Orden Ogan
Orden Ogan

Interview

Eines der besten Underground-Alben dieses Jahres dürften ohne Zweifel die Süddeutschen Power Metaller von Orden Ogan mit "Testimonium A.D." abgeliefert haben. Zumindest war sich bisher die deutsche Presse darüber in ihren Bewertungen mehr als einig. Grund genug also, die gesamte Mannschaft, bestehend aus Seeb (Vocals, Lead Guitar, Keys), Terrazzo (Lead Guitar), Hannes (Soundtechniker), Oli (Merchandiser), Nils (Keys), Seve (Bassmodule) und Ghnu (Drums), geschlossen zu befragen. Dank eines erhöhten Chaos-Potentials gar nicht so einfach, aber auf jeden fall unterhaltsam, auch für den reingelegten Schreiberling. Willkommen zur "Operation Ogan"!

Orden OganHi Jungs! Zufrieden mit dem neuen Werk „Testimonium A.D.“? Die bisherigen Kritiken sind ja geradezu berauschend. Hättet Ihr das erwartet?

Terrazzo: Ja.
Alle: (lachen)
Seeb: Erhofft, okay. Wenn man 2 Jahre an einem Album rumschraubt, das derart vielseitig und detailverliebt ist, wie „Testimonium A.D.“, dann hoffst du natürlich, dass die Fachpresse das zu würdigen weiß. Mit einem deutschlandweiten Durchschnitt von 9,5 von 10 Punkten bei insgesamt mittlerweile 21 Reviews hätte ich allerdings auch nicht gerechnet. Das hat uns alle umgehauen.

Bevor wir tiefer in das Album einsteigen, vielleicht noch ein paar Infos für Uneingeweihte: Was war der Anlass zu Eurer Bandgründung? Und warum wähltet Ihr die Form des Ordens?

Hannes: Weil sich innerhalb einem Orden die Ausübung sexueller Abarten leichter verstecken lassen.
Seeb: Anlass zur Bandgründung selbst war natürlich Spaß am Musikmachen. Das ist und bleibt auch immer das wichtigste in einer Band. Das sollte man sich immer bewahren und sich auch kreative Pausen gönnen.

Wer ist Ogan? Etwa der Senator Scott Ogan aus Alaska, den ich im Netz gefunden habe?

Terrazzo: Ja.
Nils: No comment!

Gibt es bei Euch klare Ordensregeln, Rituale und festgesetzte Gebetsstunden?

Terrazzo: Ja.
Ghnu: Ja.
Oli: Aufstehen, essen, musizieren im Gemeindekreis, manchmal waschen und wieder ins Bett gehen

Ok, zurück zur Musik: Auf welche Zielgruppe ist Eure Musik gemünzt bei Euren mannigfaltigen Einflüssen von Folk über Mittelalter bis hin zu Power Metal?

Seeb: Wir machen Musik nicht für eine besondere Zielgruppe, sondern in erster Linie für uns selbst. Orden Ogan ist kein kommerzielles Projekt, sondern musikalische Selbstverwirklichung. Ansprechend wirkt das Resultat auf ein erstaunlich breit gefächertes Publikum, weswegen man schon von „kommerziellem Potential“ sprechen kann.

Woher kommt dieses große Spektrum eigentlich? Hat jeder in der Band eigene musikalische Vorlieben?

Terrazzo: Nein. Wir haben keine eigene Meinung.
Oli: Die Jungs sind alle nur ausführende und ferngesteuerte Subjekte – entsprungen aus der kranken Fantasie Seebs.
Seeb: Ich gehe davon aus, dass die anderen auch Musik hören und auch eine eigene Meinung dazu haben, hehe! Da ich aber eigentlich alles selbst komponiere und arrangiere, hat das keinen Einfluss auf Orden Ogan. Ich denke, das breite Spektrum resultiert eher aus der Liebe zum Detail und daraus, sich nicht engstirnig in eine bestimmte Richtung festzubeißen.

Besonders ins Ohr gestochen sind mir, der ich mit Nachnamen Gregori heiße, natürlich die gregorianisch anmutenden Chöre im Titeltrack. Habt das auch Ihr selbst gesungen?

Seeb: Ja. Den Track habe ich komplett allein komponiert, gespielt, gesungen und produziert. Es war gar nicht meine Absicht, das als Intro für die Scheibe zu schreiben. Die anderen fanden es dann aber so gut, dass wir es verwendet haben.

Testimonium heißt auf Latein soviel wie Zeugnis oder Beweis. Über was legt Ihr Zeugnis ab bzw. was wollt Ihr beweisen?

Seeb: Es ist sehr viel passiert während der zweijährigen Aufnahmen zu „Testimonium A.D.“, viel Gutes und sehr viel Schlechtes. Das fertige Werk bezeugt die letzten 2-3 Jahre unseres Lebens.

Was bedeutet der Songtitel „Y, U, Id Ant My“? Klingt altenglisch.

Terrazzo: Ja.
Seeb: Warum, du, (das Freud´sche) „es“ Ameise meins.

Alrrrrright! Reingefallen! Ihr habt ein eigenes Studio namens Cloister of Orden Ogan. Noch dazu ist Eure Eigenproduktion absolut erstklassig aufgemacht. Wie finanziert Ihr das alles als Underground-Band?

Terrazzo: Seeb prostituiert seine Mitmusiker für einen guten Kurs. Deswegen die Ordensform, aber das hatten wir doch vorhin schon.
Oli: Und sie haben einen guten Merchandiser…
Seeb: Ja, allerdings… der Marktschreier vor dem Herrn…
Nils: Wir machen das ja mittlerweile schon seit 1996. In so einer Zeit sammelt man neben Erfahrung auch Equipment an. Stetig dranbleiben ist es, worauf es ankommt. Das Klosterstudio ist mittlerweile auch schon wesentlich professioneller geworden. Um es anderen Bands zugänglich zu machen, fehlen uns allerdings noch ausgebaute Räumlichkeiten.
Seeb: Danke erstmal zur Aufmachung. Auch da steckt – wie in der ganzen Scheibe – einfach nur viel Herzblut und Mühe.

Wie sieht es mit einem Plattendeal aus? Habt Ihr schon in dieser Richtung etwas unternommen?

Seeb: Um ehrlich zu sein: Nein. Plattenfirmenakquise startet die nächsten Tage. Mal sehen, ob es was bringt. Wir haben schon ein paar Deals von kleineren Labels angeboten bekommen, aber bei den angebotenen Konditionen machen wir es lieber selbst weiter. Davon hätten wir nichts gehabt. Wenn, dann sollte das Label auch in der Lage sein uns weiterzubringen, wie Nuclear Blast beispielsweise.

Einen Deal zu bekommen, müsste mit diesem Album doch eigentlich ein Kinderspiel sein. Regt es Euch nicht trotzdem auf, dass Ihr immer noch in Eigenregie veröffentlicht, jede Woche aber wieder ein neuer, Schwert schwingender Drachentöterklon sein belangloses Material über ein Label auf den Markt schmeißt?

Terrazzo: Ja.
Seeb: Aufregen tut es mich nicht. Wir machen eben sehr außergewöhnliche Musik, wenn gleich sie doch massenkompatibel ist. Manchmal wundert man sich zwar, was für Leute bei den Labels wohl A&R machen, aber na ja. Ich kenne aus dem Underground viele sehr talentierte Bands, die längst einen guten Deal verdient hätten. Auf dem Winternachtstraum Festival versuchen wir, sie zusammenzubringen (www.winternachtstraum.com). Und zum Thema Plattendeal: Ich kenne kaum eine Underground-Band, die im Schnitt vergleichbares an Reviews eingefahren hätte. Mal sehen, ob es uns weiterhilft.

Wie seht Ihr die Innovationslosigkeit im Power Metal? Gibt es neben Eurem noch weitere Patentrezepte dagegen?

Terrazzo: Nein.
Seeb: Patentrezepte? Die innovativen Bands ausgraben! Vielleicht die Plattenfirmen-A&Rs austauschen ODER als Hörer dem Underground mal eine Chance geben. Der ist voll guter Bands! Das war für uns auch Grund das Winternachtstraum Festival zu starten.

Glaubt Ihr, dass auch die Presse an dieser Entwicklung eine Mitschuld trägt, weil zu viel zu schnell in den Himmel gelobt wird?

Terrazzo: Ja.
Seeb: Dazu trägt jeder seinen Teil bei. Die Plattenfirmen, die innovationslose Platten rausbringen, die Presse, die sie in den Himmel lobt und der Endkonsument, die die Sachen dann auch noch kauft. Aber wem’s gefällt.
Dirk (Nuclear Blast-Abgeordneter, kommt rein): Weil heute zu viel dumme Schreiberlinge einfach nur ihre Kritiken weghaben wollen, sich nicht ernsthaft mit der Materie beschäftigen und es lieber in den Himmel loben, bevor sie es verreißen, aus Angst, sonst keine CDs mehr zu bekommen.
Seeb: Hallo Dirk.
Dirk: Huhu, Schatz…

Könntet Ihr Euch vorstellen, einen anderen Metal-Stil zu spielen, beispielsweise Death oder Thrash Metal?

Seeb: Könnte ich… (lacht) Da fragst du den falschen. Ich hab zig Projekte, an denen ich mehr oder minder regelmäßig rumwerkele. Dazu gehören eine Death Metal-Kapelle (www.lepragate.de), eine Black Metal-Kapelle (www.nypfelgard.de) und neuerdings auch eine fulltime Death Metal-Band, bei der es mehr in Richtung SFU/Kataklysm – also Groove-Old-School-Death-Metal – geht. Mit der Combo werden wir auch Gigs spielen etc. Über den Namen sind wir uns allerdings noch nicht einig. Aktuelle Favoriten sind Dawn of Scourge und Halls of Irdorath. Aber ich verspreche dir, dass du davon noch hören wirst. Was die anderen angeht…
Nils: Ich spiel noch in einer Coverband.
Seeb: …hab ich auch mal gemacht. Das macht dich aber musikalisch und kreativ kaputt. Terrazzo ist Gitarrenlehrer und spielt nebenbei immer mal wieder in 1000 verschiedenen Bands, bei denen auch alle Stilistika vertreten sind. Unter anderem covert er Steve Vai und Dream Theater.
Nils: …und Ghnu hilft des Öfteren bei anderen Bands aus.
Seeb: ja…

Wie kamt Ihr zur Gitarre, zum Gesang und zum Metal im Allgemeinen?

Terrazzo: Der Metal kam zu mir…
Seeb: Schwierig… in der Grundschule hab ich schon Sepultura (damals „Arise“) und Metallica gehört. Wie ich da rangekommen bin? Keine Ahnung. Heutzutage werden Drogen gedealt, damals war’s wahrscheinlich Death Metal, hehe!

Was wäre Deine Traumband, die Du am liebsten supporten würdest?

Terrazzo: Orden Ogan.
Seve: Die Zillertaler Spatzenjäger.
Alle: gähn….
Oli: Wer singt noch mal „Holzmichel“?
Seeb: Ich krich gleich ’nen Schreikrampf…
Ghnu: Heino….
Seeb: (schreit)
Dirk (Nuclear Blast-Abgeordneter, beim Rausgehen): Was ist mit Blümchen?

Was ist das generelle Ziel, das Ihr mit Orden Ogan verfolgt?

Nils: Die Weltherrschaft.
Alle: muuuaaaahhhh…. Gäääähn…
Seeb: Da fehlt es mal wieder an kreativen Ideen… Das liegt bestimmt an der Coverband.
Oli: Die Jungs wollen in Wahrheit die erste Band sein, deren Musik totale physische Abhängigkeit hervorruft. Aber das ist Teil eines total geheimen Geheimplans namens „Operation Ogan“, also nicht weitersagen.

Habe ich etwas vergessen zu fragen? Möchtet Ihr noch etwas loswerden? Grußworte? Schmähungen? Liebesbekundungen? Die letzten Worte gehören Euch.

Terrazzo: Nein.
Seeb: War auch klar. Danke an dich und alle, die das hier lesen! Ich hoffe wir sehen uns mal live. Ansonsten checkt www.ordenogan.de und lasst uns einen netten Guestbookeintrag da.
Oli: ugh ugh…

Galerie mit 27 Bildern: Orden Ogan – Saloon Showdown, Fort Fun 2019
01.09.2004

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