
"Eingenordet"-Tour 2026
Goldige Zeiten mit Versengold und Kupfergold in Fürth
Konzertbericht
VERSENGOLD bringen alle Mägen vor der Bühne in Wallung
In der kurzen Umbaupause zeigt sich, dass das aktuelle VERSENGOLD-Backdrop für die ganz großen Festivalbühnen konzipiert zu sein scheint. Für die Fürther Stadthalle ist es hingegen reichlich überdimensioniert und muss so weit unter die Hallendecke gezogen werden, dass nur die untere Hälfte überhaupt sichtbar bleibt. Auch sonst lassen sich VERSENGOLD in Sachen Deko nicht lumpen und bringen einen an das aktuelle Albumcover angelehnten Fischkutter auf die Bühne. Und wo mit Blitzlichtgewitter und Pyro-Effekten nicht gegeizt wird, darf natürlich auch der Sound nicht nachstehen: Die ersten Takte des Openers „Der Tag Mag Kommen“ treiben den Bass dermaßen in die übel wummernde Übersteuerung, dass er alle Mägen vor der Bühne bis zur Kotzgrenze aufwühlt.
Nachdem dieses Problem jedoch gelöst ist und die Mischpultregler alle in verträglichere Gefilde zurückbewegt worden sind, steht einem gelungenen Konzertabend nichts mehr im Weg. VERSENGOLD sind in bester Spiellaune und haben eine gute Mischung aus alten und neuen Liedern im Gepäck. Zwar verlässt sich die Band bei der Songauswahl etwas zu sehr auf die offensichtlichen Schunkelhits von der „Klabauterfrau“ über „The Devil Is A Barmaid“ bis hin zum „Thekenmädchen“. Dazwischen findet sich aber auch immer noch ausreichend Platz für die eine oder andere tiefer schürfende Komposition.
In seiner ersten großen Ansage holt Sänger Malte Hoyer extrem weit aus und beschreibt seine Erfahrungen mit Ahnenforschung und der eigenen Familiengeschichte, um dabei – und hier gibt es einen weiteren augenzwinkernden Gruß an Hotze Knasterbart – festzustellen, dass der eigene Stammbaum möglicherweise doch ein Kreis ist. Und wo das nun folgende „Die Halbe Welt“ bereits eine dicke Absage an jedwede Form von Xenophobie und völkischem Gedankengut ist, gibt es mit „Falscher Leuchtturm“ direkt eine höchst angebrachte Warnung vor dem rechtspopulistischen Zeitgeist und seinen rattenfangenden Vorzeige-Vertretern in Politik und Gesellschaft hinterher.
Wilder Schubsetanz mit wohligem Pipi in den Augen
Neben ihrer aktivistischen wollen VERSENGOLD aber auch ihrer emotional-besinnlichen Seite Raum geben. So werden für die an die eigenen Anfänge als LARP- und Mittelalter-Kapelle reminiszierende Ballade „Krug Voll Mondenschein“ ein großes Lagerfeuer und sanft von der Decke rieselnde Schneeflocken ausgepackt. Und wo der Weg nun steil in die lyrische Hochphase der Band führt und das „zeitlose“ Meisterwerk „Niemals Sang- Und Klanglos“ zum Besten gegeben wird, strebt die Partylaune im Zuschauerraum ihrem Höhepunkt entgegen, wo befeuert von buntem Konfettiregen ein nicht enden wollender Schubsetanz beginnt.
Galerie mit 30 Bildern: Versengold - Eingenordet Tour 2026 in Berlin

Derweil bahnt sich Malte Hoyer gemeinsam mit Gitarrist Daniel Gregory und Geiger Florian Janoske einen Weg zur Front-Of-House-Insel, um dort das Bad in der Menge sichtlich zu genießen. Gemeinsam mit den auf der Bühne verbliebenen Kollegen stimmen die drei auf ihrer selbsterklärten „neuen Lieblingsinsel“ – nomen est omen – den Gassenhauer „Verliebt In Eine Insel“ an. Wie gut ein intelligent-tiefschürfender Text mit positiver Feierlaune einhergeht demonstriert im Anschluss das überragende Gänsehaut-Stück „Erde“, das dem einen oder anderen wohliges Pipi in die Augen treibt.
Während sich Malte Hoyer und Daniel Gregory beim folgenden „Dans Op De Deel“ für den konventionellen Weg zurück auf die Bühne entscheiden, lässt sich Florian Janoske wild geigend auf einem Flight Case durch die Menge nach vorne ziehen und schieben. „Für den Trecker aus dem Musikvideo hat das Budget nicht gereicht“ – tja, schade eigentlich. Nachdem die ungeteilte Aufmerksamkeit nun wieder in Richtung Bühne geht, packt der Titelsong von „Eingenordet“ seinen stampfenden Galeeren-Rhythmus aus – Ehrensache, dass die eben noch wild umherpogende Meute ihre Allerwertesten spontan in den frisch erzeugten Bierlachen parkt (an dieser Stelle wünschen wir allen Bierbecher-Werfern von ganzem Herzen die Pest an den Hals, ein Furunkel an den Pimmel, einen Bandwurm im Darm, und so weiter, etc., pp. und ’nen Tripper natürlich auch!) und die Oberarmmuskulatur mit kräftigen Ruderbewegungen auf Vordermann bringt. Saustark und so passend wie sonst nur bei den Wikingern von AMON AMARTH!
VERSENGOLD sind halt nicht GUTALAX
Weniger gut vorbereitet ist das Publikum hingegen auf das folgende „Klopapier“, das es als nunmehr neuntes Stück von „Eingenordet“ auf die Setlist geschafft hat und damit das berechtigte Vertrauen von VERSENGOLD in ihren jüngsten Geniestreich eindrucksvoll untermauert. Erstaunlicherweise sind die Fans allesamt unbewaffnet (das wäre bei GUTALAX garantiert nicht passiert!), so dass es der Band (beziehungsweise deren Bühnentechnikern) überlassen bleibt, zum Ende des Stücks hin weiße Papierstreifen über die Köpfe der Menge hinweg zu feuern, von denen sich ein guter Teil im Technikgerüst unter der Hallendecke verfängt und für den Rest des Abends als Frieden verheißende Banner im Sichtfeld der oberen Ränge hin und her schwingt.
Die Menge ist inzwischen außer Rand und Band, hört selbst beim eher nachdenklichen „Haut Mir Kein‘ Stein“ nicht auf zu pogen und rastet bei „Kobold Im Kopp“ nochmal spektakulär aus, bis ein großer Knall und anschließende Dunkelheit das reguläre Set beschließen. Den Zugaben-Evergreen „Ich Und Ein Fass Voller Wein“ bestreitet Malte Hoyer erneut von der liebgewonnenen FOH-Insel aus, diesmal gemeinsam mit Bassist Eike Otten, der sich von diesem Platz auch bei „Butter Bei Die Fische“ nicht vertreiben lässt. Ein toller Abschluss für diesen fantastischen Konzertabend, der nach einer ausführlichen und angenehm authentischen Dankesorgie an alle Beteiligten in den längst zur Tradition gewordenen A-Capella-Rausschmeißer-Chor und einen nicht enden wollenden Applaus der zu Recht begeisterten Zuschauerschar mündet.
Setlist VERSENGOLD:
- Der Tag mag kommen
- Klabauterfrau
- Der Tag, an dem die Götter sich betranken
- Solange jemand Geige spielt
- Die halbe Welt
- Falscher Leuchtturm
- The Devil is a Barmaid
- Krug voll Mondenschein
- Feuergeist
- Niemals sang- und klanglos
- Verliebt in eine Insel
- Erde
- Dans op de Deel
- Hey Hanna
- Eingenordet
- Klopapier
- Thekenmädchen
- Haut mir kein‘ Stein
- Kobold im Kopp
Zugaben:
- Ich und ein Fass voller Wein
- Butter bei die Fische
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Florian Schörg































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