Mysticum
Interview mit Herr General Cerastes zu "Planet Satan"

Interview

Mysticum

Nachdem MYSTICUM den Industrial Black Metal erfanden und 1996 das wegweisende Debütalbum „In The Streams Of Inferno“ veröffentlichten, verschwanden die Norweger weitestgehend in der Versenkung. Das damals bereits im Booklet angekündigte zweite Album „Planet Satan“ wurde nun nach 18 Jahren Wartezeit veröffentlicht und ist ein würdiger Nachfolger des Referenzwerks. Herr General Cerastes gibt Auskunft.

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Die offensichtliche Frage zuerst: Weshalb dauerte es insgesamt 18 Jahre nach „In The Streams Of Inferno“, um das zweite Album „Planet Satan“ zu veröffentlichen? Zu viele Drogen und Alkohol? Worin lagen die Gründe für diese lange Zeitspanne?

Kurz nach der Veröffentlichung unseres Debütalbums 1996 verschwanden wir aus der Black-Metal-Szene. Wir waren dem allem überdrüssig geworden. Wir waren frustriert über die Richtung in welche die Szene damals ging. Nachdem einige Dinge Mitte der Neunziger passiert waren erfuhr die Szene eine riesige Aufmerksamkeit durch die Medien. Im Zuge dessen tauchten unzählige Bands und Anhänger von überallher auf. Auf einmal hörte jeder Black Metal oder spielte in einer Black-Metal-Band. Wir fühlten, dass die Szene ihre Integrität und Qualität verloren hatte. Trends wurden erschaffen, und wir verließen die Szene. Daneben bedurften die Sucht von einigen Bandmitgliedern Aufmerksamkeit. Die Verwendung von Drogen ist sehr zeitaufwendig. Das Ausmaß machte es hart wenn nicht unmöglich als produktive Musiker zu funktionieren. Das lief einige Jahre. Wir kamen kurzzeitig zusammen um „Black Magic Mushrooms“ für die Split mit AUDIOPAIN zu machen, die 2003 veröffentlicht wurde. Dann trafen wir uns vor drei Jahren und entschieden, dass es Zeit wäre, an der Produktion von „Planet Satan“ zu arbeiten, ungeachtet des Status der Black-Metal-Szene. Wir sind nun älter und reflektierter. Unser Verlangen ist es, herausragenden und Eingeweide-zerschlagenden Metal mit einer klaren antireligiösen und antichristlichen Botschaft zu machen. Nachdem wir in der Pause von 2011 bis 2012 unsere Hardware und Software auf einen aktuellen Stand gebracht hatten, begann die Arbeit an „Planet Satan“.

Ist für euch „Planet Satan“ die gänzliche Fortsetzung von „In The Streams Of Inferno“ oder betrachtet ihr das neue Album komplett anders?

Aus einer wahren Explosion an Ideen wählten wir diejenigen aus, die unserer Meinung nach am meisten Aufmerksamkeit verdienten. Und am Anfang dachten wir „Planet Satan“ wäre etwas anderes als „In The Streams Of Inferno“. Das lag daran, dass die früheste Arbeit hierfür der Anfang des Songs „The Ether“ war, das mehr nach Industrial klingt als die vorherigen Sachen von MYSTICUM. Daher dachten wir dass sich „Planet Satan“ komplett in diese Richtung entwickeln würde. An einem bestimmten Punkt steckten wir bei „The Ether“ fest und machten uns an die anderen Songs. Schnell erkannten wir, dass der gesamte Ausdruck auf „Planet Satan“ ein unterschiedliches Album macht mit dem entsprechenden Feeling von unserem Debüt zusammen mit neuen musikalischen Kursen. Wir halten große Stücke auf beide Alben. „In The Streams Of Inferno“ ist unser Rohdiamant während „Planet Satan“ ein besser produziertes Juwel ist. Beide sind und drücken 100% MYSTICUM aus.   

Für mich klingt „Planet Satan“ schneller, kälter und harscher als „In The Streams Of Inferno“. Weiter finde ich, dass euer Debütalbum irgendwie so einen 80er Electro Sound hatte, während das neue Album viel moderner klingt. Kannst du meiner Sichtweise zustimmen? In welchem Zeitraum entstanden die Songs für „Planet Satan“?

„Planet Satan“ ist eine Mischung aus alten und brandneuen Riffs, Kompositionen und lyrischen Ideen, mit einigen Songs die lediglich aus alten Riffs bestehen wie „Fist Of Satan“ und „All Must End“. „Fist Of Satan“ hieß ursprünglich „The Satan“ und alle Riffs sind von 1997/1998. Die Idee für den Text stammt auch von 1998, wurde aber in den letzten Jahren umgeschrieben und erweitert. „All Must End“ ist von Anfang 2000, wir fanden die Riffs auf einer alten Festplatte während wir durch die alten Dateien stöberten. Alles an Electro ist aber brandneu, genauso wie der Text. „LSD“ enthält auch altes Material, was den Text und einige Riffs anbelangt. Neben diesen Songs basieren die anderen Sachen auf Arbeiten der Jahre 2011-2014.

Wovon handeln die Texte und was hat euch hier inspiriert?

Die Texte sind antichristlich mit kosmologischen Beiklängen. Satan ist für uns das pure Feuer in uns selbst und alles Rebellische gegen jeden Herrscher oder Unterdrücker. Wir verweigern die Anerkennung eines höheren Wesens welchem wir folgen oder gehorchen sollten. Die ganze Idee, einen Meister des Lebens und Todes zu haben ist krank und nur für die schwachen Schafe von ignorantem Optimismus. Satan ist die Kraft unseres Willens, kämpfend gegen das gesamte Konzept von Gott und dessen Anhängern. Die einzige Sicherheit ist der Tod, und was danach kommt wissen nur die Toten. Wenn es da eine Dimension der Hölle oder des Himmels nach dem Leben gibt, kannst du sicher sein, dass du uns an vorderster Front findest und wir die sklavische Institution von Gott zerstören.

Das Coverartwork mit dem alten Logo und kosmischem Gemälde ist fantastisch! Was waren die Ideen und Visionen hierfür?

Dankeschön! Wir sind auch extrem zufrieden mit dem Coverartwork. Wir hatten dafür einige Visionen, die wir dem Künstler Daniele Valerani erklärten, bevor er mit dem Design anfing. Die Visionen waren wie folgt:
– Die erhabenste, härteste und größte Sphäre im Multiversum
– Seine äußeren Schichten bestehen aus dem ultra schweren Metall Satanium mit 666 Protonen in seinen Atomkernen
– Sein innerer Kern ist pures MYSTICUM, das schwerste Metall von allen. Mit 888 Protonen in seinen Atomkernen.
– Eine Sphäre die von Fehlerlosigkeit, Überlegenheit und Sieg durchtränkt ist
– Eine Sphäre wohin Lucifer stolz seine Elite entsenden würde
– Luzifer selbst brennt unser Logo darauf mit dem Höllenfeuer seines Herzens
– Wenn Gott, sein Sohn und die anderen im Himmel „Planet Satan“ gesehen hätten, würden sie sich selbst anpissen und sofort aufgeben
– Wir wissen, dass das etwas schräg ist, aber so sind wir haha!

„In The Streams Of Inferno“ wurde von Peaceville wiederveröffentlicht. Was sind die Unterschiede zwischen den beiden Versionen?

Um mit etwas anzufangen, das Cover repräsentiert die Musik auf einem ganz neuen Level. Daneben hat das Remastering bei den Songs Wunder vollbracht. Die gesamte Zunahme an Qualität ist unglaublich. Das lag am Einsatz von unserem Manager Mathias Løken und dem Strype Studio wo das Remastering stattfand. Ein Muss für unsere Fans, die Geräuschkulisse ist viel detailreicher und voller in allen Frequenzen.

Kommen wir zu eurer Vergangenheit. MYSTICUM hatten einen unorthodoxen Ansatz zum Black Metal. Was waren eure Visionen?

Nur wir waren damals Punk Kids auf Drogen, daher denke ich nicht, dass unsere Visionen so klar waren oder eine wirkliche Richtung hatten. Der gesamte Prozess ist immer natürlich weitergerollt. Unsere einzige Agenda war, exakt das zu tun was wir wollen, wann wir es wollen und wie. Wenn man also uns als Trio mit der Zeit vermischt bekommt man MYSTICUM. Und nachdem sich die Szene veränderte, lösten wir uns erst einmal auf.

Was habt ihr in nächster Zukunft geplant? Besteht die Chance auf Konzerte in Deutschland?

Im Augenblick proben wir und stecken in den Kinderschuhen, eine fette Liveshow zu designen. Wenn die Angebote entsprechend sind, werden wir definitiv in Deutschland spielen.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Möge „Planet Satan“ mit euch allen sein. Spielt das Album nur bei voller Lautstärke! Grüße an die deutsche Black-Metal-Szene sowie an alle alten und neuen Anhänger von MYSTICUM. 

Herr General Cerastes

 

12.11.2014

Geschäftsführender Redakteur (News-Leitung)

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