End Of Green
End Of Green sprechen über die letzte Nacht auf Erden

Interview

Von nicht Wenigen sehnlichst erwartet erscheint dieser Tage das neue Album der Jungs aus Stuttgart. Wenn man dem ersten Eindruck trauen kann, sind sich End of Green treu geblieben, ohne eine zweite „Songs for a dying world“ einzuspielen. Zeit für ein paar Fragen zum neuen Album und die Erkenntnis, das Wein besser schmeckt als Bier.

End Of Green

Hallo Michael. Wie üblich würde ich dich zu Anfang bitten kurz darauf einzugehen, wer ihr seid und woher ihr kommt.

Wir sind die Tanzkapelle End of Green aus Schwabistan, wie unser Sänger Michelle zu sagen pflegt. Genauer: End of Green aus Göppingen bzw. Stuttgart.

Als die Band Anfang der Neunziger als Rock Band gegründet wurde, hatte der damalige Sound wohl wenig mit dem heutigen Sound zu tun – dennoch blieb der Name End of Green erhalten. Was steckt hinter dem Namen ?

Ich denke nicht einmal, dass wir uns so sehr von unserem Anfangssound entfernt haben. Verfeinert und entwickelt, würde ich mal sagen. Hinter dem Namen steht hauptsächlich, dass „Grün“ die Farbe der Hoffnung ist und wir uns im Endbereich bewegen. Aber der Volksmund sagt ja glücklicherweise, dass die Hoffnung zuletzt stirbt.

Um noch ein bischen in der Vergangenheit zu bleiben; ihr hattet einen Vertrag mit dem heute wohl größten Label für Metal, Nuclear Blast, aber seid bereits nach dem ersten Album wieder getrennte Wege gegangen. Was war los ? Wurden eure Erwartungen an das Label nicht erfüllt ?

Eher umgekehrt würde ich sagen. Ich glaube, wir waren damals einfach noch zu jung für so ein großes Label. Wir mussten uns obendrein auch ständig zwischen beinharten Black- und Deathmetal Bands positionieren. Das kann nicht gut gehen. Die Trennung verlief damals aber im Guten. Wir haben heute noch guten Kontakt zu den Blast’lern …. sie wohnen ja auch nebenan. Wir profitieren auch heute noch davon, dass Nuclear Blast unsere Debüt Platte einem sehr großen Publikum zugänglich gemacht hat.

Momentan seid ihr bei Silverdust untergekommen, mit denen die Zusammenarbeit offensichtlich sehr fruchtbar ist. Seid ihr zufrieden damit, wie es für euch läuft ? Lieber eine große Band bei einem kleinen Label, als eine kleine Band bei einem großen Label ?

Über Silverdust können wir uns wahrlich nicht beklagen. Sie verstehen unsere Musik, wissen einigermaßen, wie wir funktionieren und unterstützen uns mit aller Kraft. Da ist es dann recht egal, wie groß und sonstwas das Label ist. Wenn diese Grundvoraussetzungen nicht gegeben sind, dann braucht man es gar nicht erst versuchen. Wir sind voll und ganz zufrieden mit Silverdust und sie hoffentlich auch mit uns.

Ein klarer Pluspunkt für Silverdust Bands ist die enge Beziehung zum sich enorm erfolgreich entwickelnden Summer Breeze Festival. Nicht nur das ihr einen Startplatz nahezu sicher habt, ihr könnt auch mit der Positionierung im Billing wahrscheinlich sehr zufrieden sein. Freut ihr euch ungeingeschränkt darüber, oder ärgert es euch auch mal, wenn euch vorgeworfen wird, das ihr diese Position zu einem großen Teil eurer Labelzugehörigkeit verdankt ?

Ob Du’s glaubst oder nicht, wir haben schon auf dem Summer Breeze Festival gespielt, als wir noch gar nicht bei Silverdust unter Vertrag waren. Sicherlich spielen wir heuer das dritte Mal in Folge, aber ein SB-Freiabo, haben wir beileibe nicht. Im Gegenteil, wir mussten uns das mit hartem Sex erarbeiten. Vorwürfe hab ich erst einmal gelesen, die aber mit den Worten, wir seien ja glücklicherweise nicht scheisse, revidiert wurden. Und wer uns dann doch so grausig finden sollte, kann unsere Spielzeit ja prima dazu nutzen, mal auszutreten, Bier zu holen und Deo aufzufrischen. Ist doch auch ein guter Service, oder?

End Of Green

Was haltet ihr grundsätzlich von Festivals ? Spielt ihr gerne auf großen Festivals ? Eure Auftritte wirken manchmal etwas zurückhaltend (ich denke da u.a. an das Summer Breeze 2001).

Ich mag Festivals sehr. Unsere Zurückhaltung liegt eher darin, dass wir grundsätzlich keine Band sind, die den dicken Max auf der Bühne markiert. Michelle stellt sich nicht ans Mikro und schreit „Hallo, Motherfuckers are you fucking with us Wir sind fucking end of fucking green and the next song is death in fucking veins, yeah motherfuckers. Show me your tits.“ Das ist nicht unsere Baustelle, so sind wir nicht. Unsere Musik ist recht intim, das ändert sich auch nicht, wenn plötzlich tausende von Leuten dastehen…. „death in veins“, bleibt „death in veins“. Der einzige Unterschied ist, dass wir längere Gitarrenkabel brauchen, weil die Bühnen so groß sind … und dass so viele Menschen auf einem Fleck verdammt beeindruckend sind.

Wie empfindet ihr die Festivals von der Fan-Perspektive aus ? Macht es euch Spaß Festivals als Zuschauer zu besuchen oder verschwindet ihr nach eurem Auftritt möglichst schnell wieder ?

Wenn wir zum nächsten Konzert weitermüssen, dann hauen wir klar ab. Ansonsten will ich mir Festivals aber immer anschauen. Ist doch perfekt: Wir müssen keinen Eintritt bezahlen, können ein paar Bands anschauen, bekommen Getränke und können Leute kennenlernen oder mit alten Freunden reden. Wer da heimfährt, ist selbst schuld. Wir sind ja nicht bei der Arbeit und rufen nach dem Konzert „Feierabend“.

Zurück zu eurer Musik – wie sind die Monate seid der Veröffentlichung von „Songs for a dying World“ für euch verlaufen ? Ist die Scheibe ein Erfolg für euch geworden ?

Ein persönlicher Erfolg auf alle Fälle, die wirtschaftliche Seite muss Silverdust beurteilen. Ich finde, dass „Songs For A Dying World“ uns sehr viele Türen geöffnet hat. Wir haben sehr viele Konzerte gespielt und uns endlich wieder bei all den Leuten melden können, die uns sehr lange unterstützt und zu uns gehalten haben.

Eure neue Scheibe – „Last night on earth“ – wird in den nächsten Tagen (26.Mai 2003) veröffentlicht. Ich nehme an ihr habt eine Menge Arbeit in die Songs gesteckt und seid jetzt entsprechend gespannt, wie das Album aufgenommen wird ?

Die Spannung ist immens. Hört sich blöd an, aber irgendwie ist es, als ob man den Freunden sein Baby vorstellt. Und das letzte was Eltern hören wollen ist wohl: „Die Kleine sieht aber ganz schön dämlich aus“. Die bisherigen Reaktionen waren durchaus positiv. Jetzt hoffen wir einfach mal, dass nicht nur wir mit der Platte zufrieden sind. Das wäre vermutlich etwas merkwürdig.

„Last night on earth“ klingt immernoch nach End of Green – ganz klar. Trotzdem ist die neue CD meiner Meinung nach nicht wirklich mit dem Vorgänger zu vergleichen. Ihr zeigt anno 2003 wesentlich mehr Härte und verzichtet eher auf die melancholisch ruhigeren Parts wie mir scheint. Ist der Sound auf „Last night on earth“ die zwingende Weiterentwicklung von End of Green, oder ist die rauhere Gangart durch äussere Einflüsse unterstützt worden ? Schließlich gibt es sowohl national, als auch international in letzter Zeit verstärkt Gründe sich mächtig aufzuregen.

Ich denke, „songs for a dying world“ war auf eine andere Art aggressiv. Es würde aberauch keinen Sinn machen, krampfhaft zu versuchen „Songs Part 2“ einzuspielen. Wir haben uns – eigentlich wie immer – von unserer persönlichen Stimmung leiten lassen. Dass da gewisse irdische Witterungserscheinungen dazu beitragen ist unumgänglich. Es war aber nicht so, dass wir hier eine politische Hassplatte machen wolllten. Unser Motor ist und bleibt persönliches Missmanagement. Protestsongs sind nicht unsere Art. Es ist durchaus möglich, dass unsere nächste Platte wieder wesentlich ruhiger wird. Schaun mer mal, wie sich unsere Stimmung einpendelt. „Last Night On Earth“ ist aber definitiv eine Platte geworden, die einem an den Hals geht.

Würdest du dich eher als informiert/interessiert bezeichnen, oder lässt du das Weltgeschehen einfach so an dir vorbeiziehen ? Viele Menschen scheinen momentan dazu überzugehen gewisse Vorgänge zu ignorieren, um ihre Ruhe zu haben, während andere sich verstärkt informieren und nicht verstehen können, wie man das alles einfach ausblenden kann. Wo würdest du dich einordnen ?

Happenings wie der 11. September, die Achse des Bösen oder der Irak-Krieg lassen einen zwangsläufig zum Zyniker werden. Die vergangenen eineinhalb Jahre waren geradezu bizarr, oder? Mein Interesse für Weltpolitik schwankte ständig zwischen blanker Wut, Entsetzen und Galgenhumor. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob man solche Dinge übersehen oder überhören kann. Ich möchte für mich persönlich einfach nur sicherstellen, dass ich so viel Informationen wie möglich habe, um mir ein Bild machen zu können. Ob das dann letztendlich etwas nützt, weiss ich nicht …. Was Politaktivismus angeht, denke ich aber, dass Bands da prinzipiell nicht die optimalen Ansprechpartner sind.

Wenn ich mich nicht irre, ist auf eurer neuen CD kein Cover Song mehr zu finden. Wolltet ihr diesesmal kein Cover mehr auf der CD haben, oder hattet ihr zuviel eigenes Material, das ihr vorgezogen habt ?

Manchmal wünsche ich mir, wir hätten das nie gemacht, ehrlich. „Black No.1“ war damals nur auf unserem Album, weil wir dachten der Tribute-Sampler, für den wir das Lied aufgenommen haben, würde nie erscheinen. Prinzipiell ziehe ich eigene Lieder immer denen vor, die andere Bands geschrieben haben, zumindest wenn es um eine Platte von uns geht. Wir haben bei „last night on earth“ zu keinem Zeitpunkt überlegt, ob wir irgendwas covern sollen. Wozu auch?

End Of Green

Wie waren eigentlich die Reaktionen auf das „Black No.1“ Cover ? Ich habe eher gespaltene Meinungen gehört – manche fanden es ganz toll, andere fanden es eher unnötig, da ihr keine eigene Version eingespielt hattet und eure Kopie das Original nicht erreicht.

Die Reaktionen waren durchweg gespalten, da hast du recht. Wie gesagt, manchmal wünsche ich mir, wir hätten das Lied nie aufgenommen

Welcher Song des neuen Albums liegt dir persönlich am Besten, bzw. was wäre dein Anspieltipp und warum ?

Das kann ich dir selbst bei bestem Willen nicht sagen. „Tragedy Insane“? „evergreen“? „Melanchoholic“? „demons“? „emptiness/lost control“? „tormented sundown“? „queen of my dreams“? „dying in moments“ oder vielleicht „highway 69“? … ich mag sie alle, unsere Kinder.

Was steckt hinter dem Cover – warum diese etwas verwitterte Hand ?

Nun ja, ihr ist schon ein Finger abgefallen. Vermutlich wartet diese Hand schon zu lange auf jemanden, der sie festhält.

Was steht bei euch in nächster Zeit so an ? Ende Mai findet afair die Releaseparty in der Röhre (Stuttgart) statt. Wie sieht es danach mit Liveauftritten oder gar einer Tour aus ?

Wir werden im Sommer jedes Festival beackern, das bei „Drei“ nicht die Tür zuschließt und dann geht’s im Herbst endlich mit unseren „dicken“ Freunden von Undertow auf Deutschland-Tour. Zwischendrin werden wir eventuell noch als Support für eine, äh, Band, die aus, äh, kommt … auf Kurztour gehen und so… aber wenn ich sage, wie die Band heißt, bevor das offiziell ist, dann versohlen mir Silverdust den Arsch.

Ist schon abzusehen in welche Richtung das nächste End of Green Album gehen wird ?

Vielleicht wird es die traurigste Platte der Welt, vielleicht die brutalste oder vielleicht die schönste. Keine Ahnung, wir haben uns damit noch überhaupt gar nicht auseinandergesetzt. Jetzt lass doch erstmal „last night on earth“ in die Plattenläden kommen. Hast du denn keine Geduld? Wir sind doch keine Gebährmaschinen. Du Sklaventeiber, du Ausbeuter……

Ok, das war’s auch schon wieder – die letzten Worte gehören dir. Vielleicht sieht man sich auf dem diesjährigen Summer Breeze. Dabei fällt mir ein – was für ein Bier bevorzugt man eigentlich als anständiger Stuttgarter ? 😉

Auch wenn die anderen das jetzt gar nicht verstehen können: Bier mag ich überhaupt nicht. Schmeckt nach Getreidekauen und man muss ständig ins Gebüsch. Für mich muss es Wein sein, gerne rot aber gerne auch weiss und bitte immer gut. Wer Cola reinschüttet wird mit einem Universalfluch belegt. Ich sag jetzt den großen Satz aller Bierverächter: „Schmeckt doch eh alles gleich“. Weißt Du eigentlich wie schwer das ist, in einer Rockband zu spielen und Wein beim Konzert zu bekommen? Man wird förmlich mit Bierkästen beworfen, aber wenn man nach einer Flasche Wein fragt, wird sofort die Sexualität in Frage gestellt. Wenn wir schon dabei sind: Sekt auf Eis ist der Kracher.

Mein aufrichtiges Mitleid ist dir sicher – es ist übrigends nicht wesentlich leichter eine Tasse Kaffee auf einem Konzert zu bekommen *sigh*. Vielen Dank, das du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten.

Galerie mit 22 Bildern: End of Green - Void Estate Tour 2017
01.06.2003

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