End Of Green
"Listening-Session zum neuen END OF GREEN-Album "The Sick's Sense""

Special

Ein Foto der Autobahnpolizei und einen demolierten Wagen als Ergebnis der Chaos Nacht zum 1. Mai bildeten die Eckdaten der Listening Session zu der die Herren von END OF GREEN ins Weltraum Studio nach München geladen hatten. Also eigentlich ein Tag, den man getrost unter der Rubrik „das hätte man sich auch sparen können“ verbuchen könnte. Wäre dazwischen nicht ein kleines Meisterwerk vertonter Eigenwilligkeit mit dem bedeutungsschwangeren Titel „The Sick’s Sense gelegen“, welches uns die wiedererstarkten Jungs aus Stuttgart Rock City zu präsentieren hatten.

End Of Green

In Form gebracht wurde „The Sick’s Sense“ von Corni Bartels, der während den gut vier Wochen Studioaufenthalt sichtlich vom Produzenten zum ehrlichen Ideengeber, Freund und nach Aussagen der Band sogar zum Seelenverwandten mutiert ist. Was im ersten Moment durch den eher poppigen Hintergrund Bartels als ungewöhnlich anmutet, manifestiert sich letztendlich in seiner Gesamtheit zu einem wuchtigen Rockmanifest der Superlative.

Der Vorgänger „Dead End Dreaming“ ist im direkten Vergleich und auf seine Weise ähnlich stark, obliegt jedoch bei genauerer Betrachtung den inszenierten Zwängen der Hochglanz-Gothic-Kultur. „The Sick’s Sense“ ist ein Ausbruch aus dieser Wiederholungsfalle, wie er geradliniger nicht hätte ausfallen können. Gelöst von einer diktierten Inszenierung, bestimmt von den Tragödien des Lebens setzen END OF GREEN abseits der geteerten Pisten mit ihrem sechsten Album zum Überholen an.

Aber nun genug der Worte. Sprechen sollen die Songs des am 22. August über Silverdust Records erscheinenden Albums. An dieser Stelle sein noch angemerkt, dass es sich bei den Titeln noch größtenteils um Arbeitstitel handelt und auch die Reihenfolge ist noch nicht endgültig. Zudem wird es als Bonus-CD eine Akustik-Session geben, die praktisch unverhüllt im „Stuhlkreis“ entstanden ist.

Killhoney:

Den Auftakt macht eine frische, lebensbejahende Rocknummer im uptempo Bereich, dessen Herzschlag von gekonnt inszenierten Breaks bestimmt wird.
Welcome Back!

Dead City Lights:

Noch wilder wird es im Blitzlicht der Großstadtlichter. Dead City Lights ist der erste Song der nach dem letzten Album entstanden ist und wirkt fast wie ein Befreiungsschlag. Sehr rifforientiert und gar mit einer leichter Thrash Attitüde kracht das Stück roh und ungewohnt metallisch aus den Boxen. Ein sehr erwachsenes Tondokument.

My Crying Veins:

Eine Nummer, eher typisch für die Band und zunächst in ruhigen Fahrwassern gehalten, spielt sich dieser noch aus „Uhrzeiten“ überlieferte und neu gefasste Song zu einer erstklassigen Rocknummer auf, der in meinen Ohren gar Reminiszenzen an PLACEBO weckt.

Hurter:

Was der Arbeitstitel schon vermuten lässt, bestätigt das Gehörte. Die von CASH interpretierte „NINE INCH NAILS“ Nummer „Hurt“ hinterlässt anfänglich deutliche Spuren im Song und mündest schließlich in einer eigenständigen, dunklen Walze wuchtiger Rockmusik, geprägt durch das Gitarrentrio.

Die Lover Die:

Dieser Song ist eine schneidende, rhythmusgeschwängerte Dampfwalze, der seinen punkigen Charme der 80er offenen nach außen trägt und dieser Form ebenso überraschend wie auch stimmig ist. Mutige Nummer mit Hitpotenzial.

Pain Hates Me:

Für dieses Stück war eine Audienz, des in München gastierenden Danko Jones geplant. Leider wurde daraus nichts und der Fünfer hat auch ohne Hilfe des Meisters eine Roch’n’Roll Hymne zum Mitgrölen eingezimmert. Wenn Herr Jones sich da mal nicht die Haare raufen wird.

Let Sleeping Gods Lie:

Nach dem Galopp, den Pain Hates Me vorgegeben hat werden die Zügel straffer gezogen und man findest sich in einer doomigen und sehr emotionalen Klangwelt wieder, die zeitweise in poppige Gefilde abreißt. Ein ebenso typisches wie auch phasenweise unerwartetes Stück mit Suchtfaktor.

Ghostdance:

Ein für die Band untypisch entstandener Song, da erst im Studio eine wage Idee zu Ende geführt wurde. So ist auch der durchweg positive Grundcharakter zu erklären. Wer Vergleiche in der Vergangenheit suchen will, wird am ehesten in „Motor“ fündig werden.

The Sickness Crown:

Dieses Stück markiert einen der härtesten Wegpunkte in der Bandgeschichte und präsentiert einmal mehr die gewaltige Stimmvarianz des Ausnahmesängers Michelle Darkness, der sich hier sogar an Growls wagt. Einer der vielen Songs, die es verdientermaßen in das Live-Set schaffen könnten und sollten.

Sunday Mourning:

…ist ein Song an dem vornehmlich morgens gearbeitet wurde. Eine Nummer, die gewandt eine verkaterte Morgenstimmung einfängt und mit einer guten Prise Melancholie anreichert. So erwachsen haben END OF GREEN vielleicht noch nie gelungen.

Anthem For A New Wave:

Ist ein frischer und trotzdem zynischer Popper der ebenfalls erst im Studio entstanden ist und die herrschende Atmosphäre perfekt eingefangen hat. Anthem For A New verkörpert die Stimmung von Fünf Freunden, die sich entschieden haben den nächsten Schritt zu gehen. Der Titel, sollte er so bleiben, ist perfekt gewählt und sollte nicht zuletzt deshalb „The Sicks’s Sense“ eröffnen.

The End:

…wird wirklich am Ende stehen und bricht keinesfalls mit der Tradition. The End ist eine Düsternummer par excellence mit Gänsehautgarantie. Intoniert von grollenden Gewittersamples steigert sich der Song von einer zaghaften Berührung hin zu einem monolithischen Seelenfresser. Grandios und beklemmend!

Was mit etwas Distanz bleibt, ist ein Album mit dem sich END OF GREEN keinen Zwängen mehr unterwerfen. Brachial, frisch, unerwartet und unvorhersehbar wie nie zuvor. „The Sick’s Sense“ stößt die Türe in eine neue Welt weit auf und markiert wohl das ehrlichste Album der Bandgeschichte.

Diesem Album wird sich keiner entziehen können.

Im Anschluss hatte meine Kollegin Andrea noch die Möglichkeit mit zwei der Herren ein paar Worte zu wechseln.

Da Ihr das Material heute selber zum ersten Mal abgemischt gehört habt, zunächst die Frage wie Euch gefallen hat, was daraus geworden ist.

Rainer: Also, es ist ja jetzt noch nicht richtig abgemischt. Das war nur so für heute grob abgemischt und es wird noch mal ein Stück besser. Aber wir haben es heute so am Stück auch das erste Mal gehört.

Mir ist aufgefallen, dass die zwei Songs („Ghostdance“ und „Anthem For A New Wave“), mit denen Ihr recht unvorbereitet ins Studio gegangen seid, deutlich kürzer sind als die anderen Songs. Außerdem fehlen ihnen die sonst typischen und zum Teil recht langen Instrumentalparts. Werden Eure Songs einfach länger je länger Ihr an ihnen feilt?

Oliver: Das hat nichts damit zu tun. Da geht es eher um das Thema. Die zwei Songs waren eher so die Smasher.

Rainer: Ich denke, die zwei Songs sind prädestiniert dafür kurz zu sein weil sie aus wenigen Teilen bestehen und einfach kurz, knackig und eher zügig gehalten sind. Das sind ja auch eher schnellere Songs, die dann in die Länge zu ziehen, das würde gar nicht passen. Aber diese langsamen, schleppenden Songs, für die passt es auch eher, wenn man mal eine Pause macht vom Gesang her und eine Melodie drüber spielt. Das hängt vom Song ab und die Songs waren einfach zügiger. Wahrscheinlich wollten wir schnell noch ein Lied machen, deswegen haben wir ein schnelles Lied gemacht und das passt dann einfach. Ich glaube das hat jetzt nicht unbedingt den Songwriting-Hintergrund.

Oliver: Wobei man dazu sagen muss, dass ein längeres Stück wesentlich komplizierter gewesen wäre auf die Schnelle. Die zwei Songs waren auf jeden Fall so spontan, dass man die noch als Gassenhauer dazu legen kann und die dürfen auch gern locker flockig rüber kommen.

Sind Euch allgemein eher längere Songs lieber oder kürzere?

Oliver: Wir tendieren schon dazu längere Stücke zu machen, weil wir es gerne ein bisschen austreten und uns Zeit lassen um bestimmte Parts wirken zu lassen. Der Corni bringt viel Erfahrung aus dem Pop-Business mit und hat uns ab und zu mal darauf hingewiesen, dass man den Teil eventuell mal kürzen sollte.

Rainer: Er hat es aus einer ganz anderen Ebene gesehen. Als Musiker ist man immer voll drin und man findet ja eh alles geil was man macht. Aber er sieht das aus einer neutralen Perspektive und sagt: wenn ihr das so und so macht wird es noch viel geiler. Er hat einfach dieses neutrale Sehen von außen auf die Songs drauf. Diese guten Ratschläge muss man nicht annehmen aber man kann sie annehmen und ich denk so haben wir da einen Kompromiss gefunden.

Oliver: Für die Platte ist es super aber live können wir es nach wie vor so handhaben wie wir wollen. Wenn es dann läuft, wenn das ganze im Flow ist, kann man es auch ursprünglich spielen.

Rainer: Wie es halt dem Song oder dem Konzert gut tut. Und wie es uns auch gut tut oder wie wir es gerade sehen.

In wie weit hat Corni Bartels noch Einfluss gehabt?

Oliver: Corni hat meines Erachtens nach durch den Sound an sich noch mal Biss rein gebracht. Das Schlagzeug ist so knackig wie nie zuvor und gitarrentechnisch hätte ich nie damit gerechnet, dass er so eine Wucht rein bringt. Er hat ein super Gespür für Parts: wenn es ruhig sein soll, ist es wirklich ruhig und wenn es deftiger sein soll, dann ist es richtig deftig, das hat er ganz gut ausgeglichen.

Rainer: Ich denke, er hat es auch geschafft im Studio eine Atmosphäre zu verbreiten in der sich jeder wohl fühlt und dass so auch ein gemeinsames Arbeiten zu Stande kam. Ich denk, man merkt die Stimmung der Musiker beim Spielen und auf der Platte, das hört man. Er hat es einfach geschafft uns seine Stimmung und die Grundstimmung von dem Studio zu vermitteln. Das ist auch für uns ganz wichtig, dass die Stimmung gut ist.

Ihr wart den ganzen April hier im Studio in München?

Oliver: Wir hatten kurze Zwischenpausen, so Lagerkoller. Es hat einfach ein bisschen Zeit gebraucht mit Schneiden. Bei Corni läuft das nicht ganz so streng mit jetzt Schlagzeug aufnehmen, jetzt Bass aufnehmen, jetzt Gitarre aufnehmen. Sondern wir haben zum Beispiel bei den Gesangsaufnahmen gesagt: zwischendrin ein paar Gitarren einspielen damit sich die Stimme wieder erholen kann. Gleichzeitig hat er auch nebenbei schon ein bisschen geschnitten und abgemischt. Es war eher so ein bisschen fließend, nicht klar eingeteilt.

Und seid Ihr froh, dass die Zeit im Studio jetzt vorbei ist?

Rainer: 50:50 eigentlich. Also auf der einen Seite froh, dass es vorbei und eingespielt ist, dass wir es endlich demnächst auf CD kriegen und uns daheim anhören können. Aber auf der anderen Seite schweißt einen das ja auch zusammen, dieses ganze im Studio sein, miteinander leben. Auch mit dem Corni, den wir vorher gar nicht kannten, aber jetzt wirklich lieben gelernt haben. Der einfach zu uns passt. Was uns ja auch megawichtig ist. Ich glaub der Abschied, der Auszug aus dem END OF GREEN-Haus oder aus dem Weltraum-Haus wird dann schon noch mal komisch werden. Das ist so geteilt. Klar könnte es ewig so weiter gehen, weil es einfach ein megageiles Arbeiten war und auch menschlich genial war. Aber auf der anderen Seite sind wir auch froh, dass das Ding jetzt eingespielt ist und wir es haben. Weil da haben wir lang genug drauf gewartet. Das ist schon ein cooles Gefühl.

Mir erschien das Album streckenweise recht poppig, radiotauglich und manche Songs könnten abgesehen von der Länge problemlos im Radio laufen. Wollt Ihr eher so in die Richtung massentauglicher Musik?

Oliver: Sagen wir es mal so, wir wollen das was uns gut tut. Wir wollen auf jeden Fall zufrieden sein mit dem Sound den wir machen, das ist oberste Priorität. Wir haben jetzt kein finanzielles Ziel. Das was hier passiert ist mehr oder weniger aus dem Herz raus.

Rainer: Das ist auch unser großes Plus denke ich. Jeder von uns würde das sofort professionell machen weil es das ist, was wir alle wollen und da unser ganzes Herzblut und alle Emotionen drin stecken. Aber es ist einfach schwierig so etwas Vollzeit zu tun, weil wir nicht davon leben können. Klar, wenn uns irgendjemand irgendwann die Möglichkeit gibt, dann ist das sehr geil, aber dann auch nur, wenn wir das so machen können wie wir das wollen. Schauen wir mal ob das irgendwann vielleicht passiert, wäre geil, aber wenn nicht, dann eben nicht. Wir versuchen das halt so gut wie möglich mit dem anderen Leben, das wir haben zu koordinieren und versuchen, so echt zu sein wie möglich. Wenn irgendein Radiosender das cool findet, dann soll er das spielen, dann ist das megatoll, aber es ist nicht unser Ziel ins Radio zu kommen.

Wird aus der CD ein Song ausgekoppelt, oder ein Video gemacht?

Rainer: Also ein Video wird es geben, aber von welchem Song, das wissen wir selber noch nicht. Ein Goody für Fans auf MySpace oder YouTube, so in die Richtung, aber nicht primär mit dem Ziel, dass es auf Heavy Rotation bei MTV läuft. Das müssen auch wieder die anderen entscheiden. Wir sind halt keine Band hinter der ein Label steht, das Milliarden hat und zahlt, damit das Video läuft. Auch wieder wie beim Radio, wenn ein Fernsehsender sagt, wir spielen das Video weil wir das gut finden, dann können die das machen, aber wir werden sicherlich nichts dafür bezahlen, damit das Video irgendwo läuft.
Entweder die Leute mögen uns so wie wir sind oder sie mögen uns halt nicht.

Galerie mit 22 Bildern: End of Green - Void Estate Tour 2017
12.05.2008

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