Riefenstahl
Interview mit Jens Esch

Interview

RIEFENSTAHL, so nennt sich der neue Stern am NDH-Himmel. Ihr Debüt Scheibchen „Seelenschmerz“ ist vor kurzem erschienen und konnte hauptsächlich positive Kritiken einheimsen. Sänger Jens „Die Schabe“ hat sich erfreulicherweise kurz für ein Interview Zeit genommen.

 

Riefenstahl

Hallo Jens! Da euch die meisten Leser wohl noch nicht kennen werden fangen wir doch erst mal ganz locker an: Wer seid ihr, was macht ihr und was wollt ihr?

Wir sind Riefenstahl!

RIEFENSTAHL ist ein ziemlich radikaler Name. Sicherlich werden euch einige Leute aufgrund des Namens in eine falsche Schublade stecken. Was hat es mit dem Namen auf sich? Soll er nur provozieren oder steckt da wirklich was hinter?

Riefenstahl ist kein radikaler Name, man kann aber sicher Radikalismus hinein interpretieren wenn man das will. So etwas kommt hin und wieder vor, daß die Leute unseren Namen falsch verstehen und uns eben in eine so genannte Schublade stecken wollen. Aber alle wurden bisher eines Besseren belehrt.

Ich habe euch in meinem Review mit dem Oberbegriff „Neue Deutsche Härte“ tituliert, auch wenn man euch und eure Musik eigentlich gar nicht so leicht pauschalisieren kann. Stört es euch in diese Ecke gestellt zu werden?

Auch das ist immer die Angelegenheit der Hörer und Kritiker, jeder empfindet Musik und individuelle Musikstücke anders und experimentiert dabei mit seinem eigenen Hörempfinden und der Fantasie. So ist es nur logisch, daß man zuordnet, dem ganzen einen Rahmen gibt, ohne dabei zu wissen ob das eben auch andere so sehen.
Wenn man uns zur NDH zuordnet ist das okay, wir sehen das ja teilweise mit den selben Augen ohne uns dabei krampfhaft an eine Stilrichtung zu binden. Wir wollten ja auch nie irgendeine Szeneband sein, die eben nur gewisse Hörer erreicht.

Wo wir grad beim Thema sind: Was haltet ihr eigentlich von Rammstein und Konsorten?

Rammstein ist eine erfolgreiche Band mit einer großen Lobbyschaft und einem perfektem Konzept, außerdem haben sie einen mächtigen Plattenkonzern im Rücken. Ihre Musik findet sicher ihre Berechtigung, jedoch stapelt keiner von uns übermäßig viele Rammstein Alben. Wen meinst du mit Konsorten? Wir hören allesamt nicht viel deutschsprachige Musik. Das wundert zwar immer viele Leute, aber vielleicht beschäftigen wir uns ja auch zu wenig mit unseren Kollegen, obwohl es ja hin und wieder sehr gute neue deutsche Songs gibt.

Was sind eure Lieblingsbands und wer inspiriert euch?

Das ist unterschiedlich. Daniel hört sehr viel Metal von Metallica bis Cannibal Corpse und Slayer. Ralph steht auf Tiamat, Soilwork aber auch Evanescence. Sven ist immer noch begeisterter Queen Fan und hört sonst eigentlich alles wenn’s ihm gefällt. Ich bin Godsmack Fan und höre auch alles durch die Bank, es muss einfach gut sein und irgendwie im Ohr bleiben und eine Message haben. Also inspiriert uns eine jede Menge Musik, da sind wir völlig offen und stilistisch gesehen niemals monochrom.

Was bedeutet euch eure Musik und was Musik allgemein?

Musik ist Liebe und Selbstfindung sowie eine hohe außergewöhnliche Gabe und das schätzen wir sehr. Viele junge aber auch alte Menschen beneiden uns um diesen Beruf und deshalb genießen wir jeden Takt und jeden Beat. Aber wir schätzen auch unser Publikum, ohne das wir bedeutungslos wären.

Du hast den Spitznamen „die Schabe“. Wie kommt man zu so einem „schmeichelnden“ Titel?

Dieser Name ist das Sinnbild des Ekels aber auch der Unzerstörbarkeit. Eine Schabe ist überaus resistent und treibt sich dort herum wo es dreckig und unbehaglich ist. Da wo der Mensch seinen Schmutz hinterlässt findest du meistens auch Schaben. So ist es dann auch oft mit unseren Thematiken in den Songs. Neid, Missgunst, Hass und Verlogenheit eben der Stoff aus dem die Menschheit ist, sind die Themen und da musst du eine Schabe sein um darüber zu schreiben. Ich habe viel erlebt, damals wie heute und so ist das Leben oft eine triste Folterkammer in der wir die Protagonisten sind. Wir sind eine wahre Schmutzgesellschaft und die Menschen denken immer noch wir könnten Herrscher über diese Welt sein. Das ist ein tragischer Trugschluss dessen katastrophalen Ausmaßes wir uns nicht im Klaren sind.

Rammstein, Megaherz, Die Toten Hosen… Allesamt sind sie auch im Ausland bekannt und beliebt und ich habe mir sagen lassen, dass man auch euch in einigen anderen Ländern kennt. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass deutschsprachige Musik im Ausland so beliebt ist?

Weil die deutsche Sprache viel zu sehr unterschätzt wird und wenn man gute Songs und Texte im Koffer hat wirst du immer und überall auf der Welt verstanden. Nun darf man aber auch nicht vergessen daß oft junge Musiker in eine englischsprachige Zwangsjacke gesteckt werden und den Vorgaben ihrer Bosse Gehorsam leisten müssen und dann leider oft lyrischer Müll entsteht den keiner auf der Welt hören will.
Viele Fans in anderen Ländern erwarten von uns deutschen Musikern, daß wir gefälligst in unserer Muttersprache singen, nur dann können wir wirklich ernst genommen werden. Die deutsche Sprache ist somit auch auf dem internationalen Markt absolut konkurrenzfähig.

Kommen wir mal zum aktuellen Geschehen: Vor kurzem ist eure Debüt Scheibe „Seelenschmerz“ erschienen. Wie sieht das Medienecho bisher aus und seid ihr selber mit dem Album zufrieden? Im Nachhinein gibt es doch sicher immer ein paar Kleinigkeiten die man anders gemacht hätte.

Was wir anders machen würden wird immer unser Bandgeheimnis bleiben. Natürlich bist du nie zufrieden, aber mit der Zeit lernt man auch sein eigenes Review diszipliniert und objektiv zu betrachten. Die Medien sind sehr angetan, wir haben seither eine ständig wachsende Fangemeinde im In – und Ausland. Wir sind wirklich mehr als zufrieden.

Die Texte bewegen sich ja glücklicherweise fernab von stumpfen pathosgeschwängerten Klischees. Wo nehmt ihr die Inspiration für sie her?

Danke! Seelenschmerz ist eine Art Biographie meines Lebens und ein Themenaufarbeitung dessen was mich viele Jahre lang bekleidete und bedrückt hat. Wir haben damit ein sehr gutes Werk geschaffen daß in keiner Weise aufpoliert werden musste.

Welcher Teufel hat euch eigentlich geritten „Eiszeit“ von IDEAL zu covern? Seid mir nicht böse, aber mit dem Song kann ich rein gar nichts anfangen, nicht zuletzt wegen dem gewöhnungsbedürftigen Rap Gesang.

Naja, vom Teufel lassen wir uns nicht reiten! Dieser Song ist für einige sehr gewöhnungsbedürftig und für andere wiederum einer der Besten Songs auf dem Album. Aber so sind halt die Geschmäcker verschieden und das ist gut so, davon lebt ein gutes Album. Wir sind dir für deine ehrliche Meinung doch nicht böse! Das ist absolut okay!

Wie schaut es mit Konzerten in der nächsten Zeit aus? Vielleicht sieht man sich ja mal und kann ein Bierchen zusammen süffeln.

Wenn es nach den Konzerten ist, so können wir gern ein Bier trinken 🙂 ! Wir werden noch einiges dieses Jahr spielen, national und international sind wir gerade mitten in den Vorbereitungen.

Was habt ihr euch sonst für das neue Jahr vorgenommen? Wurden irgendwelche guten Vorsätze gefasst oder lasst ihr alles auf euch zukommen?

Alles auf uns zukommen lassen wäre nicht die Lösung, denn Bewegung muß schon sein. Wir wollen weiterhin so gut miteinander arbeiten wie bisher und dabei immer positive Änderungen vornehmen um uns ständig weiter zu entwickeln.

So zum Schluss gibt es die berühmt-gefürchteten letzten Worte. Bitte sehr.

Wir haben keine Worte vor denen du dich fürchten musst! Danke!

09.02.2005

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