Das Ich
live in Bielefeld

Konzertbericht

Billing: Das Ich und Mystigma
Konzert vom 2014-12-21 | Movie, Bielefeld

DAS ICH

Das Ich

Die Vorfreude auf DAS ICH ist an diesem Abend somit noch größer als ohnehin schon. Nach kurzer Umbaupause (das Schlagzeug der Vorband verschwindet komplett und die mobilen Tasteninstrumente von DAS ICH erhalten Einzug) geht es mit „Kannibale“ direkt in die Vollen. Als Live-Unterstützung hat das Duo Kramm/Ackermann Keyboarder Johannes Thon mitgebracht, der sich nahezu den gesamten Abend, ob gewollt oder nicht, in Lethargie übt und nur selten Regungen zeigt. Die Protagonisten, allen voran Stefan, präsentieren sich dafür umso agiler. Wahnsinn, was der gute Herr an diesem Abend abfeuert. Würde man nicht um die eingangs geschilderte Leidensgeschichte wissen, wäre fast kein Unterschied zu damaligen Konzerten zu vernehmen. Das mittlerweile ganz ordentlich vertretene Publikum zeigt sich anfangs jedoch noch zurückhaltend: Auf die Frage, ob es stimmen würde, dass Bielefeld nicht existiert und die Anwesenden lediglich Statisten seien, folgt keine Reaktion. Hypothese anscheinend bestätigt. Doch die Szene-Veteranen lassen sich nicht zweimal bitten, ein energisches „Kommt ein bisschen näher“ und ein paar lustige Sprüche später (Stefan: „Das Essen kam definitiv zu spät“; Bruno, während er versucht das lästige Ende einer Paketbandrolle zu finden: „Heute noch mit dem Veranstalter darüber gesprochen, wie großartig doch Gaffa Tape sei.“) kommt Bewegung ins Spiel. Besonderes Schmankerl für Fans der kompletten Diskografie: Von jedem Langspieler der Band ist mindestens ein Song auf der Setlist vertreten ist. Der wiedergenesene Frontmann schont sich dabei kein Stück, zieht Grimassen, bindet immer wieder das Publikum ein und bringt seine Texte gnadenlos eindringlich rüber. Manch einer mag sich fragen, wie so etwas möglich sei. Während „Unschuld Erde“ folgt dann postwendend der Schock, Stefan verlässt ungeplant und fluchtartig die Bühne. Die Unsicherheit macht sich nicht nur im Publikum breit, auch die übrig gebliebenen Musiker wirken ratlos, spielen den Song jedoch vorerst zu Ende, verschwinden dann aber auch. Nach wenigen Minuten die Erleichterung, das Trio kommt zurück. Stefan verliert ein paar Wort über seine Situation: Da immer noch das Risiko einer Hirnblutung gegeben sei und ihm schwarz vor Augen geworden ist, habe er vorsichtshalber die Bühne verlassen. Safety first also, so soll’s sein. Für den Zugabenblock wird verständlicherweise ein Gang tiefer geschaltet. „Destillat“ und „Gottes Tod“ erzielen dennoch wie gewohnt ihre volle Wirkung und lassen ein zufriedenes Publikum zurück. Toller Jahresabschluss, bei dem die ansonsten häufig leere Worthülse „Alles Gute und viel Gesundheit für’s neue Jahr“ nicht besser passen könnte und vor allem ernst gemeint ist.

Das Ich

Setlist DAS ICH:

  • Kannibale
  • Kain & Abel
  • Keimzeit
  • Kindgott
  • Der Schrei
  • Erde Ruft
  • Die Propheten
  • Das dunkle Land
  • Schwarzes Gift
  • Re-Animat
  • Unschuld Erde
  • Uterus
  • Destillat
  • Gottes Tod

Text: Richard Mertens , Fotos: Steffi Schaaf (mehr unter Independent Sounds)

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31.12.2014

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