Arroganz
"Supportet Underground-Musik!"

Interview

Seit über einer Dekade zählt das Trio aus Überzeugung ARROGANZ zu den beständigsten und verlässlichsten Bands im extremeren Underground. Mit konstant starken Platten und einer energischen Live-Präsenz sowie einem starken neuen Album namens “Quintessenz” war es an der Zeit, der Band endlich mal den Platz für ein ausführliches Interview, in dem es nicht nur um die neue Platte ging, zu bieten. Stilecht beantwortete Sänger und Bassist K. unsere Fragen per WhatsApp-Sprachnachricht, wie wir euch nicht verhehlen wollen. Lest selbst, was es zu “Quintessenz”, zum Innenleben und zum Status in der Szene von ARROGANZ zu berichten gibt.

 

Arroganz Bandfoto 2024

Foto: Vollvincent

Hallo, die Herrschaften. Obwohl euer Qualitätslevel bemerkenswert hoch ist und ich auch diverse ältere Scheiben von euch sehr feiere, habt ihr objektiv wahrscheinlich mit “Quintessenz” euer bestes Album gezaubert. Die Entstehungszeit des Albums dürfte ja von der Pandemie betroffen oder beeinflusst wurden sein, weshalb mich interessieren würdet, ob das Album eine schwerere Geburt als die bisherigen war.

Zumindest fühlt es sich für mich nicht so an. Da habe ich “Morsus” in Bezug auf die Aufnahmen als schwieriger empfunden. Wir hatten dieses Mal das große Glück, dass wir alle zusammen bei uns im Proberaum sein konnten, den wir für die Aufnahmen komplett zum Studio umgebaut haben. So konnten wir die Aufnahmesessions in gewohnter Umgebung machen, was ich als sehr angenehm und produktiv empfunden habe. Bei “Morsus” mussten wir zudem alles auf verschiedene Sessions und Studios stückeln. Das war diesmal nicht der Fall.

„Die Pandemie hatte keinen Einfluss auf das Album!“ – ARROGANZ

Die Pandemie hat keinen Einfluss gehabt. Ich schreibe relativ konstant Musik und die anderen Jungs auch und so hatten wir keine Probleme, an Material zu arbeiten, weil wir das eh machen. Da tut die Pandemie der Kreativität keinen Abbruch. Daher war das Album keine schwere Geburt. Negative Einflüsse dadurch waren eher zwei komplett ins Wasser gefallene Tourneen, obwohl wir später einzelne Shows nachholen konnten. Wir merken das jetzt noch. Wir gehen demnächst mit MASTER auf Tour und da sind Shows und Gelegenheiten dabei, die wir noch aus Pandemie-Zeiten nachholen.

Da ihr ja eher unbehagliche Musik spielt, liegt auch die Frage nahe, ob die Zeit der Pandemie sich musikalisch oder inhaltlich in “Quintessenz” niedergeschlagen hat.

Nee, auch da spielt die Pandemie keine Rolle. Ich schreibe wie gesagt relativ konstant Musik und Texte. In der Zeit ist natürlich privat und auf der ganzen Welt auch abseits viel passiert. Wir tragen auch in solchen Zeiten Themen und Gedanken mit uns. Teilweise sind auch Ideen dabei, die ich schon sehr lange hatte, es aber nie die Gelegenheit gab, sie auf Platte zu bringen. Mit “Quintessenz” war der musikalische Rahmen nun da und wir konnten diese Dinge umsetzen. Ich bin mir sogar relativ sicher, dass ohne Pandemie die gleichen Songs entstanden wären. Das Album hat hart auf die Pandemie geschissen, so wie es sein sollte.

Drei Worte, um “Quintessenz” zu beschreiben: Organisch – brutal – dynamisch. Setzt ihr euch im Vorfeld einer Platte selbst Vorgaben oder konkrete Pläne à la “Diesdas gefällt mir am letzten Album inzwischen nicht mehr so gut, lass das jetzt mal so und so machen”?

Das trifft es ganz gut, da bin ich d’accord. “Organisch” macht in Bezug auf den Entstehungsprozess Sinn. Wir setzen uns ja nicht mit einem leeren Blatt Papier hin und sagen “Die nächste Platte wird so, so und so.” Während des Songwritingprozesses, während Ideen zu Songs werden, wird eine Stoßrichtung klar und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es die Stoßrichtung für das Album wird.

Klar merkt man dann, man hätte gerne mal noch einen schnelleren oder langsameren Song. Aber wie gesagt, es gibt vorher kein Konzept, sondern kreativen Spielraum, den wir uns im Entstehungsprozess lassen. Deswegen ist das Album geworden, was es ist. Irgendwann war klar, es ist aggressiver, rifflastiger, geht nach vorne, aufs Wesentliche reduziert, hat mehr Fokus auf den Gitarren. Das sollte natürlich mit dem Albumtitel “Quintessenz” und mit dem Artwork und allem schlüssig sein.

“Morsus” hatte sich schon recht deutlich von “Primitiv” unterschieden. “Quintessenz” führt die Linie von “Morsus” fort, lässt aber wieder punktuell mehr Atmosphäre zu und ist außerdem etwas kompakter. Wie ordnet ihr das Album selbst ein?

Ja, das ist interessant, wie du das siehst. Es haben schon einige Leute gesagt, das Album sei kompakter. Für mich ist es auf jeden Fall rifflastiger als “Morsus” und damit direkter und aggressiver. Es sollte songwriting- und soundtechnisch zum Inhalt der Songs passen, ebenso wie das Artwork. Auch da ist der Fokus auf den wesentlichen Elementen. Die Texte sind direkter und insgesamt haben wir weniger Effekte benutzt. Dieses sich auf die Essenz konzentrierende Gesamtpaket ist es wahrscheinlich, was du als “kompakt” wahrnimmst und so würde ich das auch unterschreiben.

Es ist die Essenz dessen, was ARROGANZ für uns heute ausmacht und wir haben alles, was davon ablenkt, weggelassen und versucht, die Quintessenz dessen auf allen Ebenen maximal rauszukitzeln.

Galerie mit 7 Bildern: Arroganz – Reflective Dimensions Tour 2018, Oberhausen

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Quelle: Arroganz
21.06.2024

Redakteur | Koordination Themenplanung & Interviews

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