Koldborn
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Interview

Es ist dunkel. KOLDBORN-Klampfer Heinz sitzt alleine in seinem Auto und wartet. Endlich: Das Telefon klingelt! "Hi, ich bin gerade auf dem Weg zu unserem Drummer. Der ist am Samstag Vater geworden", erzählt mir der sympathische Däne. Glückwunsch! Zwischen seinem neuen Job und der Bandnachwuchsbetreuung, bleibt noch genügend Zeit einiges über das superbe Zweitwerk von KOLDBORN zu herauszufinden. Ab dafür:

Koldborn
Du kommst gerade von einer kleinen HATESPHERE-Tour zurück. Wo habt ihr euch den rumgetrieben?

Wir waren in England unterwegs und haben dort acht Shows mit GOJIRA gespielt. Es war super! Viele Leute, eine großartige Stimmung. Wir hatten viel Spaß mit den Jungs von GOJIRA abzuhängen. Sie sind sehr ruhig und definitiv keine Party-Band. Und das passt natürlich gar nicht zu HATESPHRE (lacht). Aber wir hatten eine gute Zeit zusammen.

Haben in GOJIRA in England eine große Fanbase?

Nicht wirklich. Aber sie versuchen auch dort den Durchbruch zu schaffen und ich denke, sie werden es machen. Sie haben auf dem Download Festival gespielt

Genug von anderen Bands palavert, lass und über KOLDBORN sprechen. Ihr habt mit „The Uncanny Valley“ einen ziemlichen Hammer rausgehauen! Wie ist denn das Feedback bis jetzt?

Dankeschön! Das Feedback von allen Seiten war bis jetzt sehr gut; sehr gute Noten in den meisten Reviews bis jetzt. Einige lieben das Album, also denke ich, dass wir irgendwas richtig gemacht haben.

Wie viel Enstehungszeit hat die Scheibe gebraucht?

Nun, wir haben ungefähr anderthalb Jahre an „The Uncanny Valley“ geschrieben. Das war die reine Zeit zum Schreiben. Nach unserem ersten Album „First Enslavement“ aus dem Jahr 2001, zog ich nach Arhus, um dort HATESPHERE beizutreten. Dann ist unser Drummer nachgezogen und wir brauchten Zeit, um uns wieder einzuspielen. Dann haben wir hier dann noch unseren Sänger und unseren Gitarristen kennen gelernt. Wir haben ins hier in Arhus komplett neu gefunden, und das brauchte eine bisschen Zeit. Wir haben dann Songs für die unsere Mini geschrieben und aufgenommen, von denen hat es dann auch einer („Repression“, Anm. d. Verf.) auf „The Uncanny Valley“ geschafft.

Wenn wir gerade bei der Vergangenheitsbewältigung sind, stell KOLDBORN doch bitte kurz vor, eine kleine Reise in die Vergangenheit.

Wir haben uns 1997 gegründet und haben da noch viel straighteren Death Metal gespielt, als wir es heute tun.1999 habe wir dann unser erstes Demo veröffentlicht. Dieses kam auf einem Sublabel von Diehard Music raus, einem sehr bekannten dänischen Label, welches leider heute nicht mehr existiert. 2001 haben wir unser Debüt „First Enslavement“ veröffentlicht. Wir spielten einige Konzerte, ich trat HATESPHERE bei, bin hierher gezogen. Dann haben wir die Band neu formiert, haben 2005 eine Mini-CD veröffentlicht. Anschließend haben wir die aktuellen Songs geschrieben, das Album aufgenommen und jetzt wird es auf Listenable Records veröffentlicht.

Wie schwierig ist es für dich die Interessen deiner beiden Band unter einen Hut zu bekommen, zumal HATESPHERE ja eine sehr tourfreudige Band sind?

Es ist nur manchmal schwierig. Aber ich liebe es! Ich habe mir das ausgesucht, ich liebe es Musik machen zu können und deswegen werde ich mich nicht beschweren. Ich widme meine ganze Zeit der Musik. In den letzten beiden Jahren konnte ich das auch ohne Probleme tun, aber jetzt habe ich einen Job und mehr oder weniger zwei Full-time-Bands. Momentan ist es ziemlich hart, ich habe praktisch neben der Musik kein Leben.
Und mein neuer Job ist allerdings nicht wirklich Heavy Metal…Ich arbeite beim ADAC.

Die „gelben Engel“ – mit Verstärker und Gitarre bringen sie jedes Auto wieder zum Laufen…
Was kannst du mir denn über den Prozess des Songwritings erzählen? Wie unterscheidest du bei guten Riffs? Wie hältst du die Ideen auseinander? Ist ein gutes HATESPHERE-Riff gleichzeitig ein gutes KOLDBORN-Riff?

Mhhhh… Die beiden Bands haben einen verschiedenen Vibe. Sie unterscheiden sich auch sehr. Die Art und Weise Songs zu schreiben, unterscheidet sich bei den beiden Bands extrem: Bei HATESPHERE werden die meisten Songs direkt im Proberaum geschrieben und es ist eine gesellige Sache. Bei KOLDBORN läuft das komplett anders: Wir schreiben die meiste Musik zu Hause, nehmen sie auf, arbeiten mit Computerprogrammen, schicken uns die Ideen untereinander zu. Gerade mit unserem anderen Gitarristen arbeite ich so.
HATESPHERE ist einfach mehr das Rock’n Roll-Feeling im Proberaum, KOLDBORN ist anders. Du hast nicht dauernd vier Typen am Reinquatschen „Ich mag das, das ist scheiße etc“. Du hast mehr Ruhe beim Schreiben der Songs. Du kommst heim, schreibt ein paar Riffs, nimmst sie auf, dann ein bisschen „Copy/Paste“, und das war es. Es ist viel einfacher auf diese Weise kreativ zu sein.

Wie liefen denn die Aufnahmen bei Jacob Bredahl (HATESPHERE-Sänger und Produzent) ab?

Es war sehr gut. Er ist ja der Hausproduzent von KOLDBORN. Er hat ja auch das Debüt und die Mini produziert. Wir lieben es einfach mit ihm zu arbeiten. Mit der Produktion bin ich sehr zufrieden. Durch diese Arbeitsbeziehung bin ich ja auch zu meinem Job bei HATESPHERE gekommen. Wir haben bei ihm das Debüt aufgenommen. Die hatten zu dieser Zeit keinen Gitarristen, Jacob hat mir beim Spielen zugeschaut und sie fragten mich, ob ich HATESPHERE beitreten wolle. So kam ich dazu.
Ich kannte ihn schon von früher, er war immer unsere erste Wahl als Produzent. Ich habe mit einer Band HUMAN ROT, in der Reno ( Killerich, u.a. DIMMU BORGIR etc., Anm. d. Verf.) dort aufgenommen. Das ganze war eher eine Art Spaßprojekt, aber der Sound war einfach der Hammer! Und so fiel unsere Wahl immer wieder auf ihn. Wir haben dort einfach immer eine gute Zeit und können in sehr relaxter Atmosphäre aufnehmen.

Wie steht es denn zur Zeit um die dänische Szene? Es schwappt ja in Regelmäßigkeit eine geile Scheibe nach der anderen über die Grenzen…

Es ist momentan in der Tat der gesund. Es gibt einige Combos neben großartigen Bands, wie HATESPHERE und KOLDBORN natürlich. Bands wie MNEMIC, MERCENARY oder VOLBEAT: Jede Menge großartiger Bands. Dänemark ist ein kleines Land, und die Szene von Menschen, die extreme Musik spielen und hören ist sogar noch kleiner. Es ist sehr übersichtlich und es gibt keine Konkurrenz zwischen den Bands. Jeder kennt jeden, wir sind Freunde und jeder versucht jeden zu unterstützen. Wenn du ein Konzert in Dänemark spielst, kommst du gar nicht drum herum, mit anderen dänischen Bands zu spielen. Im benachbarten Proberaum wüten übrigens ILLDISPOSED.

Werden dort auch die schwachsinnigen deutschen Ansagen geprobt?

Nein. Wenn er dänisch spricht, ist es sogar noch schlimmer. Das meiste, wovon er redet, macht keinen Sinn, also noch schlimmer als bei seinen Ansagen. (lacht).

Wie bewertest du den Hype, der gerade in der Presse gemacht wird? Was ist dran am „Danish Dynamite“ abseits des Fußballs?

Ich bin damit aufgewachsen. Ich habe schon immer dänische Bands gehört, deswegen fehlt mir die Distanz. Die Szene hier hatte schon immer ihren ureigenen Sound. Ich bin mit Bands wie INVOCATOR und ILLDISPOSED aufgewachsen. Ich habe diese Szene schon immer geliebt und als die erste KOLDBORN-Platte 2001 erschein, habe ich einige Kritiken gelesen, in denen es hieß: Wer hat schon jemals von einer Brutal Death Metal Band aus Dänemark gehört?
Wir haben schon immer großartige Bands und Musiker hier. Aber aus irgend einem Grund wurde ihnen nicht die große Beachtung geschenkt, wie anderswo. Aber das ändert sich gerade massiv. Ich denke, den Anstoß haben HATESPHERE gemacht, weil sie so viel live gespielt haben. Die Leute haben langsam gemerkt, dass eine dänische Szene existiert.
Wir haben gute Bands und gute Musiker, die Leute realisieren es so langsam.

Du bist viel rumgekommen mit HATESPHERE. Was unterscheidet die dänische Szene von anderen?

Hmmm, das ist schwierig. Ich denke, es passiert in allen Ländern das gleiche. Man kennt die einheimische Szene halt am besten. Es gibt bestimmt 10 000 deutsche Bands, aber ich kenne nur die wenigsten. Ein Beispiel, um das zu veranschaulichen: Als wir das Tourangebot für die letzte KREATOR-Tour für HATESPHERE bekamen, dachte ich: „KREATOR? Existieren die überhaupt noch?“ Ich dachte, die sind in den 80ern gestorben. Als wir dann auf Tour waren, habe ich gemerkt, wie groß sie in Europa sind.
Einen Tag spielen wir mit einer Band in Deutschland, die Wacken headlinen, und den anderen Tag spielst du irgendwo anders mit dieser Band und es kommen gerade mal 50 Nasen. Es ist so verschieden, wie verschieden populär manche Bands in anderen Ländern sind.
Gerade Dänemark war da schon immer komisch. Bands, die hier bekannt sind, kennt man sonst nirgendwo. Dänemark ist da echt verrückt.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit Listenable Records?

Großartig! Listenable war definitiv eines unserer Wunschlabel, da sie immer Wert auf Qualität gelegt haben. Sie legen Wert auf Qualität und auf Bands mit einer eigenen Identität. Sie veröffentlichen nicht Platten am laufenden Band, nur um etwas zu veröffentlichen. Ich mag diese Philosophie. Für mich ist das auch sehr französisch. Frankreich war schon immer ein Land der Kunst und wir genießen es sehr mit Listenable zusammen zu arbeiten. Bei KOLDBORN geht es um Kunst und um gute Musik, es geht nicht so sehr ums Geld, wie etwa bei HATESPHERE. Mit HATESPHERE möchten wir groß werden und soviel wie möglich spielen, bei KOLDBORN geht es um den Spaß an der guten Musik, es geht nur um die Musik selbst.

Wie sieht es denn mit Liveaktivitäten in der nahen Zukunft aus?

Wir hatten einige, wenige Konzerte hier in Dänemark, die allesamt sehr gut waren. Aber wir werden mit KOLDBORN nicht einfach für eine Kasten Bier spielen, wir schauen nach guten Möglichkeiten, den Rest wird man sehen.

Wie schaut es mit den persönlichen Einflüssen aus? Wirken diese sich auf die KOLDBORN-Songs aus?

Uh, ich höre mir eigentlich jede Menge Musik an. Verschiedenste Sachen von SEVENDUST, über KORN bis hin zu GOJIRA oder DECAPITATED an. Ich denke nicht, dass wir uns wie eine von denen anhören. Gut, wir haben auch Gitarren, aber sonst: ich weiß nicht…
Ich bin generell sehr offen, höre mir guten Pop an, alles was mir gefällt. Ich bin da nicht festgelegt. Ich liebe Musik. Natürlich liebe ich den Metal am meisten, aber ich höre mir gerne andere Stile an.

Was ist eigentlich das „Unheimliche Tal“?

Es ist eine psychologische Beschreibung. Unser Sänger Lars schreibt die Texte, er hat Psychologie studiert und ist sehr an menschlichen Gedanken interessiert. „Das unheimliche Tal“ ist eine Beschreibung, die man für Sachen, speziell Roboter benutzt, wenn sie menschlich werden. Je menschlicher sie werden, desto mehr sieht man sie auch als menschlich und sympathisch an. Aber bevor dieser Roboter sich als 100%ig menschlich gibt, ist dabei ein Knick in der Sympathiekurve, was in Form des „Uncanny Valley“ beschrieben wird. Etwas ist abgehoben, komisch, gruselig, unheimlich.

Die abschließenden Fußballfragen wurden kategorisch abgeschmettert, er trinke lieber Bier und übe Gitarre, während die Kumpels dem Prollsport Nr.1 frönen. Er legt allen noch nahe, „The Uncanny Valley“ sich zuzulegen, viel Bier zu trinken und Spaß zu haben.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Prost!

22.10.2006

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