deal nicht besser machen könnte. Geht ihr mit dieser Prämisse auch an ein Album heran?

Britta: Keine Ahnung, wir hatten ja noch nie n Label, also kennen wir es nicht anders… Ich wüsste jetzt auch auf Anhieb nicht, wie sich das positiv auf die Musik auswirken könnte, wenn wir in unserem Status n Label hätten. Klar, wenn man in einer sehr erfolgreichen bzw. gehypten Band spielt fallen die Vorschüsse vielleicht höher aus und man kann sich n besseres Studio, nen Masseur und mehr Equipment leisten. Auf der anderen Seite erzeugt das aber auch einen höheren Erwartungs- und Zeitdruck, den wir überhaupt nicht haben – außer wir machen ihn uns selbst. Wir verprassen schön unsere eigenen Penunsen und müssen uns so von niemandem drein reden lassen.

Dennis: Ich seh da auch keinen Zusammenhang. Da der „Freak…“ ja auch erst unser erstes richtiges Album ist, gibt´s für uns auch noch keinen etablierten, durch Erfahrungen gewachsenen Weg, an ein Album ranzugehen. Wir versuchen halt, das Beste zu machen was uns möglich ist, ohne uns dabei in nutzlose Details zu verbeißen. Insofern ist das Ziel, ein möglichst gutes Album zu machen. Aber das sollten ja hoffentlich alle Bands so sehen.

Euer Artwork überzeugte schon auf „Killer Escort Service“, „Freak Inside“ legt die Messlatte noch ein wenig höher. Wer ist denn für diese coolen Kreationen verantwortlich?

Britta: Danke! Das Artwork ist (wie eigentlich alles was wir so machen) komplett auf unserem Mist gewachsen. Wir haben außerdem das Glück, mit Christian und Jonathan gleich zwei diplomierte Grafiker in der Band zu haben. Im Falle der „Freak Inside“ war es so, dass wir erst alle gemeinsam das Konzept gestrickt haben und dann in einer nächtlichen Bastelrunde bei mir im Wohnzimmer saßen und den kleinen Freak (den wir übrigens „Herr Paschulke“ nennen) samt Butze erschufen. Nach gefühlten 1 Mio. Fotos hatten wir dann genug Material, das Jonathan und Christian zum jetzigen Artwork verwursten konnten.

Christian: Mut zum Spam: Jonathan (www.MurkyWaters.de) und ich (www.CrudeART.de) gestalten auch für Euch und verhuren uns gern auf Anfrage.

Dennis: Und so ist es uns auch möglich, u.a. CD-Artworks als Teil unseres Bandschaffens und kreativen Outputs zu sehen. Der Albumtitel, die Idee zum Artwork und viele Detailideen sind durch gemeinsame Arbeit entstanden, die Umsetzung liegt auch komplett in der Band. So hat man nicht das Problem, einem externen Grafiker erklären zu müssen, was man sich vorstellt, und es kann viel mehr Zusammenhänge zwischen Artwork und Musik geben, als man sich so vorstellt.

„Freak Inside“ beinhaltet ja haufenweise astreiner Thrash-Killer. Ganz besonders wissen
„Sun;Colour:Black“, „Fire Walk With Me“, “60bpm” und “Strike The Force” zu gefallen. Habt ihr selbst auch Favoriten oder liebt ihr eure Stücke allesamt gleich?

Dennis: Ich denke, jeder hat so seine Lieblingssongs und auch welche, die er mittlerweile nicht mehr so super findet. In dem Moment wo ein Song fertig gemastert ist, ändert er sich ja nicht mehr, man selbst und damit seine Hör- und Schreibgewohnheiten aber schon. Dazu kommt dann noch, dass sich ein Song als Interpret natürlich ganz anders anfühlt als für Zuhörer. Es gibt halt Dinger, die machen einfach tierisch Spaß sie zu spielen, für mich z.B. „Vicious Condition“ oder „Attention Deficit“.

Bass-T: Für mich ist „Attention Deficit“ live ein Riesenspaß, da ich da am meisten moshen kann, wobei „Fire Walk With Me“ immer der Absolute Publikums Liebling ist, Britta versucht da immer ihren eigenen Crowdsurf Rekord zu brechen.

Würdet ihr im Nachhinein an „Freak Inside“ etwas ändern?

Britta: Nee, ich denke nicht. Hinterher denkt man immer: „ah, hier noch was“ und „Mist, da hätte man noch…“ Aber letztendlich reift man durch die Erfahrungen und lernt dazu. Die Ergebnisse schlagen sich dann im nächsten Album nieder, da könnt ihr euch schon mal auf was gefasst machen…

Dennis: Das meinte ich eben auch, als ich erwähnte man dürfe sich nicht verbeißen. Irgendwann ist ein Song oder halt ein ganzes Album halt fertig und die Arbeit wird in etwas neues gesteckt. Was tatsächlich passiert ist, dass wir einige Songs live etwas abwandeln weil wir da etwas Abwechslung für die Zuhörer einbauen wollen, oder denken dass man für die Livepräsentation noch andere Spannungsbögen funktionieren könnten. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Albumversion als solche nicht mehr akzeptieren würden, ganz im Gegenteil.

Christian: Würde man das Vorliegende nie akzeptieren, dürfte man das Material ja niemals vorstellen und / oder veröffentlichen. Wir sind da schon kräftig am schrauben und sieben, bis alle Bandmates mit dem jeweiligen Song warm geworden sind und er als fertig gilt. Metal sollte man meiner Meinung aber nicht tot komponieren…Das vermindert den Rock’n’Roll – Flair und frustriert nur unnötig während des Arbeitsprozesses.

Bass-T: Ein fertig aufgenommener Song ist immer so eine Art Momentaufnahme. Wie ein Foto, das Motiv einwickelt sich ja auch ständig weiter, auch wenn man es manchmal von außen nicht so wahrnimmt.

Wie geht ihr eigentlich ans komponieren einer Platte heran? Gibt es einen kreativen Kopf in der Band, der die Richtung vorgibt oder ist es eine richtige Gemeinschaftsarbeit?

Christian: Generell haut jeder seine Meinung in die Runde und es wird gemeinschaftlich am Songmaterial gefeilt. Zu Anfang eines neuen Stückes stehen oft ein bis drei Riffs, geben die Richtung vor oder bilden zumindest eine Grundlage der Kommunikation. Dann werden fünf Nasen rein gesteckt und alles zerfleddert. Die späteren Albumtracks entstehen also recht klassisch im Bandraum und halten die Proben zusätzlich spannend.

Britta, wie ist es für dich mit deiner Band einen Stil zu spielen, der eigentlich von der Männerwelt dominiert ist? Und wie kam es dazu, dass du dich für diese Art von Gesang entschieden hast?

Britta: Naja, ich kann ja nix dafür, dass es mehr männliche aktive Thrashmusiker gibt als weibliche…:-) Insofern interessiert mich das nicht wirklich. Diese Sichtweise wird eher von Außen an uns bzw. mich heran getragen. Ich hab mich auch nicht aktiv für diese Art von Gesang entschieden, das war irgendwie einfach so. Ich hatte Lust dazu, dann hab ich’s gemacht. Was wir alle von der menschlichen Seite für Glück gehabt haben, in dieser Konstellation zusammen zu treffen, ist im Nachhinein eigentlich unglaublich. Das passt wie Arsch auf Eimer, das kann man echt nicht als selbstverständlich hinnehmen… Außer den beiden Gitarristen kannten wir uns alle vor der Bandgründung nicht, mittlerweile sind wir ne Familie geworden. Klingt kitschig, aber so ist es.

Christian: Kitsch Metal, wie? Klingt nich übel…

Wie reagiert das Publikum in der Regel, wenn du als wilder Brüllwürfel über die Bühne hechtest?

Britta: Im besten Fall sind die Leute im Publikum genau so moshwütig und agil wie wir auf der Bühne. Wir können einfach nicht anders als uns auf der Bühne richtig auszutoben – Bands die zu ihrer eigenen (sofern energiegeladenen) Mucke nicht abgehen, sind mir sowieso suspekt…außer OPETH *lol*

Und wie bist du eigentlich zu dem Spitznamen „Elchkuh“ gekommen? An deiner Statur kann es wohl kaum liegen!

Britta: Das hab ich dem Ewald zu verdanken („Evil Ewald“, Drummer bei HATRED). Auf unserer ersten Triple-Thrash-Treat-Tour 2007 sagte er in die Runde „Die Bridda, die röhrt wi a Hirsch“ und irgend einer aus der Frankenbande entgegnete „Aber di is doch a Frau“ und Ewald widerum “ Na dann ebe a Elchkuh“…

Dennis: Denn der Tierfreund weiß: Es gibt keine weiblichen Hirsche.

Der Triple-Thrash-Treat, der euch zusammen mit LOST WORLD ORDER und HATRED in verschiedene Städte brachte, liegt nun ein paar Tage zurück. Wie ist euer Résumé dazu?

Christian: Bereits im Vorjahr (TTT Part1) kampferprobt, hat’s wieder mal mächtig Spaß gemacht, mit diesen 14 Leutz (plus Aushilfen) der drei Truppen in halb Deutschland rumzugrätschen. Die Meute is oberaffentittengeil. Aber nicht nur menschlich und in Party-Hinsicht hatten wir Spaß inne Backen. Die erschienenen Gäste wissen eh bescheid. Und alle Heimgebliebenen sind doof. So.

Bass-T: Genau. Alle selber schuld. 😉 Boa, wir hatten alle richtig Spaß und sind teilweise auch noch kopftechnisch auf Tour. Erst neulich waren wir beim Winterbreath um mit HATRED ihre Dubai Desert Rock-Annahme zu feiern, als ich kurz vor deren Auftritt Bacchus fragte, in welcher Reinfolge wir denn heute spielen….darauf gabs dann gleich ein Bier. 😉

Wann können wir denn mit einem neuen Album aus dem Hause CRIPPER rechnen? Stehen schon die ersten Songs bereit?

Dennis: Es sind sogar schon fast alle Songs fertig. Wir sind dabei die letzten Dinger zu schreiben, an einigen Songs wird noch etwas geschliffen, dann kanns auch schon losgehen mit dem nächsten Studioaufenthalt. Wir hoffen mal, das nächste Album zu den Festivals 2009 mitnehmen zu können.

Habt ihr gute Vorsätze für das neue Jahr? Wenn ja, lasst ihr uns daran teilhaben?

Christian: In Kackapoo rocken.

Bass-T: Noch Artiger sein, der Weinnachtsmann hat uns dieses Jahr wieder keine Welttournee geschenkt. 😉

Dennis: Ich mag sowas nicht. Die meisten Sachen die ich mir vornehme klappen aus irgendwelchen Gründen sowieso nicht so, wie ich mir das vorgestellt hab. Also lieber einfach machen.

Galerie mit 20 Bildern: Cripper - Metal Diver Festival 2018
11.01.2009

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