The Phobos Ensemble
Peynliche Befragung

Interview

The Phobos Ensemble

Chroniken der Angst – Bekenntnisse eines Ensembles

Die Schreckung, also die Vorführung und höchst zynische Erläuterung der Folterinstrumente, hatte zuletzt so oft beachtlichen Erfolg gezeitigt, sogar noch bevor der erste Schnitt getan, das erste Eisen angesetzt, die erste Daumenschraube zugedreht war, dass der Inquisitor ganz versessen darauf war, endlich wieder das eigentliche Handwerk des Schmerzes auszuüben.

Wie schön, dass sich dieser zu Befragende, namentlich Simon Reeds, ein Klampfenmann, bei ebendieser Schreckung so herrlich unnachgiebig gezeigt hatte… nicht, dass hier der Hauch eines Zweifels bestand, dass er antworten würde… eher würde er es als kathartische Erfahrung, ja als heiligen Akt empfinden, zu gestehen.

Nachdem der beflissene wie unnachgiebige metal.de-Inquisitor sich neben seinen Fragen auch die gleichsam grausam wie altbewährten Instrumente zurechtgelegt hatte, welche ihm unweigerlich die Antworten eintragen würden, die er auch zu erhalten wünschte, ließ er voller Tatendrang die Fingerknochen knacken und wohlan! es war an der Zeit, die Arbeit zu verrichten, derentwegen er in dies finstere Verlies hinab gestiegen war.

Die glühenden Eisen gaben die Gewähr, dass er augenblicklich die volle Aufmerksamkeit des zu Befragenden genoss und angesichts der Eisen waren Antworten und Geständnisse zu erwarten, die ebenso ausführlich wie laut vernehmlich ausfallen sollten… es war im Grunde immer dasselbe: erst der Schmerz, dann die halb gebrüllte, halb geschluchzte Lüge, deutlich mehr Schmerz, das ein wenig später einsetzende Entsetzen über die Gewissheit, manche Dinge nie wieder im Leben tun zu können – wie auch, ohne das ein oder andere Körperteil – dann die tränenreich geflüsterte Halbwahrheit, die unter ein wenig Schmerz mehr zur erhabenen Wahrheit wurde. Aber vielleicht war es das Gescheiteste, erst einmal mit den Zangen zu arbeiten… glühende Eisen gleich zu Anfang… Verschwendung! Oder doch die Daumenschrauben?

Die Zangen waren der persönlichen Vorliebe des Inquisitors folgend der Größe nach sortiert. Das Gewerbe des Schmerzes war für die Befragten überaus unerfreulich, aber bisher hatte niemand der blutig gekniffenen den Vorwurf erheben können, dass es dabei unordentlich zuging… jeder, wirklich jeder hatte das Recht, nach einem wohl überlegten Schema misshandelt zu werden. Wie sollte man auch eine bereits äußerlich als peinlich genaue Befragung zu erkennende Sitzung durchführen, wenn dem Befragten zwischenzeitlich durch den Kopf schießen mochte: „Wieso mittendrin diese kleine Zange? Wieso? Ist die hiermit verbundene Frage nicht so wichtig wie die davor?“

Nachdem die Entscheidung dann doch zugunsten der Daumenschrauben gefallen war, war die erste Frage eine ganz einfache:

“Ich komme nicht drauf, was das auf Eurem Cover darstellt … ich meine, das zwar irgendwo schon mal gesehen zu haben… das 5-strahlige Ambulacralsystem eines Echinodermata-Vertreters wird’s nicht sein… Bitte klärt den Leser, für den wir heute die Wahrheit ans Licht zerren werden, auf… und möglichst ausführlich, wir wollen doch nicht, dass der Knecht Horst die Kohlen schon wieder zum Glühen bringen muss…“

Wie schnell die vorhin noch so standhaft zusammengepressten Lippen die Antwort aussprachen – fast eine Enttäuschung, wie schnell der Befragte nun losplapperte, da die Schrauben ihren eisernen Druck ausübten… aber dafür war der Gute gleich so zuvorkommend, die Aussage so zu formulieren, dass man sie eins zu eins ins Protokoll übernehmen konnte…

“Ich, Simon Reeds, gestehe, zu Beginn der heiligen Woche der Passion Christi anno 2011, bei der Vermählungszeremonie meines Bruders und seiner Frau, in einem unbeachteten Moment den Kuppelsaal auf Schloss Ottenschlag in Niederösterreich entweiht zu haben, indem ich die an der Decke hängende, fünfeckige, mit Neonröhren versehene Lichtquelle fotografiert und dieses Bildnis anschließend durch den Entzug natürlicher Farben sowie durch den unrechtmäßige Einsatz von Kontrast und Helligkeit entfremdet und für den Schmuck eines digitalen Tonträgers missbraucht zu haben.“

The Phobos Ensemble

Schloss Ottenschlag! Da gibt es neben einem Lyrikwanderweg noch einen Theaterverein und eine Trachtenkapelle, schoss es dem Inquisitor durch den Kopf. Alleine für die geschilderte Verfehlung wäre Hängen, Ausweiden und Vierteilen angesagt. Überhaupt, dieser ganze DIY-Quatsch mit dem Cover… keiner vergibt mehr Aufträge… volkswirtschaftlich bedenklich… es ist wohl an der Zeit, Horst und ein paar andere nach Ottenschlag zu schicken, hehe… dann geht da alles Schlag auf Schlag… Aber diese Frage war lediglich zum Aufwärmen gedacht… bevor es dem Befragten dann allzu heiß werden würde.

Und so lautete die zweite Frage schlicht: “In der Rezension habe ich schon versucht, eine ganze Bandbreite an Einflüssen zu beschreiben. Wer solch allumfassende Extrem-Musik fabriziert, hat bitte welche Haupteinflüsse???“

“Ende 2010 trafen mit Simon Reeds (Simon Reinelt) – git, vox und No Mis (Simon Benzer) – drums, vox, nicht nur zwei Musiker sondern auch zwei Welten oder – wenn man so will – zwei Religionen aufeinander. In der kreativen Songwriting-Phase zu „Lux Aeterna“ stand somit auf der einen Seite ein schon etwas in die Jahre gekommene Old School Metaller Reeds, der seinen Charakter mit der Musik von Sepultura, Pantera und Napalm Death systematisch zu verderben wusste. Wenig später nahmen schließlich Schweden-Death à la At The Gates, Fear Factory und der großartige Chuck Schuldiner den letzten Funken Hoffnung für Reeds‘ Seele.“

Wenn man Evil Chuck an diesem Häuflein Elend wieder zurückfoltern könnte… es ist zu bedauern, dass dem Durchführenden im Gewerbe des Schmerzes so selten eine schöpferische Rolle zukommt… naja, Wunschdenken! Haha, zurückfoltern… fast so irrsinnig, als wenn jemand behauptete, Barnes würde jemals einen auf Cornell machen…

“Auf der anderen Seite nun der junge, frische Drummer No Mis, der die Musikerziehung bereits im neuen Jahrtausend von schicken Größen wie Slipknot, Despised Icon und System of a Down genießen durfte und in dessen Venen das Blastfeuer nie zu erlöschen schien – da hätte sogar der exquisite Inquisitor seine liebe Folter-Mühe. In der Pre-Produktion Phase von „Lux Aeterna“ wirbelte dann Van Smaak (Emanuel Kofler) – bass, mächtig Wind auf. Machine Head, Korn, Trivium und Black Sabbath, hieß es! Bei den Vocals war dann das Chaos perfekt, als sich quasi Chris Barnes (Six Feet Under) und George Fisher (Cannibal Corpse) entschlossen, einen auf Chris Cornell (Soundgarden) bzw. Mike Patton (Faith No More) zu machen – sprich unser damaliger Sänger, Lex Cold Gold (Alexander Goltnar), ebenfalls vom alten Eisen und riesiger Grunge-Fan, erhielt den Growl- und Squeal-Schliff von No Mis und beim engelsgleichen Gesang Unterstützung von Simon Reeds, dessen Stimme durch härtestes Knabenchortrainingeinfach nie brechen wollte… In den Chill-Pausen zwischen den Recording-Sessions, zeigten schließlich dann doch alle Ensembler ihr wahres Gesicht bzw. ihren wahren Musikgeschmack – von Incubus über Country bis Drum n Bass, von Porcupine Tree über Samy Deluxe bis Dub Spencer und Trance Hill (Schweizer Dubstepper), von Dave Matthews Band über Infectiuos Grooves bis hin zum Soundtrack zum Computerspiel „Quake 2“ (Trent Reznor). Und zwischendurch immer wieder Klassik auf Ö1 (Radiosender in Österreich, Klassik). Soweit das wesentliche Szenario in Bezug auf musikalische Haupteinflüsse.“

Wie? Barnes macht jetzt tatsächlich einen auf Cornell? Das hatte der umtriebige Inquisitor auch noch nicht gehört, dabei war das nicht einmal Blasphemie, sondern letztlich schierer Irrsinn. So erging an Horst der Befehl, das Ätzbad vorzubereiten. Wenn auch verdammt viel an stimmlicher Akrobatik auf „Lux Aeterna“ zu vernehmen war, ein Barnes war da freilich nicht zu hören. Aber der Inquisitor war auch nicht hier, um sich den Kopf über Barnes zu zerbrechen. Dieser Amerikaner hatte zudem doch schon einmal die Freuden einer intensiven Befragung erfahren dürfen… mochten die meisten Fans von Barnes ruhig glauben, dass der Mann solche aufgeschlitzten und ausgeleierten Ohren aus rein modischen Erwägungen hatte…

“Eure Videos sind dazu angetan, euch als recht depperte Kirmes-Kapelle abzutun… was spricht dagegen? Seid ihr die Spezialkommando-Version von Drahdiwaberl? Was habt ihr vor? Was GENAU habt ihr vor? Oder sind die Videos – und ich meine das eine, ganz bestimmte – nur so ein Spaß? Nicht, dass wir bei der Inquisition tatsächlich Spaß verstehen würden… Horst: Bitte die Daumenschrauben eine Vierteldrehung zu! Nur um zu verdeutlichen, wie ernst mir die Sache mit dem Spaß ist…“

Die Antwort auf die dritte Frage war unter dem Gebrülle kaum zu vernehmen, so dass es dem Protokollführer demnach einige Mühe bereiten sollte, später etwas Verwertbares aufs Papier zu bringen. Aber wer hätte nicht gebrüllt, wenn er – kurz nachdem der Schmerz einsetzt, gewahrt, dass sich Klavierspielen in Zukunft immer wie Béla Bartók anhören würde, auch wenn der Versuch unternommen werden würde, Bach zu spielen.

“Hey – Drahdiwaberl – Eure allwissende Durchlaucht Herr Inquisitor kennen die Truppe? Hammer!“

“ICH STELLE HIER DIE FRAGEN! Horst! Und überhaupt, Drahdiwaberl sind jedem Falco-Fan ein Begriff!“ Der Inquisitor war fast schon aufgebracht.

Nein, wir sind hier eines Vergleichs unwürdig!“ wimmerte der höchst peinlich befragte Mann, der die besten Aussichten hatte, bald den ersten Preis in einem Captain-Hook-look-alike-contest zu machen.

“Allerdings! Ich wäre Ihnen überaus verbunden, wenn Sie es einrichten könnten, jetzt auf meine Frage zu antworten, anstatt sich derartig zu versteigen!“

“Beim Video gehe ich davon aus, dass Sie das eine zu unserem Karneval-Song meinen: Auch hier zwingt mich die Qual der Folter zu einem Geständnis: Um dem heidnischen Brauch der Fasnacht, Fasching, Karneval- oder wie man ihn auch immer bezeichnen mag – zu huldigen und möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, haben wir uns zu diesem Video hinreißen lassen. Aber wenn Sie, o Inquisitor, glauben, Sie hätten bereits die vollendete Ausgeburt der Lächerlichkeit erlebt, lege ich ihnen Song und Video zu unserem Sommerhit ans Herz. Zu unserem Video-Dilemma ist generell festzuhalten, dass jeder Einzelne von uns sogar Zeiten höchster Not dem Landvogt stets fristgerecht den Zehnten entrichtet und somit keine finanziellen Mittel zur Videoproduktion zur Verfügung stehen.“

Jetzt war es am Inquisitor zu brüllen, wenn gleich nicht aus Schmerz und vielmehr aus Wut: “Zeiten höchster Not? Mein lieber Freund, die Zeiten höchster Not stehen Ihnen erst noch bevor… zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind nicht mal in Zeiten gemäßigten Unbehagens angebrochen…“

Dieses Video! Man sollte dem Kerl die Haut in Streifen abziehen!

“Trotz größtmöglicher Bemühungen wurde unsere Kunst auch bis dato von jeglichem Mäzenen (sprich Label,Vertrieb oder Ähnliches) geschmäht, sodass wir beim Schaffen unseres visuellen Werks alleine auf Tugenden wie Kreativität, Improvisation und Flexibilität, sowie auf eine „No Budget Agenda“ angewiesen sind. Daher entstanden alle Videos, das gesamte Cover-Artwork von „Lux Aeterna“, unser Banner, unser Schriftzug und das ganze Audio-Recording in Eigenregie bzw. bei uns im Proberaum. Das hart ersparte Weihnachtsgeld floss schliesslich ins Studio (Stage One Studio, Andy Classen – Mix und Master) und ins Presswerk. Das überlebt man nur mit einer ordentlichen Portion Humor. Nein, nein, nein, bitte nicht, meine Dauuuuuuummmmeeeeeeennnnn… Horst, nein – Herr Inquisitor, pfeifen sie Horst zurück – ihre Folter ist kein Spaß. Genauso endet der Spaß auch mal bei uns bzw. wollen wir mit unserer Musik bzw. unserem Gesamtwerk ernst genommen werden. Aktuell ist ein seriöses Video in Planung, die Ausschreibung an Produktionsfirmen läuft demnächst an. Leider gab es direkt nach dem Release von „Lux Aeterna“ einen Wechsel im Line Up – Sänger und Gitarrist haben uns verlassen. Glücklicherweise ist bereits ein neuer Sänger da – Michael „Mons“ Mons – Sie kennen ihn schon vom Karneval-Video. Es fehlt aber noch immer ein 2. Gitarrero. Dies macht es schwer, das Album adäquat zu promoten und auf die Reviews gleich mit Liveshows zu reagieren. Auch das Drehen weiterer Videos wird dadurch verkompliziert. Dennoch schreiten wir unbeirrt voran, unser nächstes Album nimmt recht schnell Gestalt an, 3 Songs stehen schon… aber halt…Ich gestehe nichts, ich entsage allem – ihr meint wohl, diese lächerlichen Kohlen…“

Genau, die Kohlen! Die brachten meist noch viel ausführlichere Antworten ein.

“Ja, verglichen mit dem, was wir noch vor uns haben, sind diese Kohlen in der Tat lächerlich… ein Geständnis ist nur eine Frage der Zeit… wie viele Audition-Termine sind schon im Proberaum vorgenommen worden? Und denken Sie nicht, ich würde eine Lüge nicht als eine solche erkennen!“

“Herr Inquisitor, alleine das Wort „Audition“ ist für mich Folter genug – seit dem nunmehr gut zweijährigen Bestehens des Ensembles war gefühlt die halbe Metal-Community des Vorarlberger Rheintals bei uns im Proberaum. Meist weniger um diverse Fähigkeiten und Fertigkeiten an Instrumenten vorzutragen. Eher sollten insbesondere No Mis und Simon Reeds von Ideen und Projekten jener kreativ erleuchteten Besuchern bezaubert werden und ihnen solange musikalische Frondienste erweisen, bis ein bunter Reigen inspirierter Eunuchen die „Auditionierten“ von der Muse geküsst in Richtung Musikolymp erhob. Doch genauso wie bei Ihrer Folter, Herr Inquisitor, blieb das Ensemble stets standhaft und hielt unbeirrbar am genetischen Musikabdruck des Phobos fest. Heute sind die Audition-Termine rar geworden, es waren seit Besetzungswechsel genau zwei. Mit Anwärtern machen wir kurzen Prozess in welchem eine Aufnahme in Ensemble geregelt wird: Sie bekommen Songs und Tabulaturen (heutzutage kann ja niemand mehr ein Musikstück nach Gehör nachspielen – Schande!) unserer Werke, welche sie nach entsprechender Übunsphase bei uns im Proberaum vortragen bzw. „performen“… und die Verwendung von Anglizismen ist doch wohl keineswegs Ketzerei – warum kommt Horst schon wieder mit der Säure-Pipette???!!!“

“Horst geht die Säure genauso wenig aus, wie mir die Fragen. Bei den hehren Vorbildern, die Sie uns genannt haben… wen habt Ihr Irren schon in Form eines Supports o.ä. belästigt?“

“Bei unserem Live Debut im Juni 2012 konnten wir bei einem Contest der Konkurrenz das Fürchten lehren und gleich den Support-Slot für Unearth gewinnen, mit denen wir dann eine Woche später eine Liveshow spielten. Unsere Album-Release Show spielten wir als Support bei einer The Sorrow-Liveshow – der Phobos-Funke sprang deutlich beobachtbar auf die ausgebuchte Halle über – die stoische Masse tobte einer grauen Schar hypnotisierter Zinnsoldaten gleich. Weiteres auf der Phobos-Grusel-Support-Liste: Heaven Shall Burn, Odessa, Wasted Bullet und der aufgehende Stern am Liechtensteiner Metalcore-Himmel „Taped.“

“Mir war gar nicht bewusst, dass Liechtenstein über einen Metalcore-Himmel verfügt. Dies wird die höchstmetallische Inquisition zu gegebener Zeit an anderer Stelle prüfen…Ich gebe zu, nun kommt eine Frage, die Sie sicherlich bereits erwarten haben, doch muss sie wie alle anderen gestellt werden und Horst und ich werden Sorge dafür tragen, dass sie so genau wie nur möglich beantwortet wird: Wann spielt Ihr in Deutschland?“

“Unser Deutschland-Debüt spielten wir bereits am 26.12.2012 beim Headbangers Ball „Metal Xmas“ im Club Vaudeville in Lindau. Die Teutonen scheinen Phobos aber vorerst deutlich auf Distanz halten zu wollen, die Älpler erwecken offenbar große Skepsis – ähnlich der Sepsis ihres Ätzebads, wenn ich das mal anmerken darf, werter Inquisitor! Brav und gewissenhaft haben wir unsere Bewerbungsinformationen für den „New Blood Award“ 2013 eingereicht, um – falls ich die Inquisition überlebe – wieder Live nach Deutschland zurückzukehren und eventuell sogar auf dem Summer Breeze Open Air unser Bühnen-Armageddon zu entfesseln.“

Entfesseln, ja – heute würde ganz gewiss das ein oder andere entfesselt werden. Das war so unumgänglich wie der Schmerz!

“Wie konntet ihr jemanden wie Andy Classen verpflichten, das Album aufzunehmen? Welch‘ unseligen und verderbten Dinge habt Ihr getan, um ihn dazu zu bringen? Wie habt Ihr ihn verführt? Gebt zu, dass Ihr mit Holy Moses im Bunde steht!“

“Nein, nein, Herr Inquisitor – wir meiden alles Heilige und jeden, der Moses heißt! Angefangen hat alles mit einem Kürbis, welchen wir Herrn Classen in Form eines feinen Risottos in der rustikalen Küche seiner hauseigenen Musikerwohnung zubereiteten und ihn somit buchstäblich „einkochten“… Auaaaahhh – nicht das kochende Wasser – Horst, solltest du die Quälbefehle nicht ausschließlich vom Inquisitor empfangen? Ok, ich gebe zu, das mit dem Kürbisrisotto hat Andy Classen nicht überzeugt. Wir haben ihm ganz einfach unsere Recordings vom Proberaum, sprich die einzelnen Spuren zu den Tracks, geschickt. Er hat die für gut befunden und uns einen Termin fürs Mischen und Mastern zukommen lassen. No Mis und Simon Reeds haben uns bzw. sich dann im November 2012 vier Tage im Stage One Studio bei Andy Classen eingemietet, gekocht, gesoffen und Super Mario Kart gespielt und Andy hat in der Zwischenzeit das Album fertig gestellt. Videobeweis: hier! Und verglichen mit Herrn Classens Arbeitsmoral und Disziplin ist die Härte und Konsequenz ihrer Folter – sorry – Inquisition ja das reinste Zuckerwatte…“

“Zuckerwatte? Es wird Sie gewiss dazu bringen, Ihre Einstellung zu Watte ganz grundsätzlich noch einmal zu überdenken, wenn ich Ihnen die Geschichte von dem Mann erzähle, den Horst über viele Monate hinweg tagein tagaus mit Wattebäuschen beworfen hat… das ist eine zunächst sehr fröhliche Geschichte… aber lassen wir das. Uns, der höchstmetallischen Inquisition, wäre Unrecht getan, erhöben Sie nach der Befragung den Vorwurf, dass wir sämtlicher Gnade abhold seien. Da Sie bereit waren, uns so beredt und ausführlich Frage und Antwort zu stehen, auch wenn Ihnen das tatsächliche Stehen in den nächsten Jahren nur unter unglaublichen Schmerzen möglich sein wird, sollten Sie an dieser Stelle die einzigartige Gelegenheit erhalten, der werten Leserschaft, derentwegen wir die Wahrheit erfragten und folglich hörten, Ihre Kapelle schmackhaft zu machen.“

Dies war womöglich die größte Folter: Das Säen von Hoffnung, das Hegen und Pflegen der zunächst nur zögerlich wachsenden Halme, nur um Sie zu gegebenem Zeitpunkt gnadenlos niederzumähen. Der Befragte machte freudig Gebrauch von dieser so einzigartigen Gelegenheit:

… wem die Geschichte hier Lust auf mehr macht… kann sich seine audiovisuelle Tracht Prügel jederzeit bei einer THE PHOBOS ENSEMBLE-Liveshow lebendig und in Farbe abholen. Dort erwarten Euch konzertante Torturen und Blastgewitter unter dem Motto „Knüppel aus dem Sack“, für Hartgesottene auch gerne „Knüppel auf den Sack“. Die Permanent-Windmühle des ENSEMBLES paralysiert die Zuschauer von der Bühne aus um eure Trommelfelle mit den Harmonien des dreizehnten Tons systematisch zu perforieren – ein Erlebnis der Sonderklasse, für das in speziellen Kreisen sehr hohe Summen geboten werden würde. Eure blutig geschundenen und vernarbten Körper könnt Ihr dann in THE PHOBOS ENSEMBLE-T-Shirts hüllen. Alle Live-Termine der Angstkapelle findet Ihr unter www.facebook.com/the.phobos.ensemble Wer sich den exquisiten THE PHOBOS ENSEMBLE-Erstling namens „Lux Aeterna als Instant-Inquisition direkt nach Hause holen möchte oder sich auch gerne mit der mobilen PHOBOS-Folter selbst geißelt, kann unser Album jederzeit online auf allen gängigen Plattformen wie i-Tunes oder Amazon erwerben. Die Scheibe spaltet nicht nur die Meinung der Kritiker, sondern auch Eure neuronale Ohren-Hirn-Verbindung und die bisher da gewesenen Metal-Genre-Konventionen. Dieses akustische Gustostückerl darf sich keiner entgehen lassen. THE PHOBOS ENSEMBLE – „Lux Aeterna“ – das absolute „Must have“. Vom Old-School-Thrash-Junkie über Mathcore-Nerd bis hin zum schicken Emo-Straight-Edge-Narzist in schwarz – für jeden ist was dabei, garniert mit einer Prise Arsen für den langsamen, zunehmend brennenden Schmerz. Alternativ kann man sich auch direkt mit der CD selbst an deren stumpfen Kanten ritzen – erhältlich bei jeder Liveshow und via Email-Order an Simon Reeds. Social Media Dope mit Epilepsie-Garantie offerieren wir den Abonnenten unseres Youtube-Kanals gratis und um sonst! Eine geballtere Ladung an weißem Metal-Rauschen bietet kaum eine andere Band an, selten versorgt euch ein Act so verlässlich konsequent mit musikalischer und multimedialer Perseveration wie THE PHOBOS ENSEMBLE. Alle Videos unter www.youtube.com/thephobosensemble – schreibt Euch ein!“

Ja, hier war doch eine beachtliche Zahl an kleinen Hoffnungspflänzchen gesetzt, die letztlich darauf warteten, mit Stumpf und Stiel ausgerottet zu werden. Fürs Erste sollte das hier reichen…

Der Befragte würde entlassen werden, er würde ein paar hübsche Platten aufnehmen, live spielen – womöglich gar in Deutschland – und dann folgte nächtens ein Besuch von Horst; ein Sack über den Kopf, Eisen an die Handgelenke… und ein entsetzliches Wiedersehen in diesem Verlies.

“Wie befreiend es ist, nun die Wahrheit gesagt zu haben, nicht wahr, hehe. Verzeihen Sie bitte meine Wortwahl. Die höchstmetallische Inquisition hat alles erfahren, die ganze Wahrheit. Fein! In Ihrem speziellen Falle verzichten wir auf die Übergabe an die weltliche Gerichtsbarkeit und drücken noch einmal alle Hühneraugen zu. Bitte halten Sie sich aber zur Verfügung, falls die ein oder andere Frage hinsichtlich eines etwaigen zweiten Longplayers anfallen sollte…“

10.04.2013

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