Thornesbreed
Interview mit Thornesbreed

Interview

Thornesbreed

Nach langer Pause melden sich THORNESBREED mit der Mini „273.15 Degrees Below Zero“ eindrucksvoll zurück. Fünf Jahre sind seit dem Debüt vergangen, und bei den Zwickauern hat sich einiges getan – die Musik allerdings ist immer noch fantastisch. Gitarrist und Sänger Sermon blickt auf die letzten Jahre zurück und bringt uns auf den neuesten Stand.

Schöne Grüße nach Zwickau! Wie geht’s, wie steht’s, schon alle Geschenke fürs Julfest besorgt?

Gruß nach Finnland! Hör mir doch auf mit dem Scheiß – ich werde die letzten Zuckungen des verrinnenden und die ersten Atemzüge des neuen Jahres irgendwo in einer Hütte am See in einem Wald in Schweden verbringen, und da sind mir Feste jeglicher Art vollkommen egal. Aber sonst geht’s gut, es gibt nichts zu klagen.

Seit Eurem Debüt sind mittlerweile fünf Jahre vergangen. Was habt Ihr die ganze Zeit getrieben? Habt Ihr eigentlich das Gefühl, nach so langer Zeit fast bei Null anfangen zu müssen oder hofft Ihr, dass sich der eine oder andere noch an Euch erinnert?

Ja, was haben wir getrieben? Wir haben jede Menge neues Material geschrieben, Teile wieder verworfen, wieder neue Sachen geschrieben… und so weiter. Nach „The Splendour…“ hatten wir ja keinen neuen Vertrag und dementsprechend kein direktes Ziel vor Augen oder, besser gesagt, keinen genauen Zeitplan. Zwar hatten wir schon vor, möglichst bald ein zweites Album aufzunehmen, aber es fehlte labeltechnisch ganz einfach eine Perspektive. Und wie es schien, war auch niemand so wirklich interessiert. Aber es gab auch Positives – nach dem Debüt, das wir ja ohne festen Bassisten eingespielt hatten, interessierte sich da jemand für unsere Musik und den zum damaligen Zeitpunkt seit drei Jahren vakanten Platz am Bass. Eva ist dann 2004 aus der Lausitz nach Zwickau gezogen, um bei uns einzusteigen. Wir waren und sind sehr froh darüber, denn sie passt musikalisch und menschlich perfekt zu THORNESBREED. Das ewige Warten hatte sich also gelohnt. Erwähnen sollte ich vielleicht auch, dass ich kurz nach „The Splendour…“ mein Studium abgeschlossen und direkt danach ein eigenes Architektur- und Designbüro gegründet hatte. Nach wie vor arbeite ich recht viel, um damit meine Brötchen zu verdienen, und die Zeit für die Musik ist sehr eng bemessen. Das hat aber eben auch die Kehrseite, dass viele der Aufgaben, die ich in der Band inne hatte und habe, etwas zu kurz kamen und es somit leider fast zwangsläufig etwas stiller um uns werden musste.
Möglich, dass es jetzt ein Neuanfang fast bei Null ist. Ich denke aber schon, dass wir nicht vergessen sind, wir sind nur einfach etwas aus dem Blickfeld geraten. Aber mal ganz nüchtern betrachtet: ich finde das persönlich nicht dramatisch. Wir haben noch nie unbedingt an Profilneurose gelitten oder Ambitionen auf ein Rockstarleben gehabt. Und da wir uns musikalisch und menschlich treu geblieben sind, wird man uns auch sofort wiedererkennen, denke ich.

Bevor wir zu Eurem neuesten Werk kommen, lass uns noch kurz auf „The Splendour Of The Repellent“ zurückblicken. Wie seid Ihr aus heutiger Sicht mit der Scheibe zufrieden? Und wie wurde das Teil damals allgemein aufgenommen, was hattet Ihr für Reaktionen?

„The Splendour…“ war unser erstes Album – es stellt einen Entwicklungsstand dar und ist für unsere damaligen Verhältnisse etwas sehr Vorzeigbares gewesen. Trotzdem – aus heutiger Sicht würden wir vieles anders machen, was man auf der jetzt fertigen MCD auch klar erkennt. Das etwas sehr vertrackte, teilweise überambitionierte Riffing und die sehr schwer verständlichen Songstrukturen lassen das Ganze aus heutiger Sicht etwas zu verkopft erscheinen. Mit der Zeit haben wir gelernt, dass es das gar nicht braucht und die Musik durch gut plazierte Riffs mit mehr Freiraum noch finsterer und brutaler werden kann und man vor allem auch mehr Atmosphäre schaffen kann. Nichtsdestotrotz ist das Album gut angekommen, jedenfalls waren die Kritiken von verhalten gut bis hochlobend. Über mangelnden Zuspruch konnten wir uns jedenfalls nicht beklagen.

Nach fünf Jahren ist Euer erstes Lebenszeichen nun eine MiniCD zu Promozwecken. Warum nicht gleich ein komplettes Album? Material müsstet Ihr doch genug haben, oder?

Material haben wir in der Tat genug. Ich denke, ein vollständiges Album wäre zum jetzigen Zeitpunkt kein Problem. Das war einfach eine Frage des Budgets. In Ermangelung eines Labels hatten wir uns dazu entschieden, das Ganze in Eigenregie zu machen. Zwar wurden wir sehr stark unterstützt mit dem Bereitstellen von Aufnahmetechnik, aber die Kosten für Mix und Mastering hatten einfach in einem gewissen Rahmen zu bleiben. Außerdem mochten wir nicht gleich das ganze neue Pulver verschießen. Die Promo-MCD soll den Labels zeigen, wo wir stehen und uns dabei helfen, einen neuen Vertrag zu bekommen. Und dann gibt’s definitiv auch mehr.

Die neuen Lieder sind etwas simpler als das alte Zeug, und auch dem Black Metal habt Ihr ordentlich Platz eingeräumt. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Wie gesagt, mein Zeitrahmen für die Band ist sehr eng. Das führte dazu, dass ich meinen Part beim Songwriting mehr oder weniger komplett an Faust abgegeben habe. Anfangs war das problematisch, aber inzwischen hat sich das gut eingeschliffen. Ich habe damit auch kein Problem, da es im Grundsatz bei THORNESBREED keine Fragen gibt, was die musikalische Marschrichtung angeht. Jedenfalls hat er nun fast alles auf der MCD Hörbare geschrieben und dementsprechend ist auch mehr aus seinem Bauch und Hirn enthalten, was man deutlich hört, was aber auf keinen Fall eine Änderung unseres Stils darstellt. Und dem Black Metal waren wir ja noch nie abgeneigt. Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass wir mehr und mehr den Kanal voll hatten von der zeitweise schon fast unerträglichen Übermüllung der Szene mit Turnschuh-Deathmetal-Partybands. Wir waren und sind auf der Suche nach wirklich starker Emotion in Form von akustischer Finsternis und Brutalität, und dem sind wir mit „273.15 Degrees Below Zero“ auch wesentlich näher gekommen, finde ich.

Aus welchem Zeitraum stammen eigentlich die Stücke auf der MCD? Anders gefragt: Ist die MCD eher ein Dokument Eurer Entwicklung in den letzten Jahren oder eine Momentaufnahme?

Die MCD ist definitiv als Dokument der Entwicklung von THORNESBREED zu sehen. Die Stücke sind teilweise schon mehrere Jahre alt, nur hat sie eben noch keiner gehört. Immerhin haben wir uns ja auch in Sachen Livepräsenz mehr als nur rar gemacht. Trotzdem – selbst beim ältesten Stück auf „273.15 Degrees Below Zero“, das nicht lang nach dem Debütalbum entstand, ist bereits zu hören, dass wir uns nach dem ersten Album doch weiterentwickeln wollten und konnten.

In Sachen Mix und Mastering finden sich im Booklet und bei Myspace widersprüchliche Informationen. Versteckt sich dahinter eine saftige Geschichte, oder hat das ganz triviale Gründe? Und natürlich: Wo hat das Ganze nun tatsächlich stattgefunden?

Schade, jetzt kann ich natürlich nicht mit einer saftigen Geschichte dahinter glänzen, denn die Angaben sind nicht wirklich widersprüchlich. Fakt ist: Nachdem wir das Material auf Band aufgenommen hatten, haben wir die Sachen digitalisiert. Patrick W. Engel aka Angel Of Death hat die Sachen dann in Triptis gemixt und gemastert. An dieser Stelle sei auch nochmal ein riesengroßer Dank an Angantyr von ORLOG ausgesprochen, der uns bei der Digitalisierung und den Gesangsaufnahmen sehr geholfen hat.

Ihr seid offensichtlich nicht mehr bei Animate Records. Gibt es dafür spezielle Gründe, oder habt Ihr Euch schlicht „auseinandergelebt“? Wie zufrieden wart Ihr mit der Unterstützung und Promotion für „The Splendour…“?

Über die Arbeit von Animate Rec. gab es bei „The Splendour…“ nichts Schlechtes zu sagen, und wir waren auch zufrieden damit. Aber ich drücke es mal so aus: das Angebot, das man uns da kurz nach dem Debüt gemacht hat, war schlichtweg mehr als inakzeptabel für uns. Näher möchte ich darauf nicht eingehen, ich denke bei Animate weiß man, wovon ich spreche.

Momentan seid Ihr ja auf Labelsuche. Bei was für einer Firma würdet Ihr gern unterkommen? Welche Größenordnung peilt Ihr an? Ist es von Bedeutung, was das Label sonst so rausbringt? Gibt es Traumkandidaten?

Du stellst Fragen… Erst einmal sind wir keine Band mit den Voraussetzungen, sich eines der Schlange stehenden Labels aussuchen zu können. Klar gibt es Adressen, die einem gut passen würden, aber ich möchte an dieser Stelle jetzt keine Namen nennen. Wir werden die MCD an alle Labels schicken, mit denen wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen können. Ganz unwichtig ist uns dabei nicht, wen man da noch unter Vertrag hat. Immerhin möchten wir uns mit dem entsprechenden Label auch identifizieren können und keine Labelmates haben, deren Musik einem Gehirnschmerzen bereitet. Außerdem sagt so etwas ja auch viel darüber aus, wie und in welche Richtung die Promotion läuft. Und wir haben einfach keinen Bock mehr, uns auf irgendwelchen Grindcore-Konzerten zum Affen zu machen, und wir möchten gern diejenigen Leute mit unserer Musik erreichen, deren Einschätzung selbiger nicht bei der Bewunderung und Analyse von Geschwindigkeiten oder der Tiefe des Stimme aufhört.

Wenn Ihr eine passende Firma findet (was nicht so schrecklich lange dauern sollte), dann werden bis zum nächsten Album sicher nicht wieder fünf Jahre verstreichen. Plant Ihr, die Promomini zu recyclen, um mit dem Album schneller fertig zu werden, oder wird es komplett neues Material geben? Stilistisch ist sicher nicht mit allzu großen Änderungen im Vergleich zur Mini zu rechnen, richtig?

Das kommt darauf an, was das Label sagt – wenn sich denn eines finden sollte. Wir verkaufen die MCD vorerst nicht und suchen nun ein Label, das die MCD richtig „offiziell“ rausbringt und sich um den Vertrieb kümmert. Ich denke, da wir von der Aufnahme bis hin zur Covergrafik alles komplett fertig haben und es im Wesentlichen nur noch um die Pressung und den Vertrieb geht, ist das kein allzu schlechtes Angebot an die Labels. Natürlich müssen sie das erstmal zu hören bekommen, aber das wird in Kürze passieren.

Wie klingt eigentlich Musik bei -273.15 Grad? Kann man bei derlei Temperaturen überhaupt Musik hören, oder werden einem die Ohren zu kalt?

Du stellst die Frage falsch. Richtig wäre: „Wie klingt eigentlich -273.15 Grad kalte Musik?“. Aber jetzt, wo Du die MCD gehört hast, weißt Du das ja.

Da Ihr nur eine Mini gemacht habt, wollen wir auch dieses Interview nicht endlos in die Länge ziehen. Willst Du noch irgendwas loswerden, bevor wir Schluss machen? Kann man die Mini eigentlich als Normalsterblicher erwerben, oder ist das Ding ausschließlich für Promozwecke gedacht?

Erstmal ist das Ganze nur eine Promo. Aber wir hoffen, bald ein Label gefunden zu haben, das die MCD rausbringt. Und spätestens dann wird sie für alle erwerbbar sein.
Gut. Lass uns Schluß machen. Ich danke dir für das Interview und schicke schöne Grüße in das hoffentlich ordentlich verschneite Finnland (Momentan leider kein Schnee in Helsinki. -Ed.). Zum Schluss will ich mich noch einmal bei allen bedanken, die uns bei der Aufnahme von „273.15 Degrees Below Zero“ behilflich waren. Ansonsten: bis später und weiterhin viel Erfolg bei metal.de!

 

(Nachtrag Juni 2011: Das Minialbum „273 Degrees…“ ist ab jetzt via Vama Marga auf Vinyl erhältlich. -Ed.)

08.12.2008

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