Chris Harms
Welttournee durch Hamburg

Konzertbericht

Billing: Chris Harms und Alienare
Konzert vom 03.10.2026 | Markthalle, Hamburg

Dass CHRIS HARMS überhaupt Zeit hat, neben dem vollen Veröffentlichungs- und Tourplan von LORD OF THE LOST weitere Musik zu machen, ist beeindruckend. Mit „1980“ veröffentlichte der multitalentierte Musiker Anfang 2025 sein erstes Soloalbum, und kommendes Jahr erscheint mit „Aporia“ am 22. Januar – Harms‘ 47. Geburtstag – das zweite. Nebenher schreibt er am zweiten „Weapons Of Mass Seduction“-Album, und die ersten Pläne für den nächsten Albumzyklus seiner Hauptband hat er ebenfalls schon erdacht.

Kein Wunder also, dass es mit seinen Solosongs keine umfangreiche Europatour gibt. Nach einem Auftritt 2025 auf dem M’Era Luna Festival legt der Hamburger nun nach und gibt zwei Gastspiele in seiner Heimatstadt. Eines fand am 2. Oktober im Grünspan statt, tags darauf ging es in die ausverkaufte Markthalle. Wir haben uns auf den Weg gemacht, das wegen der Einheitsfeier überfüllte Bremen zu verlassen und nach Hamburg zu tingeln, um dem Konzert beizuwohnen.

ALIENARE sind mehr als ein Support-Act

Musikalisch passend eröffnet die Synth-Pop-Band ALIENARE den Abend. Einige Fans der Gruppe sind anwesend, was sich anhand diverser T-Shirts im Publikum leicht erkennen lässt. Dementsprechend herzlich fällt der Empfang für die Hannoveraner um Sänger Tim Schulschenk alias T. Green aus. Dieser hat eine ruhige, angenehme Stimme, die er etwas häufiger lauter werden lassen könnte.

Dazu gesellen sich Schlagzeuger T. Drmx und Keyboarder T. Imo. Zu dritt machen die Herren eine gute Figur und präsentieren die größten Hits ihres bisherigen Schaffens sowie einen Vorgeschmack auf das kommende Album „We Come In Peace“. Der Sound ist basslastig, aber die Synth-Melodien kommen gut durch. Die Lieder laden zum Tanzen und Klatschen ein, und die Band mit Schulschenk vorneweg ist oft am Grinsen und freut sich über den Zuspruch.

Für den Frontmann schließt sich heute Abend ein Kreis, denn eines seiner ersten Konzerte in väterlicher Begleitung war ebenfalls in Hamburg, wo er die Band LORD live sah, damals noch ohne „OF THE LOST“. Nun tritt er mit ALIENARE vor CHRIS HARMS auf.

Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, als Keyboarder T. Imo zum Song „Move“, der heute Abend „Moin“ heißt, das Mikrofon übernimmt und ein kleines Mitsingspiel zu „I Like To Move It“ anstimmt. Nach dem erfolgreichen Gig ist die Band im Foyer der Markthalle für Autogramme und Gespräche zu haben.

CHRIS HARMS hat nicht nur sein Soloalbum dabei

Für LORD OF THE LOST ist die Markthalle mittlerweile zu klein, doch für CHRIS HARMS solo reicht es noch. Als der charismatische Sänger die Bühne betritt, explodiert der Applaus, und Harms und seine Kollegen Niklas Kahl am Schlagzeug (ebenfalls LORD OF THE LOST), Corvin Bahn am Keyboard und Niklas Turmann an diversen Gitarren legen direkt mit der ersten Überraschung los: Kein „1980“-Song eröffnet den Abend. Stattdessen bekommen wir „Now Or Never“ von Harms‘ alter Band UNTERART zu hören.

Danach geht es mit einigen Liedern von „1980“ erst einmal zurück in modernere Gefilde. Harms betont dabei stets, dass zwar überall sein Name dick steht, aber nichts an diesem Abend ohne die Hilfe von Freunden und Kollegen möglich gewesen wäre. Die kurzweiligen und sympathischen Ansagen sind lockerer als bei seiner Hauptband und passen gut in den familiären Abend.

Nach „Madonna Of The Night“ (leider ohne Feature von Sven Friedrich von SOLAR FAKE) geht es zurück in die Vergangenheit, und CHRIS HARMS stimmt einige UNTERART-Songs an, die teilweise schon knapp 30 Jahre alt sind, wie er erschrocken bemerkt. Die Zeit bleibt für niemanden stehen, und der Sänger hat sich stimmlich wie körperlich in Form gehalten, was sein Outfit in Form eines weißen Anzugs mit Adamskostüm darunter belegt.

Große Fans von Harms‘ Œuvre erinnern sich noch daran, dass er unter dem Namen HARMS & KAPELLE 2014 ein Album namens „Nach Uns Die Sinn Flut“ veröffentlicht hat. Das Ding ging damals in Richtung „Gothic Country“, und wir hören daraus (zum ersten Mal?) den Titelsong live. Die nächste Überraschung folgt auf dem Fuße: Zum UNTERART-Song „The Antagonist“ kommt Harms‘ alter Weggefährte Grigory Feil auf die Bühne und spielt Gitarre.

Doch wir schauen nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft: CHRIS HARMS hat zwei Songs seines kommenden Albums „Aporia“ mitgebracht. Insbesondere „Find What You Love And Let It Kill You“ überzeugt mit seinem dissonanten Refrain.

Nach „The Grey Machines“ (leider ohne Ronan Harris von VNV NATION) verabschiedet sich der „Lord“ mit einem letzten Stück, dessen Titel er den Anwesenden widmet: „I Love You“. Anschließend verabschiedet er sich unter lang anhaltendem Beifall von der Bühne.

Es ist klar, dass CHRIS HARMS beim vollen Terminplan von LORD OF THE LOST nur wenige Shows geben kann – nächstes Jahr wird es lediglich eine beim Amphi Festival sein. Deshalb sind wir froh, die rare Headlinershow miterlebt zu haben, und freuen uns, wenn sich die Gelegenheit mal wieder ergibt.

05.10.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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