Urgehal
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Interview

URGEHAL haben vor kurzem ihr sechstes Album “Ikonoklast“ auf den Markt gebracht. Das allein wäre schon Grund genug gewesen, sich mit Gitarrist ENZIFER zu unterhalten. Doch auch der Labelwechsel zu Season Of Mist stellt einen weiteren wichtigen Schritt für die Norweger dar.

UrgehalBeginnen wir direkt mit eurem Labelwechsel von Agonia zu dem wesentlich größeren Season Of Mist. Nachdem ihr eine ganze Zeit bei dem polnischen Label unter Vertrag standet, wieso jetzt der Entschluss zu wechseln? War schlichtweg euer Kontrakt ausgelaufen und ihr musstet ein neues Label finden oder gab es andere Gründe?

Sie haben uns das beste Angebot von ein paar Labels gemacht und zeigten großes Interesse an URGEHAL und außerdem ist etwas neues und frisches zu versuchen nicht ungewöhnlich. Nicht, dass wir Probleme mit Agonia gehabt hätten, wir haben immer noch guten Kontakt. Season Of Mist haben viele gute Bands und ich hab eine Menge gutes über sie gehört.

Habt ihr bereits eine Veränderung in der Arbeitsweise bei den beiden Label festgestellt und seid ihr zufrieden mit eurer Entscheidung, bei Season Of Mist zu unterschreiben?

Ja, wir haben den Unterschied bereits gemerkt. Sie sind ein größeres und auch besser organisiertes Label, was für uns eine völlig neue Art zu Arbeiten ist. Du hast mehrere Leute, die sich um ihren Anteil kümmern und das macht alles viel geordneter. Wir sind zufrieden mit SOM und freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit. Das Wichtigste für uns war, ein Label zu finden, welches seine Bands auch unterstützt und nicht nur Platten veröffentlichen will.

Soweit mir bekannt gab es auch einen Wechsel im Line Up. Euer langjähriger Drummer Uruz hat die Band verlassen. Warum diese Entscheidung nach so vielen Jahren und ist Renton jetzt fest dabei, oder such ihr immer noch nach einem neuen festen Mitglied?

Uruz hat sich entschlossen, uns nach elf Jahren des Wahnsinns zu verlassen. Er hatte, aufgrund seines Jobs und seiner Familie nicht mehr die Zeit uns zu 100% zu unterstützen – das war natürlich traurig. Aber wir respektieren seine Entscheidung und er wird mit uns als Session-Drummer arbeiten, wenn Renton nicht erreichbar ist. Uruz hat mit uns das Summer Breeze, das Barther Metal Open Air und das Wolfszeit Festival in diesem Jahr gespielt.

Renton ist seit Mai 2008 unser fester Drummer und wir sind sehr zufrieden mit ihm.

Um das direkt mit dem neuen Album zu verbinden. Uruz hat ja (noch) das Album mit eingespielt bis auf „Kniven Rider Dypt I Natt“, welches Renton einspielte. Waren die anderen Songs bereits fertig aufgenommen oder war es damals noch der Wunsch, mal einen anderen Drummer spielen zu lassen?

“Ikonoklast” wurde zusammen mit Uruz arrangiert und wir haben einige Proben und Vorabaufnahmen zusammen gemacht. Aber zu der Zeit war er mit seinem neuen Job beschäftigt und so waren wir gezwungen, die Studioaufnahmen bis Ende November zu verschieben. Wir wollten das Album mit Uruz machen, weil er das Material schon kannte. Aber wir wollten auch, dass Renton das Schlagzeug für einen Song aufnimmt, da er ja ein vollständiges Mitglied ist.

Ich finde „Ikonoklast“ ist ein ziemlich typisches URGEHAL-Album, was sicherlich erfreulich ist, doch gibt es auch ein paar Änderungen zu „Goatcraft Torment“, welche mir z.B. bei „Astral Projection Of Rabit Hell“ aufgefallen sind. Der Song weist teilweise Ähnlichkeiten zu ANGST SKVADRON auf, Absicht oder Zufall? Und wo siehst du die Hauptunterschiede zwischen den beiden Alben?

Ja, ich denke wir haben es geschafft, dieselbe Art, wie auf “Goatcraft Torment” beizubehalten, ohne zu gleich zu klingen. Der Song wurde gemacht, bevor Trondr Nefas mit ANGST SKVADRON begann, daher ist es keine Absucht. Das Opening-Riff könnte etwas ähnlich sein, aber im Gesamten nicht.

Ich würde sagen, “Ikonoklast” hat einen anderen Ansatz und eine andere Atmosphäre und ein bisschen mehr Variationen. Die schnellen Parts sind auch schneller, verglichen zu “Goatcraft Torment”, aber ich sehe nachwievor die Verbindung beider Alben.

Um mal bei dem direkt Vergleich „Goatcraft Torment“ und „Ikonoklast“ zu bleiben. Ersteres war ein absoluter Brecher in Sachen traditionellen Black Metals, welcher nur schwer zu toppen sein dürfte, denkst du das gelingt euch mit „Ikonoklast“ oder spielt das keine größere Rolle für euch?

Jedes Album ist ein wichtiges Monument in unserer Existenz. Wir haben nie auf diese Art darüber nachgedacht, weil wir das unseretwegen machen und uns darauf konzentrieren, qualitativen Black Fucking Metal zu machen – wie wirs immer gemacht haben.

Eine Frage zu den Lyrics, welche uns als Presse nicht vorliegen. Folgt „Ikonoklast“ einem bestimmten textlichen Konzept? Schließlich steht der Titel ja für die Zerstörung heiliger Bilder oder Denkmäler der eigenen Religion.

Es war nicht geplant, ein Konzeptalbum zu machen, aber es gibt einen roten Faden in den Texten, welche auf dem norwegischen Titel “Ikonoklast” beruhen. Unsere Gedanke dahinter ist: Zerstörung des Heiligen. Ein primitiver, aber dennoch effektiver Titel. Du kannst ihn auf die heutige Gesellschaft beziehen.

Eine Frage, welche ich zwar als gewöhnliche Standardfrage abtue, mich aber trotz allem sehr interessiert, wie entstehen die Songs für ein URGEHAL-Album?

Trondr Nefas und ich schreiben die meisten unserer Songs einzeln und haben alles arrangiert, bevor wir das neue Material in den Proben einbringen. Wir probieren sie aus und manchmal werden Dinge durch bessere Ideen ersetzt. Er ergänzt außerdem seine eigenen Soli zu meinem Songs.

Ihr seid jetzt schon seit Anfang der 90er dabei und dem Underground trotz allem treu geblieben, während andere Bands dieser Tage ihren Stil ziemlich geändert haben und auch wesentlich bekannter geworden sind. Mir gefällt diese Einstellung sehr gut, zumal ihr eine der wenigen norwegischen Truppen seid, bei denen ich bedenkenlos ein Album kaufen kann. Aber wie siehst du die Entwicklung all dieser ehemals wirklichen Black Metal Bands hin zu mehr Experimenten wie Black N‘ Roll, Avantgarde oder auch mehr Keyboards?

Sie können machen, was sie wollen, aber es ist traurig, zu sehen, dass großartige Bands draufgehen. Und es ist nicht das Problem, Keyboards zu nutzen, sondern was dabei herauskommt.

Ich muss gestehen, dass ich mich schäme, dass die meisten, der einst qualitativ hochwertigen norwegischen Black Metal/Metal -Szene sich zu einer inzestiösen, dreckigen und geldgierigen Industrie gewandelt haben. Es inspiriert mich noch mehr, unsere Krankheit zu verbreiten und wir sollten die guten Bands nicht vergessen: Taake, Koldbrann, Beastcraft, Orcustus, Carpathian Forest, und Vulture Lord, um ein paar zu nennen.

Wie du schon sagtest, gibt es uns seit 17 Jahren und wir haben immer noch die gleichen Absichten wie damals, als wir anfingen. Vielleicht begreifen die Menschen, dass die treibende Kraft nicht Ruhm oder Geld ist, sondern persönlicher Ausdruck, Hingabe und Liebe zum traditionellen Black Metal. Es ist die Bewegung, die sich verändert, nicht URGEHAL.

Ihr spielt ja alle noch in verschiedenen Bands, wie bekommt ihr das alles unter einen Hut? Da stehen doch auch Proben, Live-Shows, Aufnahmen und nicht zu vergessen das Songwriting auf dem Plan. Ich stell mir das manchmal auch sehr stressig vor.

Ja, abgesehen von mir selbst, da ich beschlossen habe, mich auf URGEHAL zu konzentrieren. Trondr Nefas konzentriert sich auf seine andere Projekte, wenn wir nicht im Stress sind und beide, Lloyd und Renton spielen jeweils bei KOLDBRANN, SARKOM und TROLLFEST, aber bisher war das nie ein Problem.

Andererseits muss ich sagen, dass dabei sehr wenig schlechtes bei rausgekommen ist. Zumal sich zwischen allen Bands doch große Unterschiede finden, z.B. verfolgen ANGST SKVADRON und ENDEZZMA ein ganz anderes musikalisches Konzept. Welche der Veröffentlichungen aus Hønefoss war denn in den letzten Jahren die bedeutendste für dich?

KVIST’s “For Kunsten Maa Vi Evig Vike” ist zusammen mit VULTURE LORD’s “Profane Player” ein monumentales Album.

Ihr habt ja in diesem Jahr einige Festivals gespielt, darunter u.a. auch das Summer Breeze. Wie hat es dir dort gefallen und ziehst du eher kleinere Festivals (UTBS, Festung Open Air) den größeren, wie eben dem SB, vor?

Das Summer Breeze war ziemlich gut. Ich hasse es, während des Tageslichts zu spielen, aber wir spielten in einem brechend vollen Partyzelt, daher war die Atmosphäre perfekt. Wir haben nie vor mehr als 2500-3000 Leuten gespielt, daher weiß ich nicht wie es ist, auf einem Festival mit 10000 Menschen zu spielen. Ich bevorzuge eine intime Atmosphäre mit einer nahen Verbindung zum Publikum, aber wenn die Menge eins mit uns ist, sehe ich kein Problem darin. Es geht nur um die Atmosphäre, nicht um die Anzahl der Leute.

Das neue Album erscheint im November, gibt es denn bereits konkrete Pläne für eine Tour, welche euch vllt. auch mal wieder in die Clubs nach Deutschland führt?

Wir sind gerade von unserer ersten US-Tour zurück, welche eine großartige Erfahrung war. Wir haben darüber gesprochen, eine Europatour irgendwann nächstes Jahr zu machen. Es wird auch verdammt Zeit; letztes Mal waren wir zusammen mit TAAKE und KOLDBRANN unterwegs – das war 2007. Etwas, dass wir gern wiederholen würden.

Was ich natürlich nicht ganz außen vor lassen möchte, ist die Wiederveröffentlichung eurer Demos inklusive Live-Aufnahmen vom UTBS 2008 via Folter Records. «Rise Of The Monoment» ist ja bereits erschienen, aber wie fiel die Entscheidung auf Folter Records bzw. überhaupt die Songs wiederzuveröffentlichen.

“Rise Of The Monument” wurde 2006 auf Picture LP via Agonia Records veröffentlicht und ist ausverkauft. Wir haben uns entschieden, es nochmals zu veröffentlichen, da uns Anfragen von einigen Leuten im Laufe der Jahre erreichten, welche es auf einem einfacheren Format haben wollten – wie einer CD. Die Veröffentlichung ist nur für unsere wahren Fans und nicht für Ersthörer. Die Produktion ist harsch und dreckig, mit unvergesslichen Erinnerung an die Mittneunziger. Jörg von Folter Records war immer ein guter Freund und er organisierte mit Roter von der Festung (Festung Bitterfeld anm.d.R.) den ersten Urgehal-Gig in Deutschland. Hail! Daher war es perfekt für uns.

Die Aufnahmen vom UTBS 2008 sprechen für sich selbst. Es ist ein destruktives, buchstäblich in Blut und Akohol getränktes, Ritual. Mannevond hat seinen Bass beim letzten Song in zwei Stücke gebrochen und ich habe ihn beim Headbangen knapp über dem Auge mit einer Spitze erwischt. Daher ist das Blut, welches du in seinem Gesicht siehst, eine Mischung aus Schweineblut und seinem eigenen.

Vielen dank an dich für das Interview, ich hoffe du hattest ein bisschen Spaß beim Beantworten. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Danke dir für das Interesse und die Unterstützung an/für URGEHAL! Es war mir ein großes Vergnügen, Jan.

Ich möchte noch all unseren Gefährten und Anhängern danken; “Ikonoklast” ist wahrhaftig für euch und die übrigen Bands. Ihr wisst, wer gemeint ist! Hail Satan!

27.11.2009

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